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Nach vier Monaten das erste Mal wieder im watson-Büro.
Nach vier Monaten das erste Mal wieder im watson-Büro.
bild: watson
Kommentar

Vom Büro ins Home-Office und wieder zurück – das sind meine 5 Erkenntnisse

Vier Monate verbrachte ich im Home-Office bis ich das erste Mal wieder das Büro besuchte. Nach der Rückkehr sah ich die Vor- und Nachteile dieser beiden Arbeitsorte viel klarer. Meine Erkenntnisse in fünf Punkten.
03.08.2020, 19:5104.08.2020, 16:41

Mein Herz schlägt schneller und meine Fingerspitzen kribbeln – ich bin aufgeregt. Es fühlt sich ungewohnt an, so nervös zu sein. Ist der Gang ins Büro doch eigentlich etwas Alltägliches. Doch an jenem Tag ist es richtig speziell: Das erste Mal nach vier Monaten kehre ich vom Home-Office ins Büro zurück.

Der Geruch im Treppenhaus des Gebäudes erinnert mich daran, wie «hunz»normal es einmal war, hier ein und aus zu gehen, statt ein paar Schritte vom Bett entfernt meiner Arbeit nachzugehen. Die leeren Plätze und Bürogebäuden in der Umgebung zeigen hingegen, dass in der Arbeitswelt eben noch lange nicht alles beim Alten ist. Zahlreiche Angestellte arbeiten noch von zuhause aus oder kehren gar nicht erst mehr zurück. Fünf Erkenntnisse nach zwei Wochen zurück im Büro:

Soziale Interaktionen sind unersetzlich

Wenn ich am Tag vor der Rückkehr daran dachte, nach etlichen Videocalls und Chat-Nachrichten bald endliche einen Teil der Arbeitskolleginnen und -kollegen wieder Face-to-Face zu sehen, wurde ich ganz hibbelig. Denn sie fehlten mir im Home-Office am meisten. Als ich eine Runde drehte und alle, natürlich mit Abstand, begrüsste, stand meine erste Erkenntnis schnell fest: Physische, soziale Interaktionen sind unersetzlich – da helfen auch Videocalls nicht. Mir wurde bewusst, wie wichtig kurze (lustige) Unterhaltungen zwischendurch oder gemeinsame Mittags- oder Kaffeepausen fürs eigene Wohlbefinden sind. Im Home-Office gehen die Pausen schnell vergessen und wenn sie doch stattfinden, dann sind sie um einiges weniger aufstellend – ausser man liebt es, Abfall zu entsorgen oder spricht lieber mit Pflanzen, als mit Menschen.

Auch um Dinge kurz zu besprechen ist es eine regelrechte Erleichterung, endlich wieder physisch nebeneinander zu sitzen. Die gefühlt 20 verschiedenen offenen Chats und stockende Videocalls habe ich definitiv nicht vermisst.

Bevor ich zurückkehrte, schrieb ich dem Home-Office einen Abschiedsbrief:

Pendeln ist schlimmer, als gedacht

Bild: KEYSTONE

Schon vor Corona mochte ich das Pendeln nicht. Ich war nicht eine von denen, die davon überzeugt waren, dass man die Zeit so gut nutzen oder die vorbeiziehende Landschaft geniessen kann. Wenn man jeden einzelnen Tag pendelt, kennt man jeden einzelnen Strauch auswendig und in Thunfischsandwich-Geruch eingehüllt und eng eingepfercht, kann man die Zeit definitiv nicht sinnvoll nutzen.

Nach Corona wurde meine Abneigung zum Pendeln nicht weniger, im Gegenteil. Jeden Morgen und Abend so vielen Menschen zu begegnen, lauten Telefongesprächen zuhören zu müssen und durch die überfüllten Bahnhofunterführungen zu hasten – diese Mühseligkeit ist mir noch mehr eingefahren als zuvor. Die Maskenpflicht machte das Ganze nicht besser; Die vollen Zugabteile mit maskentragenden Personen sind ein trauriger Anblick.

Wie viel Energie einem das Pendeln unnötigerweise entzieht, habe ich unterschätzt (oder verdrängt). Hinzu kommt die fehlende Zeit: Plötzlich habe ich pro Tag wieder zwei Stunden weniger in meiner Stadt und mit Freunden zur Verfügung – wie konnte das mal normal sein?

Die Wohnung ist zum Wohnen da

In diesen vier Monaten Home-Office merkte ich gar nicht, wie sehr das Arbeiten meine Wohnung einnahm. Ich betrachtete die vier Wände immer mehr als Arbeitsort und weniger als Wohnraum. Als ich wieder nach Zürich pendelte, war es umgekehrt: Ich schätzte und genoss es richtig, wieder mal zuhause sein zu können. Das gefiel mir besser, denn die Wohnung soll zum Wohnen sein und nicht zum Ersatzbüro werden.

Erst, als ich wieder im Büro arbeitete, merkte ich, wie gut es sich anfühlt, am Abend den Laptop zuzuklappen, den Rucksack zu packen und aus dem Gebäude zu laufen. Dieses Feierabend-Gefühl stellte sich während den vier Monaten im Home-Office selten ein. Dafür stapelte sich zuhause die Wäsche (Ja, statt Kaffeepause kann man auch kurz eine Wäsche machen) und die Post-Abholungseinladungen.

Vor Corona mochte der Chef Home-Office nicht:

Video: watson/camille kündig, maurice thiriet, nico franzoni

Die Home-Office-Produktivität ist kein Mythos

So sehr ich die «echten» sozialen Interaktionen schätzte, so sehr hielten sie mich teilweise davon ab, produktiv zu sein. Eine Kaffeepause hier, ein Schwatz dort und schon sind wieder zehn Minuten um. Die Diskussion über «unterschätzte Glacésorten» nebenan will man auch nicht verpassen und schwups: Mittag. Aber es sind nicht nur ausserberufliche Angelegenheiten, die einen ablenken: Während man im Home-Office nicht dringende Angelegenheiten im Chat aufschieben konnte, klopft im Büro jederzeit jemand an und unterbricht den Workflow. Was ich vermutete, kann ich jetzt mit aller Sicherheit bestätigen: Ich bin im Home-Office viel produktiver.

Die Abwechslung macht's aus

Diese letzte Erkenntnis leuchtete mir nach meiner Büro-Rückkehr am meisten ein. Hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, dass das Home-Office von mir aus der Status quo sein könnte, wurde mir klar: Auf keinen Fall. Denn die Abwechslung macht's aus. Beide Arbeitsorte haben für mich Vorteile – aber eben auch Nachteile. Von den Vorteilen kann ich aber umso mehr profitieren, wenn beide Orte in meinen Arbeitsalltag eingebunden sind.

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