Schweiz
Luftfahrt

Flugunfälle und unruly passengers: Bilanz des BAZL

Deutlich mehr Unfälle und Rüpel-Passagiere im Luftverkehr im Jahr 2025

01.06.2026, 16:3101.06.2026, 16:31

14'972 Vorfälle hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt im letzten Jahr bearbeitet. Seit einigen einigen Jahren nehmen die Meldungen kontinuierlich zu. Dem Bundesamt zufolge lag dies an einer verbesserten Meldekultur, am zunehmenden Luftverkehr und an grossflächigen Signalstörungen aus geopolitischen Konfliktregionen.

Die gemeldeten Vorfälle werden jährlich vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) analysiert. Am Montag veröffentlichte der Bund seine Vorfallstatistik 2025 in der Schweizer Zivilaviatik.

Hier eine Übersicht:

Zunahme bei Luftraumverletzungen

Letztes Jahr wurden in der Schweiz 650 Luftraumverletzungen registriert. Gegenüber den 439 Ereignissen im Jahr davor wies die Vorfallstatistik 2025 einen deutlichen Zuwachs aus. Ein Grund dafür könnte die neue Terminal Maneuvering Area (TMA) über Zürich sein, wo seit der Inbetriebnahme häufiger Luftraumverletzungen verzeichnet wurden.

Nach solchen Änderungen der Luftraumstruktur ist diese Zunahme laut BAZL «ein erwarteter Effekt».

Doppelt so viele Zwischenfälle wegen Drohnen

Seit Juni 2022 haben sich in der Schweiz über 80'000 Drohnenpilotinnen und -Piloten registriert. Besonders dicht ist der Drohnenverkehr im Luftraum von Zürich, Genf, Lausanne und Bern.

Von 2024 auf 2025 stiegen die Zwischenfälle mit Flugzeugen von 56 auf 105. Und auch bei den Zwischenfällen zwischen Helikoptern und Drohnen gab es eine Zunahme (von 10 auf 19). Gemäss BAZL liegt der Grund dafür aber vor allem beim neuen Drohnenerkennungssystem in Zürich. Dieses mache Vorfälle sichtbar, die zuvor unentdeckt geblieben wären.

GPS-Störungen wegen Krieg und Krisen

Geopolitische Krisenherde in der Ukraine, in Afghanistan oder im Sudan hinterliessen 2025 auch im Schweizer Luftraum ihre Spuren. Das BAZL verzeichnet eine Zunahme von massiven, grossflächigen GPS-Störungen durch GNSS-Spoofing oder GNSS-Jamming. Rund 4270 Meldungen zu GPS-Störungen gingen laut eigenen Angaben beim BAZL ein.

Dabei sei die Zahl in den letzten Jahren stetig gestiegen, teilte ein Sprecher des BAZL der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage mit. Ihm zufolge sind GPS-Störungen ein global weit verbreitetes Problem. Die Auswirkung auf die Sicherheit an Bord sei aber eher gering, da ein Linienflugzeug über eine Vielzahl von Navigationsgeräten verfüge und die Besatzung bei einem Ausfall auf ein anderes Gerät zurückgreifen könne.

Schwierige Passagiere an Bord

Auch die Zahl renitenter Passagiere habe 2025 stark zugenommen: Über 2000 Fälle wurden 2025 gemeldet, gegenüber dem Vorjahr liegt die Zunahme laut Bund damit bei 15 Prozent. Ein Teil dieses Anstiegs liege daran, dass solche Vorfälle heute stärker erfasst und breiter diskutiert würden.

Diese Fluggäste verhielten sich anderen Fluggästen oder der Besatzung gegenüber aggressiv oder gewalttätig, beschädigten das Flugzeug oder randalierten am Flughafen. Verantwortlich für das aggressive Verhalten sogenannter «Unruly Passengers» seien meist Alkohol, Drogen oder Arzneimittel, hiess es vom BAZL.

Diese weigerten sich, die Anweisungen der Crew zu befolgen, legten den Sicherheitsgurt nicht an oder missachteten das Rauch- oder Alkoholtrinkverbot. «Sie fluchen, beschimpfen, drohen, verbreiten Falschmeldungen inklusive Bombendrohungen», erklärte der BAZL-Sprecher. Sie gefährdeten damit die Sicherheit am Boden und in der Luft.

Zahl der Todesopfer

In der kommerziellen Luftfahrt gab es trotz Zunahme des Luftverkehrs keinen Unfall mit Todesfolge. In der Freizeitfliegerei kam es im letzten Jahr gemäss Vorfallstatistik zu vier Unfällen mit insgesamt sechs Todesopfern.

Eine Person starb bei einem Helikopterunfall, eine weitere zog sich Verletzungen zu. Die Ursachen solcher Unfälle seien vielfältig, teilte das BAZL mit. Schulungsflüge und Einsätze für die Landwirtschaft stünden dabei im Fokus. Kabel und Drähte stellen für Helikopter, die oft bodennah operieren, ein grosses Risiko dar. Ein Tiefflugnetz soll bis 2029 für Helikopterbetreiber zur Verfügung stehen.

Straffreie Fehlerkultur

Das Konzept der «Just Culture» werde derzeit in der Schweiz debattiert, heisst es im Bericht. Insbesondere nachdem es mehrere Gerichtsurteile gegen Fluglotsen gegeben hatte. Um die Sicherheit des Luftverkehrssystems bewerten und weiter verbessern zu können, sei es wichtig, dass sowohl die Branche als auch Einzelpersonen sicherheitsrelevante Informationen melden. «Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto besser können Schwachstellen erfasst und behoben werden», hiess es.

Mit der Revision des Luftfahrtgesetzes (LFG) soll «Just Culture» dieses Jahr sogar ins Strafrecht mitaufgenommen werden.

Bald nur noch ein Pilot im Cockpit? Abklärungen laufen

Technische Innovationen, fortschreitende Automatisierung und autonome unbemannte Luftfahrzeuge wecken bei Flugzeugherstellern den Wunsch zu prüfen, ob kommerzielle Reisen in Grossflugzeugen auch mit reduzierter Crew oder im Einpilotenbetrieb durchführbar wären.

Gemeinsam mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) gab das BAZL an, sich mit den hierfür notwendigen Sicherheitsmassnahmen auseinanderzusetzen.

(sda)

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