Schweiz
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Tödlicher Einsatz in Malters: Luzerner Polizeispitze auch in 2. Instanz freigesprochen



ARCHIV – ZUM AUFTAKT DER BERUFUNGSVERHANDLUNG IM FALL MALTERS AM MITTWOCH, 23. AUGUST 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Eine Person hat sich seit Dienstag in einem Haus in Malters verschanzt, am Mittwoch, 9. März 2016. Die Polizei hat das Gebiet um das Wohnhaus abgeriegelt. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Der Tatort in Malters LU. Bild: KEYSTONE

Das Luzerner Kantonsgericht hat am Montag den Kommandanten der Luzerner Polizei und den damaligen Kripo-Chef nach dem tödlich ausgegangenen Polizeieinsatz in Malters 2016 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Es bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

Der Gerichtsvorsitzende eröffnete am späten Montagnachmittag das Urteil mündlich. Wie schon die Vorinstanz treffend ausgeführt habe, habe die Frau den Entscheid zum Suizid selber getroffen, sagte er. Sie sei urteilsfähig gewesen. Die angewandte Intervention sei verhältnismässig und rechtens gewesen.

Die Luzerner Polizei war am 9. März 2016 wegen einer Hanfplantage in eine Gebäude in einem Weiler bei Malters eingedrungen. In dem Haus hielt sich die psychisch kranke Mutter des Hanfanbauers auf. Sie erschoss sich während des Polizeieinsatzes.

Der Kommandant der Luzerner Polizei, Adi Achermann, und der damalige Chef der Kriminalpolizei, Daniel Bussmann, mussten sich deswegen im August 2018 in zweiter Instanz vor dem Kantonsgericht Luzern wegen fahrlässiger Tötung verantworten. In erster Instanz waren sie freigesprochen worden.

Gegen den erstinstanzlichen Freispruch der beiden Polizeikader hatte der Sohn der Frau Berufung eingelegt. Der Hanfanbauer war während des Polizeieinsatzes in Untersuchungshaft gewesen. Er wirft der Polizei vor, unverhältnismässig gehandelt und damit den Suizid der Mutter provoziert zu haben.

Nach der ersten Berufungsverhandlung sahen sich die Richter jedoch nicht im Stande, ein Urteil zu fällen. Es liess in einem Gutachten abklären, ob das Opfer zum Zeitpunkt des Suizides urteilsfähig war oder nicht. Dieses liegt nun vor und geht mit grosser Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die Frau an einer paranoiden Schizophrenie litt.

An der zweiten Berufungsverhandlung vom Montag konnten die Parteien zum Gutachten Stellung nehmen. (aeg/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 01.07.2019 23:59
    Highlight Highlight Komisch, da leidet eine Frau an paranoider Schizophrenie und ist "urteilsfähig". Das sind Schizophrene sicher nicht, wenn sie einen Anfall haben. Solch ein Anfall dürfte durch das durch nichts zu begründende Erstürmen einer wehrlosen Hanfplantage ausgelöst worden sein.
    In der Tat, die Leiter der Kripo Luzern handelten nicht fahrlässig, aber grobfahrlässig.
    Da ein Luzerner Gericht über Luzerner Kriminalbeamte urteilte...
  • paper 01.07.2019 21:01
    Highlight Highlight In Basel wird eine Sterbehelferin angeklagt, weil die suizidale Person nicht urteilsfähig gewesen sein soll. In Luzern wird ein Polizist freigesprochen, weil die suizidale Person angeblich urteilsfähig war.
    Dabei klingt der bewusste Gang zur Sterbehilfeorganisation für mich deutlich urteilsfähiger als ein überstürzter "Suizid", während Polizisten die Wohnung stürmen.
  • ich bin's 01.07.2019 18:59
    Highlight Highlight Ursache und Wirkung
    Die Frage ist doch einfach:
    Hätte die Frau den Suizid auch ohne diesen Einsatz begangen? Oder war der Einsatz der Auslöser?
    Falls ja und wenn die Polizei auch noch Kenntnis der psychischen Krankheit hatte, dann ist da doch ein kausaler Zugsamenhang. Es ist völlig egal, ob die Frau zu diesem Zeitpunkt urteilsfähig war oder nicht. Einzig die Frage der Kausalität stellt sich...
    • Bündn0r 01.07.2019 21:40
      Highlight Highlight Nach deiner grandiosen Auslegung stände der Kommandant bei jedem Einsatz bei psychisch labilen Personen mit einem Fuss im Knast. Das kann und darf nicht sein.
  • Pümpernüssler 01.07.2019 17:42
    Highlight Highlight Alles andere als ein Freispruch wäre ja skandalös. Die Polizei soll ihre Arbeit ohne Gewissensbisse machen können. Wer seinem Leben ein Ende setzen möchte, fällt diese Entscheidung doch nicht wegen einer Drogenrazzia.
    • ich bin's 01.07.2019 20:44
      Highlight Highlight Nein
      Die Polizei hat das Gewaltmonopol. Genau darum muss sie sehr genau abwägen und immer die Verhältnismäßigkeit bewahren. Ob die gewährt ist, wenn wegen einer Hanfplantage ein Überfallkommando in ein Haus eindringt? Und bekannt ist, dass dort eine wohl unbeteiligte psychisch kranke Frau wohnt? Warum nicht eine ganz normale Hausdurchsuchung - ohne Überfall? Ich habe absolut kein schlechtes Bild von der Polizei. Aber wenn so ein Kommando bei meiner Mutter in's Haus eindringen würde und ihr was passieren würde, dann würde ich garantiert alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen.
    • ich bin's 01.07.2019 20:44
      Highlight Highlight Ein befehlender Polizist soll sehr wohl Gewissensbisse haben, wenn seine Entscheidung falsch und unverhältnismäßig war und darum jemand unbeteiligtes zu Schaden kam.
    • paper 01.07.2019 21:03
      Highlight Highlight Dein letzter Satz ist leider ein weit verbreiteter Irrtum. Die allermeisten Suizide sind Affekthandlungen und geschehen aus Überforderung / Schmerzen heraus. Von "wollen" kann gar nicht die Rede sein.
      Und die paar übrigen Suizide finden sich primär bei Sterbehilfeorganisationen.

Wenn die Einwohnerzahl die Kantone definieren würde

Neuste Zahlen zeigen: In der Schweiz leben rund 8,54 Millionen Menschen verteilt auf 26 Kantone. Was, wenn in jedem Kanton gleich viele Menschen leben würden? Die Schweiz wäre eine andere.

Treue watson-Leser erinnern sich: Schon im letzten Jahr spielten wir mit den Schweizer Kantonen herum. Wir teilten sie nach Nähe zum Kantonshauptort auf (gemessen an der Luftlinie und Reisedauer) und definierten danach 20 Kantone mit den jeweils grössten Schweizer Städten.

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