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Codename «Säntis»: Rechtes Medienprojekt will hoch hinaus

Markus Somm, Ex-Chefredaktor der «Basler Zeitung», sammelt Geld für ein Newsportal, das sich gegen den «linken Mainstream» richtet.
06.09.2020, 06:5806.09.2020, 13:46
Francesco Benini / schweiz am wochenende
Unter dem Codenamen «Säntis» wird gerade an einem neuen Newsportal getüftelt.
Unter dem Codenamen «Säntis» wird gerade an einem neuen Newsportal getüftelt.
Bild: keystone

Die Präsentation umfasst 42 Folien und trägt den Namen «Säntis». Markus Somm will mögliche Investoren dazu bringen, 100'000 Franken zu zahlen – für ein «hochkarätiges publizistisches Produkt», das im ersten Quartal 2021 lanciert werden soll.

Somm ist zurzeit Publizist bei Tamedia, war Chefredaktor der «Basler Zeitung», ist Mitglied der FDP und vertritt in seinen Kommentaren meistens die Positionen der SVP. Somm versucht seit dem vergangenen Frühling, vier Millionen Franken als Startkapital zusammenzubekommen. «In Print und digital» soll der neue Medientitel erscheinen, heisst es in der Präsentation des 55-Jährigen.

40 Personen aus der Schweizer Wirtschaft davon zu überzeugen, 100'000 Franken für ein Medienprodukt zu investieren, ist anspruchsvoll. Somm versucht es so: «In den Medien dominiert der linke Mainstream. Liberale, bürgerliche und pragmatische Positionen sind am Verschwinden.» In der Schweiz seien die Bürgerlichen in der Defensive wie nie seit 1919; damals legten die Sozialdemokraten im Nationalrat wegen des Wechsels von der Majorz- zur Proporzwahl stark zu.

Abhilfe schaffen gegen die heutige Misere soll nun ein Online-Newsportal, das «liberal-konservativ» ausgerichtet ist. Es soll «harte Fakten», «Hintergründe mit überraschenden Perspektiven», «pointierte Meinungen der besten Autoren» bringen und auch Lifestyle-Themen berücksichtigen.

Markus Somm, ehemaliger Chefredaktor der «BaZ», will ein rechtes Newsportal gründen.
Markus Somm, ehemaliger Chefredaktor der «BaZ», will ein rechtes Newsportal gründen.
Bild: KEYSTONE

Die «Weltwoche» gilt laut Somm als «SVP-Blatt»

Somm erwähnt, dass für die «Republik» und «watson» in den vergangenen Jahren viel Geld investiert worden sei – der Publizist bezeichnet die beiden Onlinemedien als «DigitalPublikationen mit linksliberaler bis ausgeprägt linker Ausrichtung». Hier soll nun ein Gegengewicht geschaffen werden – damit die Linke nicht länger «vorgibt, wie wir über unser Land denken».

Somm weist ausserdem darauf hin, dass es in der Schweiz zwar bereits Medien gebe, die eine ähnliche Zielgruppe im Auge hätten wie der geplante neue Titel. Aber die «Neue Zürcher Zeitung» sei «zu spröde, zu verkopft» und bewege sich «im Medien-Mainstream». Und die «Weltwoche» gelte als «SVP-Blatt» und habe zu viele Leute vor den Kopf gestossen.

Wie soll das neue Newsportal einen Gewinn abwerfen? Aus der Präsentation geht hervor, dass Somm – neben dem Startkapital – auf das sogenannte Reichweitenmodell setzt. Mit möglichst hohen Nutzerzahlen sollen die Werbeerlöse des Portals steigen. Da sehr viel Onlinewerbung in der Schweiz aber auf Portalen der amerikanischen Techgiganten wie Google gebucht wird, ist das Reichweitenmodell schwierig.

Braucht die Schweiz ein rechtes Newsportal?

In der Präsentation sind weitere Einnahmequellen wie Native Advertising und Content Commerce aufgeführt. Für diese Aktivitäten – es geht grob gesagt um die Einbettung von Werbetexten in den redaktionellen Teil – ist die Einrichtung einer eigenen Agentur geplant. Insgesamt soll die Gewinnschwelle nach 30 Monaten erreicht werden.

Beim Geschäftsmodell ist aber noch mit Anpassungen zu rechnen. Denn Peter Wälty, der als Online-Chef des Projekts vorgesehen war, ist nach einem Streit mit Markus Somm über die Organisation des Unternehmens abgesprungen. Wälty arbeitete in führenden Positionen für Tamedia und Ringier und ist ein ausgewiesener Experte in Online-Journalismus. Wie Somm nun diesen Verlust an Know-how kompensiert, ist unklar – als Chefredaktor der «Basler Zeitung» kümmerte er sich vor allem um die gedruckte Ausgabe, nicht um den digitalen Auftritt

«Basler Zeitung» geht an Tamedia

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«Basler Zeitung» geht an Tamedia
quelle: keystone / georgios kefalas
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Wälty gilt als Verfechter des Reichweitenmodells und wollte von den Nutzern des neuen Portals keine Abonnementsgebühr verlangen. Wältys Ausscheiden könnte jetzt zu einer Änderung am Projekt führen. Unklar ist auch, wie oft und in welchem Umfang eine gedruckte Ausgabe erscheinen soll. Das Onlinemagazin «Republik» kündete bei seinem Start vor zwei Jahren an, eine Auswahl der besten Texte werde wohl bald auch auf Papier erscheinen. Das geschah dann aber nicht. Die Kosten sind beträchtlich.

Zwei Chefs und sechs Stellen für Journalisten

Die Ausgaben im Rahmen halten will Somm, indem er die Redaktion klein hält. Im Businessplan sind neben den beiden «Heads», also Chefs, lediglich sechs Stellen für Journalisten aufgeführt. Sie werden viel schreiben müssen, um ein lebendiges Newsportal zu betreiben.

Wie viel Geld hat Somm bereits gesammelt? «Kein Kommentar» ist alles, was ihm zu entlocken ist. Somm wurde Chefredaktor der «Basler Zeitung», nachdem Christoph Blocher das Basler Medienunternehmen gekauft hatte. Beteiligt sich Blocher nun finanziell am neuen Projekt? «Über ein neues Medienprojekt von Herrn Markus Somm bin ich nicht im Bilde», teilt Blocher mit. Über eine Beteiligung seinerseits an einem solchen Projekt sei ihm nichts bekannt, hält er weiter fest.

Bringt vielleicht Rolf Dörig 100'000 Franken für das Medienprojekt auf? Der Präsident der Unternehmen Swiss Life und Adecco ist Mitglied der Stiftung für bürgerliche Politik, die unter anderem die finanzielle Unterstützung der SVP zum Ziel hat. «Kein Kommentar», sagt Dörig. In wenigen Wochen dürfte man erfahren, ob Markus Somm seinen Plan umsetzen kann.

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