Schweizer Mediziner testen eine neue Methode der Herztransplantation: die Herzentnahme nach Herztod. Seit März wurde diese «Donation after Circulatory Death» (DHD) bereits fünf Mal in Bern, Lausanne und Zürich ausgeführt, wie gestern bekannt wurde. Diese Transplantationen beschäftigen nun den Generalstaatsanwalt des Kantons Bern, weil zwei Organisationen eine Strafanzeige gegen das Inselspital Bern eingereicht haben. Die «Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspende am Lebensende» (Äpol) und «Human Life International Schweiz» klagen wegen eines Verstosses gegen das Transplantationsgesetz. Die mutmasslich im Inselspital erfolgte Herzentnahme nach DCD sei als aussergewöhnlicher Todesfall im Sinne eines grobfahrlässigen, allenfalls sogar eventualvorsätzlichen Behandlungsfehlers zu untersuchen, schreiben die Kläger und verlangen ein Moratorium für DHD.
Die Strafanzeige unterschrieben hat der Moraltheologe Roland Graf, der daran zweifelt, dass bei dieser Methode das Gehirn und Herz bei der Entnahme unwiederbringlich ausgefallen seien. Die Todesfeststellung sei unsicher, was gegen das Transplantationsgesetz verstosse. Das Herz sei nach dem Stillstand offensichtlich noch funktionsfähig wie auch das Gehirn, sonst könnte das Herz ja nicht wieder anspringen im Empfänger.
Die Vorwürfe beruhten auf Missverständnissen, hat Tanja Krones, Leiterin Klinische Ethik am Universitätsspital, im «Tages-Anzeiger» erklärt. Für die Transplantationsmediziner handelt es sich bei dieser DHD-Methode nur um eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Herztransplantation, die in der Schweiz Routine ist. Bei dieser etwa 50 Mal im Jahr durchgeführten Transplantation stammt das Organ von hirntoten Spenderinnen und Spendern, die «Donation after Brain Death»-Methode (DBD). Dabei wird die hirntote Person bis zur Entnahme künstlich beatmet, das Herz schlägt weiter.
Anders ist die Reihenfolge bei der DHD-Methode, das Herz steht bereits still, wenn die Organe entnommen werden. «Der Patient ist auf der Intensivstation und aufgrund einer aussichtslosen Prognose wird die Therapie abgebrochen», erklärt Franz Immer, Direktor von Swisstransplant. Das bedeutet, dass man bei diesen Patienten die Beatmung stoppt und alle Medikamente, welche den Kreislauf stützen, abstellt. Er tritt somit in den Sterbeprozess ein. «Dort ist es so, dass meist relativ rasch die Atmung abbricht und wenige Minuten später auch das Herz nicht mehr schlägt - kein Blut mehr auswirft.» Das Herz schlägt also nicht einfach von sich aus nicht mehr, sondern wegen des Therapieabbruchs.
Nach mindestens fünf Minuten Wartezeit wird der Tod durch zwei Fachärzte bestätigt. «Das Gehirn ist somit irreversibel ausgefallen.» Bei diesen Spendern wurden bis anhin Lunge, Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse entnommen. Neu ab März 2023 auch das Herz bei ausgewählten Patienten mit Zustimmung der Angehörigen entnommen und ausserhalb des Körpers wieder reanimiert.
Die Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle von der Stiftung Dialog Ethik sagt, der Verzicht auf lebenserhaltende Massnahmen beim Patienten auf der Intensivstation müsse vor dem Abstellen der lebenserhaltenden Massnahmen und unabhängig von der Frage einer möglichen Organentnahme entschieden werden. «Es braucht genug Zeit, abzuklären, ob die Intensivmassnahmen nicht mehr angemessen sind», sagt die Ethikerin.
Zu Letzterem sagt Immer, die überwiegende Mehrheit der europäischen Länder hätten eine mindestens fünfminütige Wartezeit nach Herzstillstand. «In der Schweiz wird zudem noch nachgewiesen mit Ultraschall, dass das Herz auch kein Blut auswirft, sein Kreislaufstillstand da ist.» Der Tod werde durch zwei Fachärzte oder -ärztinnen im Vieraugenprinzip festgestellt, wie es die Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Wissenschaften vorschreiben.
«Man spricht hier von einem irreversiblen Funktionsausfall des Gehirns», sagt Franz Immer dazu. Die Frage der Organspende erfolge, so wie die Ethikerin fordert, losgelöst vom Entscheid, die Therapie abzubrechen. Und das unter den üblichen Medikamenten, welche sicherstellen, dass der Patient keine Schmerzen hat. Wie dies auch sonst auf Intensivstationen durchgeführt wird. «Da der Patient beim Therapieabbruch stirbt, ist die Reanimation logischerweise kein Thema mehr.»
Dies sei gerade der Unterschied der DHD-Methode zur Reanimation, sagt Immer. Bricht der Patient auf der Strasse zusammen wegen eines Herzstillstands, fängt man an zu reanimieren. Erfolgt die Reanimation zu spät, nimmt das Herz zwar wieder seine Funktion auf, der Patient kommt aber nicht mehr zu Bewusstsein, weil sein Gehirn durch den Sauerstoffmangel zu schwer geschädigt wurde. Das kann auch zum Hirntod führen. «Das ist die gleiche Ausgangssituation wie die Transplantation nach DCD-Spende. Das gesunde Herz wird ausserhalb des Verstorbenen mit warmem Blut und Sauerstoff versorgt und fängt im Empfänger wieder an zu schlagen», sagt Immer.
Möglich ist die neue DHD-Methode dank eines neuen Geräts namens «Organ Care System» (OCS), welches das Herz ausserhalb des Körpers mit Blut und Sauerstoff versorgt und wieder zum Schlagen bringen kann. So bleibt das Herz mit dieser Methode länger funktionsfähig. Die Zeitspanne zwischen Entnahme und Implantation wird um bis zu acht Stunden verlängert. Die Methode wird in Ländern wie den USA, Grossbritannien und Australien schon länger angewandt. In der Schweiz gehe es allen Empfängerinnen und Empfängern der Herzen mit der DHD-Methode gut, sagt Franz Immer. (aargauerzeitung.ch)
Mein alltag auf der intensiv zeigt mir aber erbarmungslos wie, wann oder wieso emtschieden und gehandelt wird und wir sind weit weg von der von ethikern beschriebenen wahrheit….
Geld und Karriere ist in der medizin ebenfalls wichtig und motivation für viele Schlupflöcher.
Und die illusion von “alle patienten werden gleich nehamdelt….” pffffff…..
Wenn man schaut, woher diese beiden Organisationen ihre finanziellen Mittel beziehen, stellt man fest: Ewiggestrige Fundis.
Und trotzdem springt der gemeine Schwurbler darauf an, weil er mal wieder "dagegen" sein kann. Dies führt in seinem oftmals leeren und langweiligen Leben zu einer höheren Ausschüttung eines Glückshormons.
Wenn er dann im Herbst noch sein Kreuzchen bei den Schweizer Versteher Putins setzen darf, ist er kurzfristig sogar überglücklich.