Schweiz
Österreich

SBB planen mehr Züge nach München

EuroCity Zug München Zürich, Typ ETR 610 der SBB, Hauptbahnhof München, München, Bayern, Deutschland, Europa *** EuroCity Train Munich Zürich, Type ETR 610 the SBB, Central Station München, München, B ...
Soll bald häufiger fahren: der Eurocity zwischen Zürich und München.Bild: www.imago-images.de

Passagier-Boom auf Problem-Strecke: Jetzt planen die SBB mehr Züge nach München

Trotz instabilem Betrieb steigt die Zahl der Passagiere auf den Zügen nach München stark an. Jetzt wollen die SBB weiter ausbauen – möglicherweise auch, um Flixtrain zuvorzukommen. Auf den Zügen nach Österreich könnte es zu einer grossen Neuerung kommen.
19.04.2024, 23:0721.04.2024, 21:05
Stefan Ehrbar / ch media
Mehr «Schweiz»

Der Sonntag war einer dieser Tage: Von sieben Zügen von München nach Zürich kamen drei pünktlich an ihr Ziel, zwei mit einer Verspätung und zwei gar nicht. Von einem stabilen, pünktlichen Betrieb sind die Eurocitys weit entfernt, auch wenn sich die Situation zuletzt gebessert hat.

Trotzdem setzen sich immer mehr Reisende in die Züge. Im vergangenen Jahr waren es 123'000 zwischen den beiden Städten, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Verbindung gehört zu den fünf internationalen Strecken der Deutschen Bahn mit dem stärksten Wachstum, wie diese kürzlich bekannt gab. Erst im Dezember 2023 wurde der durchgehende Zweistundentakt eingeführt. Ein siebtes Zugpaar, das zuvor nur an Tagen mit hohem Aufkommen verkehrte, fährt seither ganzjährig.

Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Schon 2015 wurden aus der Schweiz über 160'000 Reisen mit Übernachtungen pro Jahr nach München gezählt – mehr als nach Mallorca oder Amsterdam. Der Fernbusanbieter Flixbus bietet täglich bis zu 16 Abfahrten pro Richtung auf der Strecke an, hinzu kommen sechs tägliche Flüge pro Richtung von Swiss und Lufthansa.

Berlin entscheidet über Ausbau

Die SBB wollen das Angebot ausbauen, haben aber ein Problem: Die Strecke wurde auf dem deutschen Abschnitt zwar bis 2020 elektrifiziert und ausgebaut, aber viele Abschnitte blieben einspurig. Deshalb kann nur alle zwei Stunden ein Eurocity pro Richtung verkehren. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) und die SBB wollen das Angebot mittelfristig auf den Stundentakt verdichten.

Dafür wären weitere Ausbauten in Deutschland nötig, deren Kosten der Bund vor zwei Jahren in einer ersten groben Kostenschätzung auf 250 Millionen Euro bezifferte. Ob Deutschland den Ausbau angeht, zeigt sich frühestens Ende Jahr, wenn das dortige Verkehrsministerium eine neue Version des Konzepts «Deutschlandtakt» veröffentlicht. Die Schweiz, Österreich und die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg haben den Stundentakt beantragt. Entschieden wird aber in Berlin.

Zunächst soll der letzte Ausbau erfolgen, der ohne weitere Infrastruktur möglich ist: Ein achtes Zugpaar pro Tag dürfte bereits ab Dezember dieses Jahres verkehren, wie CH Media aus involvierten Kreisen der SBB erfahren hat. Dabei dürfte es sich einerseits um eine Frühverbindung von Zürich nach München handeln, die Zürich um kurz nach halb sechs Uhr morgens verlässt und gegen 9 Uhr in München eintrifft. Bisher war die erste Ankunft in München erst um 11 Uhr, was für viele Geschäftsreisende zu spät ist.

Anschlüsse sind weg

In Gegenrichtung soll ein später Zug mit Abfahrt in München um kurz vor 21 Uhr eingeführt werden, der etwa um halb ein Uhr morgens in Zürich eintreffen wird. Ein Selbstläufer dürften die Züge nicht werden, denn das Potenzial in den Randstunden ist beschränkt: Für Touristen sind sie oft zu früh oder zu spät unterwegs, und es fehlen wichtige Anschlüsse.

Der Zug um halb sechs Uhr morgens von Zürich nach München könnte zwar auch mit den ersten Zügen aus Bern, Olten, Aarau, Lenzburg oder Zug erreicht werden sowie aus beinahe den ganzen Kantonen Zürich und Schaffhausen und mit Einstieg in St.Gallen aus grossen Teilen der Ostschweiz.

Flixtrain
Potenzieller SBB-Konkurrent: Der deutsche Anbieter Flixbus.Bild: shutterstock

Die letzte Verbindung abends hingegen würde in St.Gallen und Winterthur Anschlüsse in Richtung Ostschweiz und Schaffhausen ermöglichen. In Zürich aber gäbe es – ausser in den Wochenendnächten – keine Anschlüsse mehr in Richtung Aargau, Olten und Bern, sondern nur noch nach Zug und in Teile des Kantons Zürich. Ob dies zusammen mit der Stadt Zürich reicht, den Zug dauerhaft auszulasten, müssen die Bahnen noch beweisen.

Neu sind die Überlegungen für das achte Zugpaar nicht. Es war bereits vor der Coronakrise geplant. Wie ein Insider sagt, könnten nun aber auch politische Überlegungen eine Rolle spielen, es rasch einzuführen. In Verhandlungen zu einem neuen Rahmenabkommen mit der EU dürfte nämlich eine Liberalisierung des internationalen Personenverkehrs zur Sprache kommen.

Der deutsche Anbieter Flixtrain interessiert sich laut Informationen von CH Media genau für solche Randzeiten-Verbindungen zwischen Zürich und München. Wenn die Staatsbahnen bereits mit einem eigenen Angebot vorpreschen, wird es für die Billigkonkurrenz schwieriger, einen neuen Zug zu vermarkten – und ein geeignetes Trassee zu finden. Denn einen bestehenden Zug im Taktverkehr dürften neue Anbieter nicht verdrängen.

Die SBB beantworten Fragen zum Ausbau nach München nicht. Sie wollen voraussichtlich am 21. Mai zum Fahrplan im nächsten Jahr kommunizieren.

Neue Route für die Railjets
Künftig direkte Züge St.Gallen–Wien? Wie das Bundesamt für Verkehr (BAV) bestätigt, könnten die Railjet-Züge zwischen Zürich und Österreich ab Ende der 2030er-Jahre über Winterthur und St.Gallen verkehren statt wie heute über Sargans. Laut einem Sprecher liegt das an Kapazitätsengpässen des Schienennetzes vor Zürich sowie an der Tatsache, dass die Züge über Sargans nicht mit zwei Kompositionen verkehren können, sondern nur mit einer. Langfristig seien aber zwei Kompositionen wegen steigender Nachfrage nötig. Entschieden sei noch nichts. (ehs)
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wenn die KI Fussballstadien mit Sehenswürdigkeiten mixt
1 / 14
Wenn die KI Fussballstadien mit Sehenswürdigkeiten mixt
Der deutsche Journalist Manuel Veth hat mithilfe Künstlicher Intelligenz die Stadien bekannter Fussballklubs in die Umgebung bekannter Sehenswürdigkeiten der Region versetzt.
quelle: ki/manuel veth
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Diese Oktoberfest-Kellnerin wird dank TikTok berühmt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
72 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
RandomNicknameGenerator
20.04.2024 07:31registriert Oktober 2018
"Auf den Zügen nach Österreich könnte es zu einer grossen Neuerung kommen." - und welche? Ist das im Artikel vergessen gegangen? Oder ist der eine Stop in Bregenz gemeint?
514
Melden
Zum Kommentar
avatar
Heinz666
20.04.2024 00:43registriert Dezember 2020
Auf dieser Strecke zu Arbeiten ist bezüglich Handyempfang/Hotspot-Internet die Hölle. Da hatte ich in Namibia oder Botswana noch besseres Internet.
456
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jason84
19.04.2024 23:33registriert März 2016
Ich liebe München. Bin bisher immer mit dem Auto gefahren.
Bei 2,5 Stunden ab SG würde ich aber gern umsteigen. Stellt sich nur die Frage der Zuverlässigkeit.
Mit Wissing und FDP stellen die da lieber Mercedes oder BMW oder Flugtaxis zur Verfügung anstatt eine Bahn auszubauen.
Schade.
247
Melden
Zum Kommentar
72
Gesundheitsdirektoren bekräftigen Nein zu Krankenkassen-Initiativen

Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnnen und -direktoren (GDK) hat an ihrer Jahrestagung in Schaffhausen ihr Nein zur Prämien- und Kostenbremse-Initiative bekräftigt. Chancen sieht sie in der Förderung der integrierten Versorgung und damit in der Vernetzung und Koordination.

Zur Story