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Es war mehr als nur eine Affäre – darum trat der oberste Reformierte wirklich zurück

Krise der Reformierten Kirche: Nun sind die Gründe für den Rücktritt von Gottfried Locher bekannt. Der Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz hatte eine Affäre. Aber nicht nur.

Lucien Fluri / ch media



Die Rücktritte von Pfarrerin Sabine Brändlin, die bis Ende April als Kirchenrätin amtete, und Gottfried Locher, dem obersten Reformierten, haben die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) in eine Krise gestürzt.

Gottfried Locher, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, unterstützt zusammen mit dem Rat die zivile Seenotrettung. (Archivbild)

Der Rücktritt des Kirchenbund-Präsidenten Gottfried Locher hängt mit einer Affäre und Grenzüberschreitungen zusammen. Bild: KEYSTONE

Nun ist klar, warum es zu den beiden Rücktritten kam. Locher und Brändlin hatten bis im vergangenen Jahr eine Affäre, wie der Rat der Kirche am Montag in Bern an der Synode mitteilte.

Vorwurf der sexuellen Belästigung

Dass die Affäre der beiden ans Licht kam, hatte einen anderen Grund: Eine frühere Angestellte hatte sich beim Rat, der Exekutive der EKS, gemeldet. Locher habe Grenzverletzungen begangen. Der Rat wollte dies untersuchen.

Auch Sabine Brändlin gehörte zum Team, das die Vorwürfe anhörte. Schliesslich kam den restlichen fünf Räten zu Ohren, dass Locher und Brändlin eine Affäre hatten. Sie sahen das Vertrauen missbraucht, nicht nur in dieser Untersuchung.

Brändlin und Locher wären möglicherweise nicht beide an die Kirchenspitze gewählt worden, wenn die Affäre bekannt gewesen wäre. Auch ist die Dynamik in gewissen Geschäften nun besser erklärbar, hiess es aus dem Rat. Bereits im April forderte ein Ratsmitglied deshalb Locher und Brändlin zum Rücktritt auf.

«Der Präsident hat seine Macht missbraucht, um sich Frauen mehrfach ungebührlich zu nähern.»

Christoph Weber-Berg, Aarauer Kirchenratspräsident

Die Untersuchung betreffend der Vorwürfe der früheren Mitarbeiterin soll nun von externer Seite untersucht werden. Christoph Weber-Berg, Aarauer Kirchenratspräsident, sagt dazu: «Die Vorfälle, die uns zur Kenntnis gebracht wurden, sind derart, dass der Präsident seine Macht missbraucht hat, um sich Frauen mehrfach ungebührlich zu nähern, auch gegen ihren Willen. Er hat Frauen unter Druck gesetzt und von ihnen gesetzte Grenzen systematisch missachtet und überschritten.» Dabei gehe es um weit mehr als um einen zeitlich weit zurückliegenden Einzelfall, sagt Weber-Berg.

Locher stand schon länger in der Kritik

Gottfried Locher, für den die Unschuldsvermutung gilt, war intern wegen seines Führungsstils schon in der Kritik, bevor Vorwürfe über Grenzverletzungen gegen Frauen auftraten. Dies zeigt ein Bericht der Geschäftsprüfungskommission der Kirche, den letztere am Montagabend nach langem Zögern veröffentlichte.

Demnach habe ein «latentes Misstrauen gegenüber dem Verhalten» Lochers geherrscht, gerade wegen seiner Aussagen über Frauen, die für Schlagzeilen gesorgt hatten. Lochers Führungsstil sei hinterfragt worden, etwa die Verteilung der Geschäfte an Ratsmitglieder. Oder «die Aufnahme (oder Nichtaufnahme) von Vorstössen von Ratsmitgliedern in die Traktandenliste», heisst es im GPK-Bericht.

Ausgaben über 177'000 Franken ohne Genehmigung

Auch weil Misstrauen herrschte, handelte Rats-Vizepräsidentin Esther Gaillard zuerst alleine – und dann gemeinsam mit einem weiteren Ratsmitglied, Pfarrerin Sabine Brändlin, als eine Ex-Mitarbeiterin sich meldete und Locher Grenzverletzungen vorwarf. Dabei wurden Gelder für 177'000 Franken eingesetzt für juristische und kommunikative Abklärungen, über die der Rat erst nachträglich informiert wurde.

Die Frauen hätten «in eigener Verantwortung hohe Kosten, ohne Absprache und Einverständnis des Rates» ausgelöst, heisst es im Bericht. Dabei sei auch ein Vorgehen zur Suspendierung Lochers ausgearbeitet worden. Grund dafür sei der Schutz der betroffenen Frau gewesen und das Verhindern eines Reputationsschadens für die Kirche.

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