Schweiz
Russland

Bericht fällt klares Urteil zu Wolfsjagd in Russland von St.Galler-Jäger

ARCHIV - 24.01.2023, Baden-W
Bild: keystone

Experte fällt klares Urteil zu Wolfsjagd in Russland von St.Galler-Wildhüter

Die Reise nach Russland zweier St.Galler Verwaltungsangestellter, finanziert mit Steuergeldern, sorgte für hitzige Diskussionen. Nun liegt SRF der Reisebericht vor. Ein Wolfsexperte hat ihn analysiert – für ihn ist der Fall klar.
18.04.2024, 10:3318.04.2024, 12:25
Eva Wenaweser / ch media

Gemeinsam mit einem Wildhüter hat der Leiter des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen in Russland an einer Wolfsjagd teilgenommen. Ende Januar genehmigte der zuständige Regierungsrat Beat Tinner die fünftägige Reise. Das sorgt für heftige Diskussionen bei Tierschutzorganisationen und in der Politik – auch weil die Reise in der steuerfinanzierten Arbeitszeit stattfand. Die Kosten für die Reise hätten die beiden Teilnehmer jedoch selber getragen, das Department habe bloss die Arbeitstage dafür zur Verfügung gestellt, präzisiert Tinner.

Nun hat SRF den Bericht zur Reise vom zuständigen Departement erhalten und David Gerke, Geschäftsführer der Gruppe Wolf Schweiz, vorgelegt. Laut ihm zeige der Bericht, dass die Reise nicht nötig gewesen wäre. «In meinen Augen ist es eine privat motivierte Jadgreise und keine Studienreise gewesen.» Denn die daraus gezogenen Erkenntnisse hätten nichts mit einer Forschung oder Studie zu tun - obwohl sich der Kanton St.Gallen laut Bericht genau dies erhofft hatte: neue Erkenntnisse im Umgang mit dem Wolf.

Gemäss SRF wolle sich der zuständige Regierungsrat aktuell nicht mehr zu der Sache äussern. Als die Reise Ende März publik wurde, hatte Beat Tinner gegenüber dieser Zeitung schriftlich Stellung bezogen. Er schrieb:

«Kein Land in Europa kann auf eine so grosse Erfahrung mit Wölfen zurückblicken wie Russland.»

Bei der Reise sei es insbesondere darum gegangen, die traditionelle Methode der Lappjagd praktisch kennenzulernen. Die Jagd sei sehr effizient gewesen und die Weiterbildung habe genügend Informationen geliefert, um jetzt eine Anwendung in der Schweiz zu eruieren.

Lappjagd
Die Lappjagd ist eine Art Treibjagd. Dabei werden die gejagten Tiere mit Bänder, an denen Lappen hängen, eingezäunt, in die Enge getrieben und abgeschossen.

Für Tinner wäre Lappjagd in der Schweiz unproblematisch und rechtlich umsetzbar

Sara Wehrli von Pro Natura Schweiz äusserte sich damals ebenfalls und sagte, dass eine Treibjagd «in der Schweiz aus tierschutzrechtlichen Gründen gar nicht zulässig» sei. Denn hierzulande gehe es darum, den Wolf zu regulieren, nicht auszulöschen. Tinner widersprach und schrieb, dass die Lappjagd aus Sicht des Tierschutzes unproblematisch sei und rechtlich in der Schweiz umsetzbar wäre. Diese Art der Jagd gleiche einer Drückjagd ohne Hunde, wie sie in der Schweiz auf andere Wildarten üblich sei.

Wie David Gerke nun gegenüber SRF sagt, habe die Lappjagd laut Bericht jedoch keine neuen Erkenntnisse geliefert.

«Diese wenigen neuen Details hätte man per Telefon, Mail oder Zoom mit einem russischen Experten klären können.»

Dafür hätte man nicht selber nach Russland reisen müssen – und schon gar nicht selber vier Wölfe dabei erlegen. Denn für den Wolfsexperten steht fest:

«Jagden in diesem Gebiet sind keine Regulierungsjagden, sondern Trophäenjagden.»
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
«Ach, die Swissair...»: Rückblick auf gloriose Zeiten der Luftfahrt – und ihr Ende
Am 2. Oktober jährt sich das Grounding der nationalen Fluggesellschaft zum 25. Mal. Der Untergang der «fliegenden Bank» veränderte das Schweizer Selbstgefühl.
Swiss-Flug LX 38 von Zürich nach San Francisco. Kurz vor der Landung kommt Flight Attendant Sylvie Merlo* (*Name geändert) ins Reden. Sie hat eine lange Karriere über den Wolken hinter sich, erlebte viele Krisen der Luftfahrt. Sie spricht über Konflikte mit Maskenverweigerern, ausbleibende Geschäftskunden und ihre bevorstehende Frühpensionierung. «Es wird nicht besser, und die Swiss machte älteren Crew-Angestellten wie mir ein gutes Angebot», sagt die Westschweizerin.
Zur Story