Schweiz
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ZUR BILANZMEDIENKONFERENZ DER SBB, AM DONNERSTAG, 26. MAERZ 2015, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Die grosse Bahnhofsuhr vor dem neuen Hauptsitz der SBB (von Architekten Lussi und Halter) aufgenommen am 2. Oktober 2014 in Bern. (KEYSTONE/Christian Beutler) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

SBB-Hauptsitz in Bern-Wankdorf: Wer wird neuer Chef der Bundesbahnen? Bild: KEYSTONE

Neuer SBB-Chef wird heute um 13 Uhr vorgestellt – Aussenseiter in der Pole-Position

Es ist eine faustdicke Überraschung: Im Zentrum für die Nachfolge von Andreas Meyer steht Vincent Ducrot, Chef der Freiburgischen Verkehrsbetriebe.

Sven Altermatt, patrik müller / ch media



Das grüne Wunder bleibt wohl aus. Die Schweiz wird morgen kaum eine neue Bundesrätin bekommen. Dafür wird diese Woche aller Voraussicht nach ein ähnlich exponierter und prestigeträchtiger Job neu besetzt: der Chefposten bei den Schweizerischen Bundesbahnen.

Nach knapp 13 Jahren an der Spitze der SBB wird CEO Andreas Meyer im nächsten Jahr seinen Hut nehmen. Schon am heutigen Dienstag könnte sein Nachfolger bekannt werden, wie Informationen der Redaktion von CH Media zeigen. Das Kandidatenkarussell drehte auf Hochtouren.

Bekanntgabe um 13 Uhr

Die SBB werden ihren neuen CEO heute um 13 Uhr in ihrem Hauptsitz in Bern Wankdorf vorstellen. Wir werden live berichten.

In der Pole-Position jedoch ist ein Mann, den lange niemand auf dem Radar hatte: Vincent Ducrot, bisher Direktor der Freiburgischen Verkehrsbetriebe TPF, ist der Favorit des SBB-Verwaltungsrats. Das bestätigen zuverlässige Quellen aus der Schweizer Bahnbranche.

Vincent Ducrot, directeur des Transports publics fribourgeois (TPF), lors de la conference de presse des compagnies ferroviaires ou a ete propose du materiel ferroviaire en appel d'offres, ce mercredi 13 mars 2013 a Lausanne. (KEYSTONE/Christian Brun) ..

Bahnmanager Vincent Ducrot. Bild: KEYSTONE

Im Rennen sein soll mit dem 52-jährigen Jacques Boschung auch ein zweiter Freiburger. Der Chef der Infrastruktur-Sparte bei den SBB arbeitet allerdings erst seit Anfang Jahr im Konzern. Zuvor war der Physiker beim Technologieriesen Dell angestellt. Boschung dürfte gegen Ducrot wohl das Nachsehen haben.

Die SBB wollen sich offiziell nicht zu dem Thema äussern. Der Prozess für die Wahl des neuen CEO laufe, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. «Sobald die Wahl getroffen ist, werden wir darüber informieren.» Ducrot selbst wies noch im September in den «Freiburger Nachrichten» Ambitionen auf den SBB-Chefposten zurück. «Ich bin zu alt dafür», erklärte er, um nachzuschieben: «Man sollte nie etwas ganz ausschliessen.»

HANDOUT -  Portrait von Jacques Boschung, der ab 1. Januar 2019 neuer Leiter Infrastruktur bei den SBB wird. Zudem wird er Mitglied der Geschaeftsleitung. Der Freiburger tritt die Nachfolge von Philippe Gauderon an, der Ende Jahr in Pension geht. (SBB) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Auch er ist im Rennen, wenn auch mit schlechteren Karten: Jacques Boschung. Bild: SBB

Die Suche nach dem neuen CEO gestaltete sich gemäss Insidern lange als schwierig. Der bekannte Headhunter Guido Schilling wurde vom Verwaltungsrat unter dessen Präsidentin Monika Ribar beauftragt, Vorschläge zu unterbreiten. Laut Insidern nahmen sich viele mögliche Kandidaten – und Kandidatinnen, um welche sich der Headhunter besonders bemüht hatte – selbst aus dem Rennen.

Den einen war der Job zu eng an die Politik gebunden und zu öffentlich exponiert, den anderen die Entschädigung von weniger als einer Million Franken zu tief. Der Bundesrat verlangt von bundesnahen Betrieben wie den SBB eine «Senkung der maximalen Vergütung der obersten Leitungsorgane».

Viele Jahre bei den SBB gewirkt

Die Wahl Ducrots wäre gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Der zweisprachige Elektroingenieur gilt als Eisenbahner alter Prägung. Er hat an der ETH Lausanne studiert und stiess 1993 zu den SBB, wo er vorerst in der Informatik tätig war. Die Bundesbahnen lernte er zu einer Zeit kennen, als bei ihnen fast alles der flächendeckenden Grundversorgung untergeordnet war, sie dem Primat der Politik unterstanden – und ein Generaldirektor sie führte, nicht ein CEO. Vincent Ducrot war ein Weggefährte des legendären SBB-Chefs Benedikt Weibel.

Erstmals ins Scheinwerferlicht trat er Ende der 1990er-Jahre als Delegierter für den öffentlichen Verkehr an der Expo 02. Während der Landesausstellung transportierten die Bundesbahnen an manchen Tagen bis zu 300'000 zusätzliche Passagiere; dank ausgefeilter Konzepte gelang dies fast problemlos. Danach leitete Ducrot den Bereich Fernverkehr innerhalb der Division Personenverkehr, die er 2009 für einige Monate interimistisch führte. Pikant: Unter Ducrots Führung bereiteten die SBB die grösste Fahrzeugbeschaffung ihrer Geschichte vor – der Kauf jener 59 sagenumwobenen Doppelstockzüge, die inzwischen als «Pannenzüge» für Schlagzeilen sorgen.

Als Vincent Ducrot im Sommer 2011 die SBB verliess, war er der letzte Spitzenmanager aus der Ära Benedikt Weibel, der noch bei den Bundesbahnen arbeitete. Der neue Chef Andreas Meyer hatte innert weniger Jahre die ganze Konzernleitung ausgewechselt.

Ducrots Abgang markierte gewissermassen das definitive Ende der Vor-Bahnreform-Ära – und damit den Anfang des «Meyerschen Manager-Zeitalters», wie es ein Gewerkschafter formuliert.

Die Rückkehr in die Ära Weibel?

Wird das Pendel bei den SBB mit der Verpflichtung von Ducrot zurückschlagen? Werden sie sich wieder verstärkt als Service-Public-Betrieb positionieren? Vieles deutet darauf hin. Klar ist: Der Einfluss der Politik auf die Bahnen wird zunehmen. Infrastrukturministerin Simonetta Sommaruga will die Staatsbetriebe an die kürzere Leine nehmen. Sie wünsche sich «eine verstärkte Fokussierung auf das Kerngeschäft und den Service Public», erklärte sie kürzlich der «Bilanz».

Portrait von Benedikt Weibel, Verantwortlicher fuer die Aufgaben des Bundes bei der EM 2008, beim Interview mit der SDA und SI am Donnerstag, 24. Mai 2007, in seinem Buero in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

A portrait of Benedikt Weibel, responsible person for the duties of the Swiss Federation at the UEFA EURO 2008, during an interview with the SDA (Schweizerische Depeschenagentur, Swiss Dispatch Agency) and SI (Schweizer Illustrierte) in his office in Berne, Switzerland, pictured on May 24, 2007. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Legendärer SBB-Chef: Benedikt Weibel. Bild: KEYSTONE

Vincent Ducrot kenne das Räderwerk der öffentlichen Institutionen und des Schweizer Verkehrssystems bestens, lobte ihn der Verwaltungsrat der Freiburgischen Verkehrsbetriebe einst. Mit den TPF führt Ducrot seit nun mehr achteinhalb Jahren ein Unternehmen, das geradezu prototypisch für den Service public im öffentlichen Verkehr steht. Die TPF betreiben Bahnen und Busse aus einem Guss. In Ducrots bisheriger Amtszeit ist die Zahl der Passagiere von 23.5 auf 34 Millionen gestiegen. Die TPF sind immer wieder mit Innovationen aufgefallen. So führten sie als erste den Billettverkauf per SMS und später die Billett-App Fairtiq ein. Bei keinem anderen Verkehrsbetrieb werden so viele Billette elektronisch verkauft.

Allerdings: Wechselt Ducrot wirklich von den TPF zu den SBB, gleicht dies einem Umstieg von einem Fiat auf einen Ferrari. Das Freiburger Unternehmen hat 1000 Angestellte und erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 10.9 Millionen Franken. Die Bundesbahnen verbuchten mit ihren 32'300 Angestellten zuletzt einen Gewinn von über einer halben Milliarde. (aargauerzeitung.ch)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Meyer Andrej 10.12.2019 13:40
    Highlight Highlight Railfit ist eine Erfolgsgeschichte, das sagte Meyer immer. Es wäre nun an der Zeit, wieder ein bisschen mehr Respekt und Achtung gegenüber den Mitarbeitern und Fahrgästen entgegenzubringen. Es kann nur besser werden, die SBB ist nur noch ein Schatten seiner selbst!
  • PlayaGua 10.12.2019 11:15
    Highlight Highlight Ducrot hat den Kauf der Bombardier-Züge eingefädelt. Jetzt kann er es ja auch gleich noch zu Ende bringen.
  • Mutbürgerin 10.12.2019 11:09
    Highlight Highlight Es kann nicht so schwierig sein, dass unrentabelste Unternehmen der Schweiz zu führen. Die 50% Verluste, die das Unternehmen jedes Jahr "erwirtschaftet", werden ja problemlos durch Steuern bezahlt. Alles was die SBB erreichen muss, ist pünktlich auf den Hauptverkehrslinien zu fahren. Die Japaner wissen, wie man Bahnlinien betreibt, holt jemanden von dort und nicht einen aus alten Seilschaften.
  • Asmodeus 10.12.2019 09:07
    Highlight Highlight "Den einen war der Job zu eng an die Politik gebunden und zu öffentlich exponiert, den anderen die Entschädigung von weniger als einer Million Franken zu tief. "

    Und auf jeden einzelnen von denen kann verzichtet werden.

    Die SBB ist kein Konzern den man leer bluten darf sondern WAR EINMAL eine Institution die dem Service Publique dient.

    Die SBB braucht keine geldgeilen Selbstdarsteller sondern jemanden der dafür sorgt, dass die Züge anständig und im Zeitplan fahren und die Mitarbeiter nicht reihenweise in den Burnout kippen. Vielleicht mehr aber definitiv NICHT weniger.
  • Maura 10.12.2019 08:29
    Highlight Highlight "von einem Fiat auf einen Ferrari"?
    Eher auf einen Mähdrescher.
  • Hirngespinst 10.12.2019 08:05
    Highlight Highlight
    [...]SBB, gleicht dies einem Umstieg von einem Fiat auf einen Ferrari.[...]
    Gerade da sehe ich die grosse Chance für die SBB, einen Chef zu bekommen, den sich alle wünschen (ich kann über Ducrot zwar noch gar nichts sagen, aber potentiell stimmt mich dieser Umstand im ersten Moment optimistisch).

    [...], den anderen die Entschädigung von weniger als einer Million Franken zu tief. [...]
    Ja also für so einen Hungerlohnn würde ich das auch nicht machen wollen. Alles was recht ist. ;)
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 10.12.2019 09:17
      Highlight Highlight Schlimmer als unter Meyer kanns kaum werden.

      Für die Hälfte hätte ich es getan. Jedenfalls, wenn ich noch einen mit dem selben Salär aber mehr Erfahrung zur Seite gehabt hätte.
      Ein Theoretiker, der die ganzen administrativen Abläufe kennt, und einer aus der Werkstatt, der sich um die einfachen Arbeiter kümmern kann, weil er eben auch direkt aus diesem Umfeld stammt, ohne durch die Ochsentour die Bodenhaftung verloren zu haben.
  • El Vals del Obrero 10.12.2019 07:57
    Highlight Highlight "Die Bundesbahnen lernte er zu einer Zeit kennen, als bei ihnen fast alles der flächendeckenden Grundversorgung untergeordnet war, sie dem Primat der Politik unterstanden – und ein Generaldirektor sie führte, nicht ein CEO."

    Jede Wette, in Jahrzehnten wird es wieder so sein. Es dauert einfach noch ein Weilchen, bis die Pseudoprivatisierer und Marktgläubigen in Rente sind.
  • Astrogator 10.12.2019 07:50
    Highlight Highlight “den anderen die Entschädigung von weniger als einer Million Franken zu tief.“

    Gut so, hat man die Inkompetenten mit dem Lohn ausgesiebt.

    Wenn man weiss auf welcher Grundlage Headhunter bezahlt werden weiss man auch wieso die „Geldgeilen“ immer als die „Besten“ verkauft werden.

    13 Jahre hatten wir jetzt den Managertyp „Unfähig und Geldgeil“, es ist Zeit für einen Wechsel.
  • Etniesoph 10.12.2019 07:29
    Highlight Highlight Oh! Die SBB machen jeweils Gewinne von mehreren hundert Millionen? Nichtsdestotrotz, mehr als ein Bundesrat soll keiner verdienen dürfen!
  • chnächt mit schnouz 10.12.2019 07:21
    Highlight Highlight und warum genau ist dieser benedikt weibel so legendär?
  • Purscht 10.12.2019 07:16
    Highlight Highlight Die Wahl für Ducrot würde das Vertrauen der Belegschaft wahrscheinlich eher anheben als die Wahl von Boschung.
    • Astrogator 10.12.2019 07:52
      Highlight Highlight Ist so, von Boschung hört man zwar Gutes.

      Aber er stieg unter Meyer in die Konzernleitung ein und hat damit wie die anderen auch einen grossen Makel im Lebenslauf.
    • Asmodeus 10.12.2019 09:08
      Highlight Highlight Aber bei Dell hat er sicher viel über Züge und Service Publique gelernt.
  • Thomas Bollinger (1) 10.12.2019 06:39
    Highlight Highlight Und da soll jemand sagen, es gäbe keine Jobs mehr für Ü55. 😉
    • Hirngespinst 10.12.2019 08:06
      Highlight Highlight Naja kann leider nicht jeder Bundesrat oder Firmenchef werden. 😁
    • Der Rückbauer 10.12.2019 08:21
      Highlight Highlight Tja, in den obersten Gefilden der roten Teppiche gelten eben andere Regeln als im öligen Maschinenraum.
      Wirklich, vielleicht würde den SBB etwas mehr "Weibel" gut tun. Die SBB wollen sich ja nicht zum Spott der Leute machen wie die DB.

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