Weil Teile fehlen: Züge zwischen Zürich und München fallen aus
Die zuverlässigste Verbindung war der Eurocity zwischen Zürich und München noch nie, doch Passagiere auf der Strecke realisieren derzeit, dass es immer noch schlimmer geht. Zu den vielen Verspätungen auf der Linie kommen regelmässige Ausfälle hinzu.
Am Sonntag beispielsweise wurde je eine Verbindung pro Richtung ersatzlos gestrichen. Auch am Montag und Dienstag kam es zu mehreren Ausfällen. Etwa jeder achte Zug zwischen den beiden Städten fällt laut Zahlen von CH Media derzeit ganz oder teilweise aus.
Mühsam ist diese Situation auch für Pendlerinnen und Pendler zwischen Zürich, Winterthur und St. Gallen. Zu gewissen Zeiten ist nämlich der Eurocity die einzige schnelle Verbindung zwischen den beiden Zürcher Städten und der Ostschweiz. Zwar fährt einige Minuten später jeweils der Intercity 1. Dieser hält aber zusätzlich in Zürich Oerlikon, Wil, Uzwil, Flawil und Gossau und braucht für die Fahrt deshalb 17 Minuten länger. Wer in St. Gallen noch einen Anschluss braucht, ist mit diesem Zug oft eine halbe Stunde länger unterwegs.
Ab Donnerstag ist Besserung in Sicht
SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg sagt, bei den auf den Eurocity-Verbindungen eingesetzten Zügen des Typs Astoro habe es in den vergangenen Tagen diverse Fahrzeugstörungen gegeben. Gleichzeitig seien die Wartefristen bei der Beschaffung von Ersatzmaterial teilweise lang.
Vor allem zwischen Lindau-Reudtin und St. Margrethen oder St. Gallen sowie zwischen Bregenz beziehungsweise St. Margrethen und München seien Züge gestrichen worden, teilweise aber auch auf der ganzen Strecke oder zwischen St. Gallen und München. Betroffene sollen auf Teilstrecken Alternativen nutzen, etwa den Regioexpress von Lindau nach Bregenz, die S-Bahn nach St. Margrethen oder ab St. Margrethen Richtung St. Gallen den Interregio 13. Wer auf der ganzen Strecke durchfahren will, muss hingegen auf die nächste Verbindung zwei Stunden später ausweichen.
Immerhin: Die Situation sollte sich laut Schellenberg ab Donnerstag verbessern. Dann könnten voraussichtlich wieder alle Verbindungen verkehren. Allerdings sei die Verfügbarkeit der Astoro-Züge immer noch angespannt, weshalb kurzfristige Anpassungen nicht ausgeschlossen werden könnten.
Angebot wurde stetig ausgebaut
Wenn das Problem mit den Fahrzeugen erst einmal behoben ist, kommt allerdings auf der Strecke nach München schon bald eines mit der Infrastruktur hinzu. Voraussichtlich ab dem 7. Februar und bis am 31. Oktober werden die Züge auf dem deutschen Abschnitt wegen maroder Infrastruktur weniger schnell unterwegs sein.
Die Deutsche Bahn muss nämlich sogenannte Langsamfahrstellen einrichten, auf denen die Züge ihr Tempo drosseln. Das führt zu längeren Fahrzeiten für die Eurocity-Züge von rund 10 Minuten und zum Teil früheren Abfahrtszeiten in München. Die Änderungen sind bereits im Online-Fahrplan ersichtlich.
Im Jahr 2023 nutzten laut Zahlen der Deutschen Bahn etwa 123'000 Reisende die Eurocity-Züge zwischen Zürich und München, seither dürften es noch einmal mehr geworden sein. Die Strecke gehört zu jenen mit den grössten Zuwachsraten und ist eine der beliebtesten internationalen Verbindungen aus der Schweiz ins Ausland.
Züge am Simplon sind wegen Probleme kürzer
Sie ist auch für Reisen über München hinaus attraktiv: Ab Zürich ist der Weg mit dem Zug nach Berlin beispielsweise schneller via München als jener via Basel und Karlsruhe. Das Angebot wurde seit 2019 auf den jetzigen Zweistundentakt mit acht Verbindungen pro Richtung verdoppelt und die Fahrzeiten dank der Elektrifizierung des deutschen Streckenteils von vier auf dreieinhalb Stunden reduziert.
Der Bund und die SBB würden zwar gerne einen Stundentakt auf dieser Verbindung realisieren, doch dafür wären insbesondere auf dem grösstenteils eingleisigen Abschnitt zwischen Lindau und Buchloe grössere Ausbauten nötig. Für Deutschland stehen diese zurzeit nicht im Vordergrund.
Das vergleichsweise unzuverlässige Angebot auf der Strecke dürfte mit ein Grund sein, weshalb alleine Flixbus derzeit bis zu 15 Mal pro Tag und Richtung zwischen den beiden Städten hin- und herfährt. Es ist eine der meistgenutzten Strecken im ganzen Netz des deutschen Fernbus-Anbieters.
Von den aktuellen Problemen der Astoro-Züge sind aber nicht nur Reisende nach Deutschland betroffen, sondern auch jene nach Italien. Auf den Verbindungen von Basel via Bern und Brig nach Mailand fahren zurzeit einige Züge nur mit einer statt mit zwei Kompositionen. Dadurch fehlen viele Sitzplätze. Auch hier dürfte sich die Situation aber bald verbessern. (aargauerzeitung.ch)
