Schweiz
Solothurn

Du hasst den Steingarten deines Nachbars? Dann haben wir Good News!

Schottergarten
In Solothurn neu verboten: Schottergärten.Bild: Facebook/Gärten des Grauens

Du findest mit Steinen übersäte Gärten schrecklich? Wir haben Good News für dich

Der Kanton Solothurn verbietet mit Steinen überhäufte Gärten. Das ärgert Hausbesitzer und die SVP.
19.06.2024, 11:3819.06.2024, 13:08
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Seit April läuten bei den Solothurner Hausbesitzern die Alarmglocken: Damals stimmte das Kantonsparlament für eine Anpassung des kantonalen Baurechts.

Für einige ist das hochbrisant: Denn mit der neuen Regelung, die von der SP angestossen wurde, gelten mit einem Vlies versiegelte Schotterflächen nicht mehr als Grünzonen. Das kommt de facto einem Verbot gleich, das nun per 1. Oktober 2024 in Kraft treten soll, wie der «Tagesanzeiger» berichtet.

Der Entscheid hat für viel Aufregung unter den Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern gesorgt. Das hat vor allem SVP-Kantonsrat Beat Künzli gespürt. Zahlreiche Mails und Telefonate habe er von besorgten Eigentümern erhalten, wie er der Zeitung sagt.

Es gibt viele offene Fragen: Muss ich nun meine Steine aus dem Garten entfernen? Bestimmt der Staat, wie es in meinem Garten aussehen soll? Wo bleibt die Freiheit?

Darum werden sie verboten

Schottergärten sind ökologisch betrachtet keine Aufwertung. Das Ziel der Steinwüsten ist es wortwörtlich, jegliches Leben darunter zu verhindern.

Verboten hat der Kanton Solothurn deshalb Schotterflächen, die nicht ein Minimum an Grünpflanzen haben und mit einer Folie unterlegt werden. Wer also einen Steingarten plant mit ein, zwei Pflanzen, der hat Glück: Solche Vorhaben werden auch in Solothurn künftig noch bewilligt. Auch wenn ästhetisch fragwürdig.

Schottergarten
Steingitter auf Steinboden: ohne Worte.Bild: Facebook/Gärten des Grauens

Warum sich die SVP ärgert

Für die SVP wird nicht weniger als die individuelle Freiheit eingeschränkt. «Jeder soll selbst entscheiden dürfen, was bei ihm zu Hause wachsen darf. Oder was nicht. Alles andere ist Chabis!», sagt Beat Künzli zum «Tagesanzeiger».

Doch die SVP stand mit dieser Meinung alleine da, nur ein paar Mitglieder der FDP haben es gleich gesehen. Freuen tut sich über das neue Gesetz dafür die SP. Nationalrätin Jacqueline Badran schrieb dazu auf X: «Manchmal gibts auch ‹very good news› aus der Politik.»

Die SVP werde aber mit grossem Interesse die Entwicklung verfolgen, ob die neue Verordnung gemässigt umgesetzt werde.

Denn was zurzeit in Solothurn passiert, könnte sich auf die ganze Schweiz ausweiten.

Schottergarten
Ein Schmuckstück, das es so vielleicht künftig nicht mehr geben wird: Schottergarten. Bild: Facebook/Gärten des Grauens

Gartenrevolution Schweiz

Die erste Schweizer Gemeinde, die «Steingärten ohne ökologischen Nutzen» verbot, war 2019 Langendorf im Solothurn. Nun ist der Kanton der erste der Schweiz.

Doch das Interesse hat sich längst ausgebreitet: Bereits in den Gemeinden Heiden, Grenchen, Köniz und Elgg sind solche Steingärten verboten. Der Kanton Freiburg möchte nun sogar dem Solothurner Beispiel folgen. Und auch auf nationaler Ebene forderte bereits ein Bericht vom Bundesrat einen Stopp der unökologischen Steingärten.

(kma)

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333 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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El fuego
19.06.2024 12:03registriert April 2023
Zitat SVP: "Jeder soll selbst entscheiden dürfen, was bei ihm zu Hause wachsen darf." Hat sich die SVP gerade für eine Cannabislegalisierung in Stellung gebracht?
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Spin Doctor of Medicine
19.06.2024 12:05registriert August 2019
Sehr gut! Die Städte bemühen sich, die versiegelten Böden zu öffnen, die Agglo verbetoniert und versteinert gleichzeitig die Gärten... Manchmal braucht es gesetzliche Regeln.
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Raketenwissenschaftler
19.06.2024 12:05registriert Januar 2023
Gärten sollten obligatorisch begrünt werden. Gerade in der Stadt verschwinden immer mehr solche kleine Grünflächen mit den Neubauten für die Verdichtung und werden durch gekieste, mit Lehm behandelte oder anderweitig legal versiegelte Flächen ersetzt. Die kleinen Grünflächen sind fürs Mikroklima in der Stadt wichtig.
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