Schweiz
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Badmeister Rene Friedli ueberwacht das 50-Meter Schwimmbecken, am Dienstag, 15. Juli 2014, im Strandbad in Thun. (KEYSTONE/ Peter Schneider) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Viel Verantwortung, aber mässiger Lohn: Junge Männer und Frauen wollen nicht Badmeister werden. Bild: KEYSTONE

Alarm am Beckenrand: Den Badis gehen die Badmeister aus

Während Tausende Menschen ans Wasser strömen, fehlt den Badis Personal. Das gefährdet die Sicherheit. Der Präsident der Schweizer Badmeister, Michel Kunz, warnt deshalb: «Wir brauchen wieder mehr Fachkräfte.»

Yannick Nock / ch media



«36 Grad, und es wird noch heisser» – was 2007 bloss der Sommerhit einer deutschen Band war, ist in dieser Woche Schweizer Realität. Das Thermometer steigt, die Hitzerekorde purzeln und Tausende Menschen strömen in die Badis, um sich abzukühlen. Doch das wird mancherorts zum Problem, denn am Beckenrad herrscht Fachkräftemangel: Den Badis gehen die Badmeister aus.

«Erst vor wenigen Tagen hat mich eine verzweifelte Betreiberin aus dem Kanton Bern angerufen, weil sie immer noch nach geeignetem Personal sucht», sagt Michel Kunz, Präsident des Schweizerischen Badmeisterverbandes. «Es gibt nicht mehr genügend Badmeister.» Darunter könnte die Sicherheit leiden.

Und die Entwicklung wird sich verschärfen. Künftig dürften Dutzende Lebensretter fehlen, schätzt Kunz. Im schlimmsten Fall bleiben die betroffenen Badis an manchen Tagen geschlossen oder die Öffnungszeiten werden verringert.

Tödliche Ablenkung

Der Mangel kommt nicht überraschend. Einerseits geht die Babyboomer-Generation – zu der auch Kunz gehört – in Rente. Andererseits rücken seit Jahren zu wenige Interessenten nach.

Junge Frauen und Männer wollen heute nur selten Badmeister werden. Die Bezahlung ist oft mässig, man muss arbeiten, wenn andere frei haben, und die Verantwortung ist gross. Badmeister sind Lebensretter, Organisator und Chemiker zugleich. Und sie brauchen im Umgang mit den Gästen gute Nerven.

«Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll geworden», sagt Kunz. Besonders das Smartphone macht den Schwimmmeistern zu schaffen. Der Blick vieler Eltern klebe am Bildschirm, sobald sie die Badi betreten würden, sagt Kunz. «Beinahe täglich muss ich Mütter oder Väter darauf aufmerksam machen, auf ihren Nachwuchs zu achten.»

Wenn du denkst, deine Badi ist jetzt schon zu voll, …

Es sei auch schon vorgekommen, dass er Kinder aus dem Wasser ziehen musste. «Wenn man nicht aufpasst, können Unfälle passieren, die tödlich enden.»

Im vergangenen Jahr sind laut Schweizerischer Lebensrettungs-Gesellschaft in hiesigen Gewässern 37 Menschen ertrunken, darunter vier Kinder. Die meisten Unfälle ereigneten sich in Seen.

«Die Schwimmfähigkeit der Kinder hat abgenommen»

Die Anzahl der «Beinahe-Ertrinkungsunfälle» dürfte ebenfalls hoch sein, gerade bei Kleinkindern. Gesicherte Zahlen gibt es zwar nicht, laut der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft dürften allerdings auf jeden Todesfall noch einmal fünf bis zehn «Beinahe-Ertrinkungsunfälle» kommen. Die betroffenen Kinder überleben häufig dank intensivmedizinischen Massnahmen, tragen jedoch oft Langzeitschäden davon. Kunz appelliert deshalb an alle Eltern: «Behaltet eure Kinder im Blick, egal ob im See oder in der Badi.»

Handyverbot gefordert

Der Lebensretter spricht sich für ein Handyverbot in Badis aus – zumindest direkt am Wasser. Das könne die Situation verbessern. Allerdings sei ein Verbot in den Hallen- und Freibädern schwierig umzusetzen. «Wir können nicht allen Gästen in die Taschen schauen», sagt Kunz.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Buben und Mädchen heute weniger gekonnt im Wasser bewegen als noch vor zehn Jahren. «Die Schwimmfähigkeit der Kinder hat abgenommen», sagt Kunz. Dass liege unter anderem an der Migration. «Je nach Kultur haben einige Kinder nie schwimmen gelernt.»

Allerdings kann es an hiesigen Schulen ebenfalls zu Schwierigkeiten kommen. Zwar sollten gemäss dem neuen Lehrplan 21 alle Kinder fähig sein, sich ohne Hilfe eine Minute über Wasser zu halten.

Doch nicht überall ist es einfach, einen geeigneten Ort für den Unterricht zu finden. «Es gibt Schulen, für die ist das nächste Hallenbad kilometerweit weg», sagt Kunz. Doch schwimmen zu lernen, bleibe essenziell. Damit Kinder bei 36 Grad tatsächlich ins Wasser können. (aargauerzeitung.ch)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ente1 28.06.2019 09:45
    Highlight Highlight Wollte als Student das Rettungsbrevet machen um im Sommer in der Badi mein Taschengeld verdienen zu können. Jedoch kostet das Prevet zu viel und man muss es immer wieder erneuern...
  • Der Rückbauer 28.06.2019 08:16
    Highlight Highlight Auch hier: Die Eltern nehmen ihre Erziehungspflichten nicht mehr wahr, wie in der Schule, zum Beispiel. Aber sie fühlen sich dann doch legitimiert, unqualifiziert reinzuschnorren und dazu ihren Bengel/ihre Bengelin/ihre Bengelnden (Genderfans vor!) in Schutz zu nehmen, immer mit dem Smartphone neben sich.
    Und der Bademeister wird dann noch für seinen miesen Lohn angepflaumt, nein danke.....
  • Heinzbond 28.06.2019 07:24
    Highlight Highlight Tja wie in vielen anderen Branchen: wer fachleute will der muss sie bezahlen und um sie werben...
  • Freddy Blütteler 28.06.2019 07:04
    Highlight Highlight Vielleicht müsste man eine neue Staffel "Baywatch 2020" produzieren, weil als Baywatch im TV lief, wollte ich immer Bademeister sein!!!
  • Edel Weiss 28.06.2019 06:24
    Highlight Highlight Dann kommt noch hinzu, dass die Schwelle ein Rettungsbrevet zu machen, in den letzten Jahren von der SLRG stark angehoben wurde. In der Sihlseebadi hat das z.B. dazu geführt, dass die lokale LSRG-Sektion ihre freiwillige Betreuung aufgeben musste. Baden findet dort nun auf eigene Verantwortung und ohne Aufsicht statt. Des weiteren wird in der Schule kaum noch ein Gewässer besucht, da die entsprechenden Brevets fehlen und die Lehrpersonen bei Badibesuchen mit einem Bein im Wasser und mit dem anderen im Gefängnis stehen.
    Gut gemeinte Sicherheitsvorschriften führen oft zum Gegenteil.
    • Bosshard Matthias 28.06.2019 07:43
      Highlight Highlight Das ist die neue Schweizerische und Europäische Pestkrankheit.
      Die Zertifizierungen resp. das Qualitätsmanagement sind mittlerweile nur noch krank jeglicher gesunder Menschenverstand wird im Keim erdrückt.
      Was gut gemeint war führt nun In vielen Betrieben zu Negativen Verhältnissen und unterdrückt jegliche Motivation der Mitarbeiter mal abgesehen von den viel hohen kosten.
      Ich könnte dutzende Beispiel auflisten da wir auch damit zu tun haben.
    • WID 28.06.2019 07:45
      Highlight Highlight @Edel Weiss: gut formuliert. Diese Entwicklung verantworten Theoretiker in irgendwelchen Büros.
    • Aurum 28.06.2019 08:08
      Highlight Highlight "Dann kommt noch hinzu, dass die Schwelle ein Rettungsbrevet zu machen, in den letzten Jahren von der SLRG stark angehoben wurde."

      Was genau sprichst du damit an?
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