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Schweiz
SRF-Arena

Coronavirus: Guy Parmelin kündigt in Arena Hilfe für Pflegepersonal an

Ohne Publikum, viel Abstand: Die fünfte Corona-Arena in Serie bleibt gewöhnungsbedürftig.
Ohne Publikum, viel Abstand: Die fünfte Corona-Arena in Serie bleibt gewöhnungsbedürftig. srf

«Es braucht Kompensation»: Parmelin kündigt in Corona-«Arena» Hilfe für Pflegepersonal an

Das Coronavirus hat die Schweiz infiziert und bringt die Spitäler und viele Unternehmen ans Limit. Was dagegen tun? In der fünften Corona-«Arena» in Serie verspricht Bundesrat Guy Parmelin zusätzliche Unterstützung: Die Pflegefachleute sollen mehr als nur Applaus für den Sondereffort erhalten.
28.03.2020, 01:5628.03.2020, 15:12

Nicht Politiker, sondern «Corona-Heldinnen und Helden» stehen diesmal im Scheinwerferlicht. Die jüngste Corna-«Arena» mutiert beinahe zu einer Art «SRF bi de Lüt». Ob Intensivpflegerin, Unternehmer oder Büetzer: Moderator Sandro Brotz schaltet in der Spezialsendung zu zahlreichen Betroffenen in der ganzen Schweiz.

Der prominenteste Gast, Wirtschaftsminister Guy Parmelin, sorgt für den grössten Aufreger. Denn der Bundesrat kündigt weitere Hilfen für das bereits jetzt durch unzählige Überstunden gebeutelte Pflegepersonal an.

«Es braucht sicher eine Kompensation für das Gesundheitspersonal.»
Guy Parmelin
Video: streamable

Man müsse jetzt in den Spitälern flexibel sein. «Später braucht es sicher eine Kompensation. Da muss etwas kommen. Mehr als nur ein Dank», so Parmelin. Ob er damit konkret höhere Löhne oder einen Boni für die Mitarbeitenden in den Krankenhäusern meint, präzisierte der Romand allerdings nicht. Weiter sagt der Bundesrat, auch Lastwagenchauffeure, Kassiererinnen oder Logistiker sollten eine Entschädigung für ihren Sondereffort kriegen.

Zur Erinnerung: Der Bundesrat hat mit der Corona-Notverordnung das geltende Arbeitsrecht teilweise ausgehebelt. Für das Spitalpersonal oder Lastwagenfahrer gibt es fast keine Ruhezeiten mehr.

Vania Alleva, Präsidentin Gewerkschaft Unia, fürchtet, dass die Gesetzeslockerungen auch nach der Corona-Krise bleiben. «Das ist ein unnötiger Angriff auf das Arbeitsgesetz!», sagt sie. Das Pflegepersonal tue so oder so alles Menschenmögliche, um Leben zu retten.

Wie steht aber das Pflegepersonal selbst zu der Ausweitung der Arbeitszeiten? Per Skype wird Ursi Barandun-Schäfer aus dem Unispital Basel dazugeschaltet. «Zumindest mache ich mich jetzt nicht mehr strafbar, wenn ich länger arbeite», so die Intensivpflegerin. Derzeit habe man es in ihrer Abteilung aber noch nicht «mega streng».

«Das wird ein Marathon, bei dem im Ziel niemand jubelt.»
Ursi Barandun-Schäfer, Unispital Basel
Ursi Barandun-Schäfer.Video: streamable

Das dürfte sich aber bald ändern. Die Corona-Welle rollt auf die Deutschschweizer Spitäler zu. Bundesrat Alain Berset sagte am Freitag, unser Land befinde sich noch in der ersten Hälfte des Corona-Marathons. Barandun-Schäfer nimmt das Sprachbild auf: «Das wird ein Marathon, bei dem im Ziel niemand jubelt.» Denn viele Corona-Patienten müsste nach einer (hoffentlich erfolgreichen) Behandlung wochen- oder gar monatelang in die Rehabilitation.

Mehr zum neuen Coronavirus

Im Tessin hingegen ist die Lage bereits jetzt dramatisch. Der aus seinem Büro zugeschaltete Tessiner Lega-Regierungsrat Norman Gobbi sagt: Er kenne viele Leute, die schwer am Coronavirus erkrankt seien. «Ich schreibe jeden Tag ein bis zwei Trauerkarten.»

«Ich schreibe jeden Tag mehrere Trauerkarten.»
Norman Gobbi, Regierungsrat TI
Norman Gobbi.Video: streamja

Die im Kampf gegen das Coronavirus derzeit entscheidende Frage ist, ob in der Schweiz genug Pflegefachleute für die Betreuung der Corona-Patienten verfügbar sind. Ein Mangel ist jedoch absehbar.

Das Problem habe man sich selbst eingebrockt, sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Das Pflegepersonal schreie seit Jahren wegen des Notstands im Gesundheitswesen. Nicht von ungefähr stiegen viele Pflegende ab 30 schon wieder aus dem Job aus. «Das Pflegepersonal braucht nicht nur Applaus, sondern bessere Löhne und weniger Druck.»

SVP-Nationalrat Thomas Matter sieht hierbei ein Grundproblem in der strengen Ausbildung. Für ihn sei nicht klar, warum es im Pflegebereich so hohe Fachabschlüsse zur Berufsqualifikation brauche. «Warum gibt es keine Lehre für Krankenpfleger», wirft er in die Runde ein.

Die Frau von der Corona-Frontlinie hält nicht viel von diesem Vorschlag. «Ich zeige ihnen gerne, warum wir im Pflegebereich eine so gute Ausbildung benötigen», so Ursi Barandun und lädt Matter zu einem Besuch ins Unispital Basel ein.

Matter sagt weiter, er habe er in den letzten Tagen mit vielen Leuten aus dem Pflegebereich gesprochen. «Niemand hat mir gesagt, die Arbeitsbelastung sei eine Zumutung.» Vielmehr seien die «Heldinnen und Helden» stolz, ihren Beitrag im Kampf gegen die Corona-Krise leisten zu können.

Schweizweiter Baustellen-Lockdown?

Neben dem Pflegepersonal sind die Baustellen der Streitpunkt der Sendung. Unia-Präsidentin Alleva fordert, dass der Baustellen-Shutdown vom Tessin auf die ganze Schweiz ausgeweitet wird. Vielerorts würden die BAG-Abstandsregeln nicht eingehalten. «Die Situation ist dramatisch. Wir haben innert 15 Stunden fast 2000 Meldungen von Fehlverhalten auf Baustellen erhalten», so die Gewerkschafterin.

Vania Alleva: «Baustellen-Kontrolleure machen Homeoffice»

Video: streamable

Ein Problem sei, dass die Kantone fast keine Kontrollen machten. «Die Kontrolleure arbeiten stattdessen im Homeoffice und gehen gar nicht erst auf die Baustellen.» Es brauche jetzt einen «technischen Stopp», um die Zustände auf den Baustellen zu überprüfen und falls nötig anzupassen. Erst danach solle die Arbeit wieder aufgenommen werden.

«Ein Baustellen-Lockdown ist ein absolutes Schreckensszenario.»
Monika Rühl, Economiesuisse

Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, findet dies ein «absolutes Schreckensszenario». Baustellen, die die Regeln einhielten, sollten unbedingt weiterlaufen. Wenn nicht, müsse man diese dichtmachen. Dieses Vorgehen trage Economiesuisse mit.

Zurück zum Stargast der Sendung, Bundesrat Guy Parmelin. Er gibt weiter einen Einblick in das Leben der Bundesrätinnen und Bundesräte, die seit Wochen praktisch Tag und Nacht arbeiten. «Jeden Tag tauchen immer neue Probleme auf. Wir spüren die grosse Verantwortung und wollen eine so breite Hilfe wie möglich leisten», so der Wirtschaftsminister.

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So kam das Coronavirus in die Schweiz – eine Chronologie

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56 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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LURCH
28.03.2020 09:30registriert November 2019
Dass die Typen von der Sünneli-Sekte nicht einmal in so einer Situation ihre Ausländerhetze und Rassismus sein lassen können.
Von wegen die Zuwanderer belasten unser Gesundheitssystem noch zusätzlich.
Was es vor allem belastet, sind die geldgierigen Abzocker in den Teppichetagen die meinen, sie müssen überall die hohle Hand machen, um auch noch beim Grundbedarf der Menschen zu profitieren.
Zum Glück war Vania Alleva noch da und hat ihm mal den Kopf gewaschen.
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D(r)ummer
28.03.2020 03:00registriert Mai 2016
Der Banker aus der SVP-Ecke, auf den man getrost auch verzichten könnte, führt sich wieder auf wie der letzte und merkt es nicht mal.

Warum haben Leute, die das Geld anderer umherschaufeln und so viel verdienen das Gefühl, dass sie entscheiden können, Personen die den Wohlstand erarbeiten müsse man klein halten?!

"Höhere Löhne braucht es nicht."
Genau, in den Teppichetagen der Versicherungen und Banken.

Nicht jeder hat die Chance sich masslos bereichern zu können.
Und für genau die sollte man bereit sein zu kämpfen.
Matter: Nachsitzen!
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Töfflifahrer
28.03.2020 05:04registriert August 2015
eine gute und umfassende Ausbildung im Pflegebereich ist notwendig. Wir sehen ja wie komplex das alles ist. Aber Pflegefachleute , Assistenzärzte etc. sollen auch gute Arbeitsbedingungen haben. Das bedeutet, adäquate Löhne, die diese heute nicht haben.
Dass ein Banker dem widerspricht, spricht aber doch Bände. Diese Krise zeigt einfach auf, dass unsere Neoliberale und globalisierte Marktwirtschaft endlich überdacht werden muss.
Wir haben fast alles im Gesundheitsbereich der wirtschaftlichen Effizienz geopfert und bekommen nun die Quittung.
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