Patron geht nach 50 Jahren: Alfred N. Schindler tritt in einem Jahr ab
Im März wird er 77, dennoch lässt sich Alfred N. Schindler noch einmal ein Jahr in den Verwaltungsrat wählen. Eigentlich wäre schon längst Schluss gewesen, gilt doch beim gleichnamigen Luzerner Lift- und Rolltreppenkonzern eine Alterslimite von 73 im Verwaltungsrat.
Doch für den früheren Konzernchef und Verwaltungsratspräsidenten und heutigen emeritierten Präsidenten aktivierte der Verwaltungsrat in den letzten Jahren immer wieder eine Ausnahmebestimmung. So auch dieses Jahr: Sämtliche Mitglieder des Verwaltungsrates stellen sich an der Generalversammlung vom 24. März 2026 zur Wiederwahl, auch der Patron, dessen Familie das Unternehmen mehrheitlich kontrolliert.
Doch im Gegensatz zu den früheren Jahren gibt es heuer eine Neuigkeit. Alfred N. Schindler hat den Verwaltungsrat darüber informiert, dass er beabsichtigt, sich nur noch für eine Amtsperiode zur Verfügung zu stellen. Danach schliesst er seine 50-jährige Tätigkeit für das Unternehmen ab.
Alfred N. Schindler hat fast ein Drittel der Firmengeschichte mitgeschrieben: 1977 wurde der Vertreter der vierten Generation erstmals in den Verwaltungsrat gewählt, 1985 übernahm er mit seinem älteren Cousin Luc Bonnard und dem späteren Botschafter Uli Sigg die Unternehmensleitung. Bis heute halten die Mitglieder der Familien Schindler und Bonnard 70 Prozent der Stimmrechte.
China macht weiterhin Sorgen
Das Unternehmen litt in den letzten Jahren vor allem im wichtigsten Wachstumsmarkt China, wo die Baugeschäfte zu einem grossen Teil eingebrochen sind. Ausserdem wurde Schindler in den letzten Jahren immer wieder stark kritisiert, weil die Gewinnmarge im Vergleich zur Konkurrenz tief war. Die sinkende Profitabilität war mit ein Grund für den überraschenden Weggang des Ex-Chefs Thomas Oetterli Anfang 2022.
Am Dienstag hat das Unternehmen nun den neusten Jahresabschluss präsentiert. Wie sich zeigt, erhöhte sich der Konzerngewinn letztes Jahr um 6,2 Prozent 1,07 Milliarden, die Ebit-Marge verbesserte sich von 11,3 Prozent auf 12,6 Prozent. Auftragseingang und Umsatz erreichten 11,3 Milliarden Franken beziehungsweise 10,9 Milliarden Franken, was einem Anstieg in Lokalwährungen von 3,1 Prozent und 1,3 Prozent entspricht.
Doch nicht alles ist rosig. Der Auftragseingang im Neuanlagengeschäft ging zurück, bedingt durch den weiterhin starken Nachfragerückgang in China. Demgegenüber verzeichneten das Modernisierungs- und das Servicegeschäft Wachstum.
«2025 markiert das letzte Jahr unserer operativen Erholung. Vier Jahre, nachdem wir uns besonderen Herausforderungen im Jahr 2022 stellen mussten, freut es mich, sagen zu können, dass wir aus dieser Phase als stärkeres und widerstandsfähigeres Unternehmen hervorgegangen sind», lässt sich Konzernchef Paolo Compagna zitieren.
Für 2026 erwartet Schindler in Lokalwährungen ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und eine Ebit‑Marge von 13 Prozent, sofern keine unerwarteten Ereignisse eintreten.
