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SVP-Kantonsrat Diethelm wehrt sich gegen «mediale Vorverurteilung»

SVP-Kantonsrat Bernhard Diethelm wehrt sich gegen «mediale Vorverurteilung»

28.06.2023, 14:05
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Die Anklage sei sehr einseitig, und die Vorwürfe seien krass übertrieben, sagte SVP-Kantonsrat Bernhard Diethelm vor den Medien. Er sehe derzeit keinen Anlass, von seinen politischen Ämtern zurückzutreten.

Sein Auftritt dauerte zehn Minuten, Fragen danach waren nicht gestattet: Mit einer kurzen Stellungnahme vor Medienleuten am Mittwochmittag in Schwyz hat sich SVP-Kantonsrat Bernhard Diethelm erstmals zur letzten Woche publik gewordenen Anklage der Zürcher Staatsanwaltschaft geäussert. Vorgeworfen werden dem Politiker aus Vorderthal ein Vergewaltigungsversuch, Körperverletzung und andere Delikte.

Diethelm beklagte seine «irreparable Vorverurteilung durch die Medienberichterstattung». Er sprach von einem «medialen Sturm», der auch seine Liebsten stark belaste. Seine persönliche und gesellschaftliche Integrität habe grossen Schaden genommen, sagte Diethelm, und dies noch vor dem Prozess am Bezirksgericht Zürich. Dabei müsse bis die Unschuldsvermutung gelten. Auf die Details der schweren Vorwürfe wollte er nicht eingehen.

Vielmehr stellte er sich auf den Standpunkt, dass die Medienberichte nur auf der Anklageschrift und der Version der Klägerin beruhten. In seinem Fall handle es sich um ein Vier-Augen-Delikt: Aussage stehe gegen Aussage. Bei der Klägerin handelt es sich um eine Prostituierte, mit der der Beschuldigte offenbar Sado-Maso-Praktiken vereinbart haben soll.

Sein Sexleben sei eine private Angelegenheit, sagte Diethelm. Und das Private gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Es habe auch nichts mit seiner politischen Tätigkeit oder seiner Partei, der SVP, zu tun. Er sehe keinen Anlass, zum jetzigen Zeitpunkt von seinen politischen Ämtern zurückzutreten, betonte Diethelm.

Auch die Sistierung der Parteimitgliedschaft dürfe kein Thema sein. Ein weiteres Mal verwies er darauf, das Urteil in seinem Fall abzuwarten. Bis zur Hauptverhandlung in seinem Fall will er sich nicht mehr öffentlich äussern.

Den zehnminütigen Auftritt von SVP-Kantonsrat Diethelm, der in einem Gerichtssaal im Schwyzer Rathaus stattfand, verfolgten 17 Medienschaffende vor Ort sowie ein paar Fraktionskollegen der SVP. Der Kantonsratssitzung am Mittwoch blieb Diethelm fern. Und er wird auch am zweiten Tag der Juni-Session, am Donnerstag nicht anwesend sein. (aeg/sda)

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81 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Aspirin
28.06.2023 14:22registriert Januar 2015
Ich würde ihm ja seine Privatsphäre und die Unschuldsvermutung gönnen. Als Exponent einer Partei, die oft keines von beiden gewährt (Stichworte Gender-Tag, Drag-Lesung, jegliches Delikt durch Nicht-Schweizer, pauschale Vorverurteilung ganzer Ethnien) würde ich ihm sagen: „Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück.“
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Ja genau
28.06.2023 14:35registriert April 2022
Seine Delikte sind Offizialdelikte. Ab diesem Moment gehört der Sex nicht mehr nur ihm persönlich. Zudem ist er eine öffentliche Person.
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Freedom Fighter
28.06.2023 14:36registriert August 2015
Recht auf Privatsphäre gibt man ein Stück weit auf, wenn man sich zu einer öffentlichen Person macht. Tut man als Politiker. Aber abgesehen davon: wer zu einer Pressekonferenz lädt, jedoch nur seinen Standpunkt kundtut und keine Fragen zulässt, ist höchst suspekt.
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