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Esther Friedli auf Anti-Gender-Kurs: «Sternchen-Einladungen werfe ich weg»

Noch nie hatte eine Frau bei der grössten Partei der Schweiz dieses Amt inne: Esther Friedli ist neu Programmchefin der SVP. Sie teilt aus gegen «linke Genderauswüchse».
18.02.2022, 07:4919.02.2022, 09:00
Othmar von Matt / ch media

Fast jeder Gegenstand im Landgasthof «Sonne» hat seine Bedeutung. Trycheln erinnern an Siege der Eringer Kühe. 20 Original-Militärdecken stehen für Sicherheit dank der Armee. Und das Porträt von Henri Guisan ist das Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit.

Freiheit, Sicherheit, Unabhängigkeit: Das sind auch wichtige Werte des Wirtepaares – von SVP-Nationalrätin Esther Friedli und Lebenspartner und SVP-Urgestein Toni Brunner. Die «Sonne» liegt auf 870 Metern über Meer in Ebnat-Kappel (SG), heisst auch «Haus der Freiheit» und gilt als Wallfahrtsort für SVP-nahe Kreise.

Esther Friedli, neue Programmchefin der SVP.
Esther Friedli, neue Programmchefin der SVP.Bild: keystone

Nach Brändli, Mörgeli und Keller die erste Frau

Die Werte sind aber auch zentral im Parteiprogramm 2024-2027 der SVP Schweiz. Es ist Esther Friedli, 44, Politologin und Nationalrätin, die es verantwortet. Sie ist die erste Frau in dieser wichtigen Position, nach alt Ständerat Christoffel Brändli (GR), alt Nationalrat Christoph Mörgeli (ZH) und dem heutigen SVP-Generalsekretär Peter Keller (NW).

«Das ehrt mich natürlich, ist aber auch mit Verantwortung verbunden», sagt Friedli. Die 44-jährige Politologin ist seit 2019 Nationalrätin. Sie besitzt auch das Gastwirtschaftspatent. Als Person steht sie nicht gerne im Mittelpunkt. Sie sieht sich eher als Koordinatorin, als Coach. «Ich bin eine Teamplayerin, arbeite gerne mit anderen zusammen.»

Esther Friedli will die Gender-Thematik aufnehmen

Friedli will aber schon eigene Akzente setzen. So erhält neu die Gender-Thematik einen Platz im Parteiprogramm. «Sie ist Teil der moralisierenden Bevormundungspolitik der Luxus-Linken und ist inakzeptabel.» Das Gendern nehme Formen an, die «nicht mehr normal» seien, sagt Friedli. «Und das finde ich als Frau.»

Einladungen mit Gendersternchen kann Friedli nicht ausstehen. «Ich werfe sie weg, fühle mich damit nicht angesprochen.» Mit dem «Sternchen-Zeugs» erweise man den Frauen keinen Dienst in Sachen Gleichberechtigung.

Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I: All das sind moderne Genderformen. Für Friedli ist es «aufgesetzte Künstlichkeit». Sie hält sich an die SVP. Hier werde Gleichberechtigung nicht an die grosse Glocke gehängt, sondern gelebt. «Die vielen Frauen, die sich aktiv an vorderster Front engagieren, beweisen das.»

Die «Beliebigkeit» des Geschlechterwechsels

Für Friedli ist klar: «Wir müssen die Auswüchse der Genderdebatte bekämpfen.» So ist die SVP zum Beispiel dagegen, dass geschlechtergetrennte Toiletten verschwinden. Und sie stört sich daran, dass der Geschlechterwechsel derart stark vereinfacht worden ist.

Seit dem 1. Januar 2022 können Frauen, Männer und Transmenschen Geschlecht und Vornamen im Personenstandsregister rasch und einfach ändern. «Das führt zu Beliebigkeit», sagt Friedli. Das öffne Missbräuchen Tür und Tor: «Ein 18-jähriger Mann lässt sich zur Frau umschreiben, damit er der Wehrpflicht entgehen kann. Und ein 63-Jähriger zur Frau, damit er früher AHV-Rente erhält.»

Europa, Sicherheit und Migration bleiben Kernthemen

Kernthemen im Parteiprogramm bleiben aber die bewährten SVP-Themen: Europa, Migration und Sicherheit. Die SVP wolle zwar einen starken wirtschaftlichen Austausch mit Unternehmen und Ländern der EU, sagt Friedli. «Aber wir sind nicht Mitglied der EU und wollen uns auch nicht dem Europäischen Gerichtshof oder anderen Institutionen unterwerfen.» Die Unabhängigkeit der Schweiz sei ein grosser Vorteil und ein Pfeiler ihres Erfolgs.

Bei der Ausländer- und Asylpolitik will die SVP die Folgen der Flüchtlingskrise von 2015 thematisieren. Die Gemeinden bekämen sie nun zu spüren, da der Bund nicht mehr für die Sozialhilfekosten aufkomme, sagt Friedli. «Wer sich nicht integrieren will oder wer straffällig wird, dem soll das Recht auf Aufenthalt in der Schweiz sofort entzogen werden.»

Die Solarpanels auf dem «Haus der Freiheit»

Beim Begriff Sicherheit erwähnt Friedli zwar auch die Armee. Aber sie betont vor allem die Versorgungssicherheit mit Strom und Energie. Diese sei nicht mehr gewährleistet, sagt sie, «weil 2011 die vier Bundesrätinnen Träumereien hatten, dass sich die Schweiz mit Solarstrom versorgen könne». Es sei «der grösste Skandal der zeitgenössischen Politik», dass der Bundesrat die Versorgungssicherheit mit Strom «so leichtfertig aufs Spiel setzte».

Friedli und ihr Lebenspartner Toni Brunner haben selbst Solarpanels auf dem Dach ihres Restaurants installiert. «Nicht aus ideologischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen», wie Friedli betont. Die «Sonne» hat eine gute Sonnenlage. Doch die Panels liefern nicht zuverlässig. Wenn es schneit, gibt es keinen Strom. Friedlis rhetorische Frage: «Sollen wir den Gästen sagen, heute friert ihr und es gibt nur kalte Küche?»

Politik-Pensionär Toni Brunner freut sich

Toni Brunner (47) stösst kurz zur Runde. Er ist zwar Politik-Pensionär. Mit seinen 23 Jahren im Nationalrat und acht Jahren als Präsident der SVP Schweiz bleibt er aber SVP-Vorzeigemann. Er freut sich, dass seine Lebenspartnerin zur Programmchefin auserkoren wurde. «Es ist die erste Frau, die das macht - und erst noch eine ?Zwäge?», sagt er. Mit Brunner-Schalk fügt er hinzu: «Wissen Sie, weshalb ich das weiss? Sie hätte nicht mich ausgesucht, wenn sie nicht gut wäre.»

Friedli nimmts mit Humor. «Das ist Toni live», lacht sie. Sie betont, Brunner sei nicht in ihre Wahl involviert gewesen. Für den Artikel lässt sie sich aber ohne Zögern mit ihrem Lebenspartner fotografieren. «Meine Partnerschaft mit Toni hat meiner politischen Karriere sicher nicht geschadet», sagt sie.

Das lässt sich auch faktisch belegen. Friedli, früher CVP-Mitglied, wechselte nach mehreren Jahren an der Seite von Toni Brunner zur SVP. Und macht als Programmchefin der grössten Partei Karriere.

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483 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Atavar
18.02.2022 08:25registriert März 2020
Gestrig ist halt gestrig. Egal ob mit Schnäbi oder ohne.
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Wir (M)Ostschweizer*innen
18.02.2022 08:54registriert Juni 2019
Bist Du das, Karen?
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R10
18.02.2022 08:13registriert Juli 2016
Okay Esther.
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