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Nils Fiechter bei seinem Besuch in der Berner Reitschule am Samstagabend.
bild: facebook/reitschulebern 

SVP-Politiker wagt sich in die Berner Reitschule ... und wird mit Schimpf und Schande verjagt



Der Knatsch um die Berner Reitschule geht in die nächste Runde. Rund drei Wochen nach den Krawallen bleibt das autonome Kulturzentrum in Bern auch dieses Wochenende Gesprächsthema. Was ist passiert?

Am Samstagabend besucht Nils Fiechter, Vorstandsmitglied der Jungen SVP Bern, ein Konzert eines Frauenchors – in der Reitschule. Wie er auf seinem Facebook-Profil sagt, sei er vom Juso-Präsidenten des Oberaargaus dazu eingeladen worden.

Beschimpft und vertrieben

Nach einer «tollen Vorstellung», wie Fiechter selber schreibt, wollen er und sein Kumpel (ebenfalls SVP-Mitglied) an der Bar des «Reithallen»-Restaurants ein Bier und eine Cola trinken. Doch nur wenig später tauchen vier grossgewachsene Reitschüler auf und fordern die beiden Jung-Politiker dazu auf, das Lokal unverzüglich zu verlassen, wie Fiechter auf seinem Facebook-Profil zu Protokoll gibt.

Den beiden SVP-Politikern bleibt keine andere Wahl und sie verlassen umgehend – nicht einmal die bezahlten Getränke dürfen sie austrinken – das Restaurant. Dabei werden sie von anwesenden Gästen gemäss Fiechters Ausführungen als «Nazi- und Rassistenschlämperling» bezeichnet und es wird ihnen nachgespuckt.

Fiechter platzt der Kragen

Das ist zu viel für den jungen Mann aus dem bernischen Frutigen, für ihn ist nach dieser Aktion «fertig lustig». Nur kurz nach dem Vorfall, am Samstagabend um 23:16 Uhr, schreibt er auf seinem Facebook-Profil: «Skandal: Andreas Gerber (Parteileitung JSVP Schweiz) und ich wurden soeben unter Gewaltandrohung aus der Reithalle geworfen! Jetzt hat unsere Toleranz auch mit den ‹anständigen Reitschülern› ein Ende.»

Noch in der selben Nacht und am Sonntag wird Fiechters-Facebook-Eintrag fleissig kommentiert und geteilt.

Am Sonntagabend zieht die Reitschule nach. «Doppelmoral Level 5000!», schimpft das Kulturzentrum auf seiner Facebook-Seite. Noch am 11. März habe Nils Fiechter Unterschriften für die Initiative «Keine Steuergelder für die Berner Reithalle» eingereicht und nur eine Woche später habe er sich an der Bar im Restaurant Sous Le Pont in der Reitschule aufgehalten. 

Auch in den Kommentarspalten des Posts der Reitschule findet umgehend eine Diskussion statt. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander, einige User finden es absolut in Ordnung, dass sich Fiechter in die Höhle des Löwen wagte, andere hingegen haben für den Besuch des SVP-Politikers gar kein Verständnis. 

Diskussionen auf Facebook

Ein User, der für Fiechters Aktion gar nichts übrig hat, schreibt:

«Die gehn in eine Kneipe – die sie schliessen wollen – und sind dann erstaunt, wenn sie Hausverbot bekommen.»

Facebook-User

Während ein anderer sich über das Verhalten der Reitschule beklagt: 

«Dieser Schandfleck hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Gewalt, Drohungen Intoleranz, kein Anstand und Respekt... Höchste Zeit, diese Baracke zu schliessen.»

Facebook-User

Etwas differenzierter sieht es dieser User: 

«Sollte es stimmen, dass er unter Androhung von Gewalt aus der Reitschule flog, dann war das mal wieder eine spitzenmässig kontraprodutive Aktion. Ich beziehe mich hier auf die Aussage auf seiner Facebookseite. Über eine Gegendarstellung wäre ich aber froh.»

Facebook-User

Eine Gegendarstellung der Reitschule gibt es vorerst jedoch keine. In der Kommentarspalte schreibt sie lediglich: 

«An die Herren Fiechter & Gerber. Die paar Franken für Stange & Cola erstatten wir Ihnen herzlich gerne zurück. Schicken Sie uns doch bitte Ihre Bankangaben oder einen Einzahlungsschein. Oder wir lassen den Betrag sonst gerne z.b. Bleiberecht oder ähnlicher Organisation zukommen, in dem Fall würden wir dann auch aufrunden. Wir wünschen Ihnen ansonsten Erfolg auf der Suche nach einer anderen, passenderen Stammbeiz. PS: Es heisst Reitschule nicht Reithalle!»

Reitschule Bern

Und jetzt fragen wir dich: 

Findest du es okay, dass Fiechter und sein Kollege am Samstag die Reitschule besuchten?

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