Schweiz
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Vermummte setzen eine Strassenbarrikade bei der Reitschule in Brand, am fruehen Sonntagmorgen, 6. Maerz 2016, in Bern. Am Wochenende kam es zu Konfrontationen zwischen der Polizei und linksautonomen Aktivisten. Nachdem die Kantonspolizei Bern in der Nacht auf Freitag auf der Schuetzenmatte eine sogenannte praeventive Patrouille durchgefuehrt hatte, kam es in der Nacht auf Sonntag zum zweiten Mal zu einem Zwischenfall bei der Reitschule.  (KEYSTONE/Str)

Strassenbarrikade vor der Reitschule in Bern: Bei den Krawallen am Samstagabend wurden elf Polizisten verletzt. 
Bild: KEYSTONE

«Das waren Tötungsversuche!» Grosse Empörung nach den Krawallen in Bern – nur die Reitschule nimmt's locker

Vermummte Aktivisten verletzten am Samstagabend vor der Berner Reitschule elf Polizisten. Politik und Polizei fordern nun ein hartes Vorgehen gegen die Angreifer. Die Reitschule selber distanziert sich über Facebook zwar von den Angriffen auf die Feuerwehr, aber nicht von den Attacken auf die Polizei. 



Es ist Samstagabend, als bei der Berner Polizei diverse Anrufe eingehen und einen Brand beim Kulturzentrum Reitschule melden. Auf der Schützenmattstrasse wurden Strassensperren errichtet, die Strasse steht in Flammen. 

Als die Polizei bei der Reitschule eintrifft, haben die Einsatzkräfte nicht nur mit dem Feuer zu kämpfen, sondern auch mit vermummten Aktivisten. Zunächst wird Feuerwerk auf sie geschossen, später werden sie von den Dächern der Schule gezielt mit Flaschen und Steinen beworfen.

Manuel Willi, Regionalchef der Kantonspolizei Bern, spricht von einem gezielten «Hinterhalt», in den seine Einsatzkräfte gelockt worden seien. Gegenüber der Zeitung «Der Bund» sagt der Polizeichef: «Die Täter hatten so viele Steine und Flaschen gesammelt und sich gezielt positioniert, dass von einer akribisch vorbereiteten Aktion gesprochen werden kann.» Die Geschosse seien derart gefährlich gewesen, dass die Attacken ohne Schutzausrüstung der Polizei durchaus tödlich hätten enden können, so Willi weiter.

Insgesamt elf Polizisten verletzen sich beim Angriff der Demonstranten. Willi führt aus: «Etliche Beamte wurden von Steinen getroffen, einige haben schwere Hämatome davongetragen. Dazu kommen Brand- und Gehörverletzungen wegen der abgefeuerten Feuerwerkskörper.» Gemäss Polizeicommuniqué werden auch die später einrückende Feuerwehr unter Flaschen- und Steinbeschuss genommen. 

Reitschule postet Statement auf Facebook

Von den Attacken auf die Feuerwehrleute distanziert sich die Berner Reitschule tags darauf in einem Statement auf Facebook. Im Post heisst es: «Wir halten übrigens nichts davon, Feuerwehrleute anzugreifen. Wir mögen die Feuerwehr, wenn sie hilft, Brände zu löschen und waren auch schon auf ihre Hilfe angewiesen.»

Anders sieht es bei den Angriffen auf die Polizei aus, die Aktivisten entschuldigen oder distanzieren sich nicht von ihnen. Aus dem Facebook-Eintrag geht hervor, dass man sich in der Reitschule provoziert fühlte, weil die Polizei in den Tagen zuvor auf dem Parkplatz vor dem Kulturzentrum patrouilliert habe. 

Hintergrund dieser Aussage: Mehrere Polizisten hatten am Freitagabend ab 18 Uhr auf dem Parkplatz Schützenmatte in orangen Westen patrouilliert. Gemäss Polizeicommuniqué sollte der Einsatz «Straftaten entgegenwirken und Sicherheit vermitteln». Der grosse Parkplatz vor dem Kulturzentrum Reitschule gilt als Umschlagplatz für Drogen.

Schliessen tut die Reitschule ihren Post mit einem lockeren «Love & Peace» und appelliert an die Vernunft aller involvierten Akteure.

Reaktionen gefordert

Die Reaktionen auf die Krawalle fallen wie erwartet heftig aus. Auch Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause spricht wie Polizeichef Willi von einem Hinterhalt, in den die Polizei gelockt wurde. «Ich habe das Gefühl, das waren gezielte Attacken», sagt der CVP-Mann gegenüber dem Radiosender SRF4.

Nause kündet für die nächsten Tage eine Krisensitzung an, bei der über die Betriebsbewilligung der Institution diskutiert werden müsse. Man habe seitens der Stadt versucht, einen «konstruktiven Dialog» mit der Reitschule zu führen, doch das habe wohl nicht so viel gebracht, meint Nause. 

Auch beim Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) reagiert man entrüstet auf die Angriffe der Aktivisten. «Mit grosser Wut und Unverständnis» habe der Verband von den Vorfällen erfahren. «Das waren vorsätzliche Tötungsversuche!», wird VSPB-Generalsekretär Max Hofmann in einem am Sonntag verschickten Communiqué zitiert. 

SVP-Hess fordert kantonale Abstimmung

Weiter schreibt der Verband: «Wacht endlich auf! Wir Polizistinnen und Polizisten haben genug von diesem rechtsfreien Raum, der toleriert und zudem mit öffentlichen Geldern der Steuerzahler finanziell unterstützt wird.» Er fordert die Politik auf, endlich aufzuwachen und zu handeln. Sonst müsse der Druck aus der Bevölkerung kommen. 

Diese könnte sich durchaus schon bald wieder zur Reithalle äussern. Der Berner SVP-Nationalrat Erich Hess verschickte nach Bekanntwerden der Krawalle am Sonntag die Einladung zur Übergabe der Unterschriften für die kantonale Initiative der Jungen SVP «Keine Steuergelder für die Berner Reithalle» an die Staatskanzlei.

Auf seiner Facebook-Page spricht Hess von «bürgerkriegsähnlichen Zuständen» in der Berner Innenstadt. «Alle gewalttätigen Demonstrationen, die in Bern stattfinden, haben ihren Ausgangspunkt in der Reithalle und nachdem sie die ganze Stadt kaputt gemacht haben, ziehen sich die Demonstranten wieder dorthin zurück.»

Zu Festnahmen ist es bis jetzt noch nicht gekommen, da die Polizei sich nicht ins Innere der Reitschule vorwagte, weil es sonst aller Voraussicht nach zu noch grösseren Auseinandersetzungen gekommen wäre. (cma)

Update: Am Montag nimmt die Reitschule erneut Stellung zu den Ereignissen. Hier die Stellungnahme:

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