166 Passagiere an Bord: Swiss-Pilot wird bei Landeanflug bewusstlos
Der Flug mit der Nummer LX564 und 166 Passagieren an Bord startete am 26. August 2018 abends in Zürich. Ziel: Nizza in Frankreich. Die Maschine, ein Airbus 320-214, wurde auf diesem Flug vom damals 28-jährigen Copiloten geflogen, der Kommandant assistierte. Der Start und der Reiseflug verliefen ereignislos, um 20.28 Uhr wurde der Sinkflug eingeleitet und die Besatzung besprach das Landungsverfahren.
Zu Beginn lief auch beim Landeanflug alles nach Plan, wie aus einem Bericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hervorgeht. Kurz vor dem Eindrehen zum Endanflug, um 20.53 Uhr, erklärte der 49-jährige Flugkapitän dem Co-Piloten jedoch, dass ihm schlecht sei. Er solle deshalb die Landung durchführen. Zu diesem Zeitpunkt war der Autopilot bereits ausgeschaltet. Wenige Sekunden später verlor der Kommandant das Bewusstsein.
Bewusstloser Pilot bewegt Steuerknüppel
Der Copilot versuchte zuerst, ihn anzusprechen, was aber nicht gelang. Da der bewusstlose Kapitän den Steuerknüppel berührte, geriet das Flugzeug mehrmals in Schieflage, der Copilot musste korrigieren, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Erst als die Maschine etwa 60 Meter über dem Boden war, kam der Pilot wieder zu sich. Der Copilot wies ihn darauf hin, sich von der Steuerung fernzuhalten, und schob dessen Sitz nach hinten. 30 Sekunden später konnte er das Flugzeug erfolgreich landen. Verletzt wurde niemand, auch Schäden gab es keine.
Blutuntersuchung fördert Ursache zutage
Am Boden setzte der Co-Pilot eine Dringlichkeitsmeldung (Pan Pan) ab und fragte nach der Bewilligung, die Maschine kurz nach dem Verlassen der Piste wegen eines medizinischen Notfalls stoppen zu dürfen. Währenddessen übergab sich der Kommandant mehrfach.
Nach dem Vorfall wurde dem Kommandanten Blut abgenommen. Dessen Untersuchung förderte schliesslich die Ursache seines medizinischen Problems zutage: Er litt an einer Lebensmittelvergiftung, auch wenn in diesem Zusammenhang ein Bewusstseinsverlust eher selten auftritt.
Auch in anderen Fällen litten Piloten an Magenbeschwerden
Da keine technische, betriebliche, organisatorische oder systematische Ursache zum Zwischenfall geführt hat, wurde die Untersuchung eingestellt.
Gemäss Sust-Bericht gab es jedoch weitere ähnliche Vorfälle. Im Januar 2019 verlor der Pilot eines Fluges von London nach Zürich ebenfalls kurzzeitig das Bewusstsein, nachdem er wegen einer «üppigen Mahlzeit» unter Magendarmbeschwerden litt.
Im November 2019 musste sich der Co-Pilot eines Fluges von Zürich nach Porto schon kurz nach dem Verlassen des Standplatzes übergeben. Während des Fluges musste er erneut mehrmals erbrechen und konnte nur noch den Funkverkehr übernehmen. Auch in diesem Fall wird eine Lebensmittelvergiftung vermutet.
In beiden Fällen konnte die Maschine sicher gelandet werden.
