Schweiz
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Schuetze Isidor Kessler mit seinem Sturmgewehr 90 faehrt mit dem Schiff zum

Im Tessin ist die Anti-EU-Stimmung tief verankert. Bild: KEYSTONE

Warum das Tessin als einziger Kanton gegen das Waffenrecht stimmte

Gerhard Lob, Bellinzona / ch media



Mit 54.5 Prozent Nein-Stimmen verwarfen die Stimmbürger des Kantons Tessin am Sonntag die Übernahme der EU-Waffenrichtlinie. Mit diesem Votum waren sie alleine auf weiter Flur. Denn kein anderer Stand sprach sich für das Referendum aus. Der Nein-Stimmen-Anteil aller Kantone lag bei 36.3 Prozent; 63.7 Prozent sagten Ja.

Das Nein des Tessins kam nicht ganz überraschend. Schon bei der Abstimmung zur Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» im Jahr 2011 sagten die Südschweizer mit 63.6 Prozent besonders deutlich Nein zu neuen Restriktionen und Einschränkungen beim Waffenbesitz – die Initiative wurde damals landesweit mit 56.3 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

«Die tief verankerte Anti-EU-Stimmung war ausschlaggebend»

Corriere del Ticino

Dieses Mal vermengte sich zu einem liberalen Verständnis gegenüber Waffenbesitz die Grundsatzfrage zur Souveränität der Schweiz. Die Vorlage wurde weniger als technische Frage zum Nachvollzug konkreter Normen denn als Votum für oder gegen Europa interpretiert. «Die tief verankerte Anti-EU-Stimmung war ausschlaggebend», kommentierte die Tageszeitung «Corriere del Ticino» den Ausgang des Urnengangs im eigenen Kanton.

Regierungsrat weibelte für Nein

In Europa-Fragen hat die Lega dei Ticinesi die Mehrheit der Bevölkerung fast immer auf ihrer Seite. Die Lega rührt seit über 20 Jahren die Anti-EU-Trommel und hat sich bei dieser Abstimmung zusammen mit der SVP mächtig ins Zeug gelegt. Noch am Abstimmungssonntag titelte das Parteiblatt «Mattino della domenica»: «Nein zum EU-Diktat».

Im Gegensatz zur AHV-Steuer-Abstimmung hatte die Tessiner Kantonsregierung zur Waffenrichtlinie keine Empfehlung ausgegeben. Doch Justiz- und Innendirektor Norman Gobbi (Lega) exponierte sich persönlich im Abstimmungskampf stark gegen die Übernahme des EU-Rechts.

«Der Kanton Tessin ist der schweizerischste aller Kantone!»

Piero Marchesi, Präsident der Tessiner SVP

Am Sonntag konnte er in seinem Heimatkanton triumphieren. In einem Facebook-Eintrag dankte er allen Tessinern «für die Verteidigung der Freiheit». Einzig das Tessin habe die Kraft gehabe, sich dem EU-Diktat entgegenzustemmen, «während der politische und mediale Mainstream sich dem Druck aus Brüssel beugen will».

Die SVP-Kantonalpartei frohlockte mit der Aussage: «Der Kanton Tessin ist der schweizerischste aller Kantone!». Wer sich als wahrer Schweizer fühle, solle doch bitte in den Kanton Tessin ziehen, meinte Parteipräsident Piero Marchesi.

Neben der anti-europäischen Einstellung dürfte die Perspektive eines möglichen Ausschlusses aus dem Schengen-Raum bei den Tessinern weniger Ängste ausgelöst haben als im Rest der Schweiz. Denn viele trauern den systematischeren Grenzkontrollen mit Italien hinterher und fordern eine nächtliche Schliessung der kleinen Grenzübergänge. Der Eindruck ist weit verbreitet, wenn auch nicht bewiesen, dass die Schweiz vor dem Beitritt zum Schengen-Raum sicherer gewesen sei.

Kaum eine Rolle gespielt haben dürfte hingegen die Tatsache, dass mit Luca Filippini ein Tessiner der Präsident der Interessengemeinschaft Schiessen Schweiz (IGS) ist, welche das Referendum ergriffen hatte. Was am Ende vielleicht am erstaunlichsten ist: Das Nein des Tessins zur EU-Waffenrichtlinie, obwohl einzigartig unter den Kantonen, hat im Tessin selbst keine grossen Wellen geschlagen.

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Cato der Jüngere 21.05.2019 15:31
    Highlight Highlight Das nationale Resultat enttäuscht mich zutiefst. Dies ist ein weiterer Nagel im Sarg unserer Freiheit. Nach Benjamin Franklin: "Wer Freiheit für Sicherheit opfert, wird am Ende beides verlieren."

    Wird diese Anpassung des Waffenrechts auch nur einen einzigen Amoklauf verhindern? Einen einzigen Terroranschlag? Wie viele Terroristen sind Sportschützen, Armeeangehörige oder Jäger?

    Keine.
    Wer wird hingegen wieder einmal schikaniert und bestraft von der Brüsseler Verwaltungsdiktatur? Der gesetzestreue, Steuern zahlende und militärdienstleistende Bürger... Die Stützen unserer Gesellschaft.
    • Na_Ja 22.05.2019 01:12
      Highlight Highlight Spontan fällt mir Leibacher ein, der 2001 14 Zuger Politiker erschoss. Das Schiessen lernte er in einem VEREIN.
  • Magnum 21.05.2019 10:35
    Highlight Highlight Am schweizerischsten ist also jener Kanton, dessen Mehrheitsmeinung sich am Abstimmungssonntag mit der Position EINER Partei deckt. Besser kann sich ein grossmäuliger Populist, der vorgibt, das ganze Volk zu vertreten, nicht selbst demaskieren. Zur Willensnation Schweiz, dieser Ansammlung von Minderheiten, passt das aber denkbar schlecht.
    Den ganz patriotischen Schweizern empfehle ich übrigens einen Umzug nach Zwischbergen (77 Einwohner) - da ist man fast unter seinesgleichen, und mit einem Einwohner pro Quadratkilometer ist auch Dichtestress kein Thema.
  • Fandall 21.05.2019 08:57
    Highlight Highlight Die Anti-EU Stimmung wird ihre Gründe haben. Wahrscheinlich sehen sie in Italien, dass es auch "Verlierer" in der EU gibt (da die Italiener ihre Währung nicht mehr auf- oder abwerten können). Vom Versagen der Schengen-Aussengrenze mal ganz zu schweigen.
    Die Gewinner der in der EU findet man in Osteuropa.
  • Blizzard_Sloth 21.05.2019 08:56
    Highlight Highlight "Wer sich als wahrer Schweizer fühle, solle doch bitte in den Kanton Tessin ziehen, meinte Parteipräsident Piero Marchesi."

    Geniesst meine volle Unterstützung.
  • Rechthaberwoman 21.05.2019 08:43
    Highlight Highlight Was die Leute einfach nicht sehen wollten, ist, dass die EU uns nie und nimmer aus Schengen rausgeworfen hätte. Dafür zahlen wir zu gut. Aber die Gegner haben einfach kaum Wahlkampf geführt. Schade, dass sich die meisten nicht richtig informiert haben und sich von den Lügen der Befürworter haben leiten lassen.
  • FrancoL 21.05.2019 08:34
    Highlight Highlight "«Der Kanton Tessin ist der schweizerischste aller Kantone!»

    NEIN, das ist er nicht und das ist auch gut so, denn ich möchte nicht in einem Kanton oder einer Schweiz leben, die zB ein Sonderzüglein fährt, der zB einige Richtlinien beim Zugang zu den Aufträgen aufstellt die Auftragnehmer aus anderen Kantonen ausgrenzt währenddessen Tessiner Firmen den freien Zugang in die restlichen Kantone haben.
    Ich möchte nicht dass es Schule macht lauthals gegen die Frontalieri zu wettern und sich aber an diesen Grenzgängern wacker zu bedienen.
    Nein das Tessin ist nicht die Schweiz, zum Glück.
    • loquito 21.05.2019 10:04
      Highlight Highlight Vor allem über Frontalieri motzen, aber in Italien einkaufen und dann dort auch ein Haus kaufen... Oft erlebt..
    • FrancoL 21.05.2019 14:19
      Highlight Highlight @Ioquinto; Noch heftiger finde ich die LEGA-Wähler die für ihr Eigenheim am Wochenende schwarz die Frontalieri für alle möglichen Hilfsarbeiten anstellen. Jeder bedient sich gerne an die tieferen Preisen, keiner will es gewesen sein.
  • Der Typ 21.05.2019 07:23
    Highlight Highlight Das Tessin ist ein wunderbarer, wunderschöner Kanton welcher jedoch das gleiche Problem wie das südlichere Italien hat bezüglich der Bevölkerung. Sehr konservativ, wenig weltoffen und sehr engstirnig. Ich rede nicht von Lugano, Bellinzona oder Locarno, sondern von allen anderen kleinen Gemeinden. Als Italiener wurde ich schon des öfteren im Tessin sehr arg angemacht. Leider hat die Vergangenheit seine Spuren hinterlassen und die heutige Bevölkerung im Tessin hat immer noch diesen Groll im Bauch. Schade. Wäre ein wunderschöner Kanton mit den traurigen aber...
  • Palpatine 21.05.2019 05:43
    Highlight Highlight "Einzig das Tessin habe die Kraft gehabe, sich dem EU-Diktat entgegenzustemmen, «während der politische und mediale Mainstream sich dem Druck aus Brüssel beugen will»"

    Schon interessant, wie es so läuft in der Politik bei gewissen Parteien. Gewinnt man (und auch wenn nur knapp), dann steht das ganze Volk hinter einem. Verliert man (vor allem, wenn deutlich), dann ist die Mehrheit quasi von Sinnen...
    • derEchteElch 21.05.2019 08:36
      Highlight Highlight Gewinnt man, kann man nicht genug kriegen und fordert mehr. Verliert man, hatten die anderen Parteien viel zu viel Geld, das Anliegen wurde nicht verstanden (ergo das Volk ist dumm) und man fordert dennoch Massnahmen, um dem kleinen Anteil, die dafür waren, Rechnung zu tragen.

      Kommt das bekannt vor?
      Läuft eben auf beiden Seiten gleich. Brauchst gar nicht so scheinheilig zu tun.
    • loquito 21.05.2019 10:07
      Highlight Highlight Nur lauthals rausschreien, alle anderen seien keine richtigen Sxhweizer und die Demokratie sei mit Füssen getreten worden... Das tun vor allem deine lieblingspolizikwr aus der rechten Ecke, lieber Elch...
    • Palpatine 21.05.2019 11:18
      Highlight Highlight Warum scheinheilig?
  • Schneider Alex 21.05.2019 05:38
    Highlight Highlight Tessin: Der politisch reifste Kanton der Schweiz!
    • FrancoL 21.05.2019 08:37
      Highlight Highlight Schon einmal im Tessin gearbeitet? Oder zB mit der Kantonalen Verwaltung in Bellinzona verhandelt oder im Raumplanungsamt in Bern nachgefragt wieso zB im Tessin die Raumplanung so schleppend umgesetzt wird?
      Nein das hat null und nichts mit Reife zu tun.
    • Schneider Alex 22.05.2019 06:04
      Highlight Highlight @FrancoL
      Sie haben recht; ich meine im Speziellen die Haltung des Tessins bei Fragen zur EU und zur Migration.
    • FrancoL 22.05.2019 08:42
      Highlight Highlight Also findenSie dass Wasser predigen und Wein trinken eine politisch reife Leistung ist?
      Nein Danke, genau dies kann die Schweiz nicht brauchen.
      Fragen Sie einmal in Bern Nach welcher Kanton zB in Sachen Raumplanung immer wieder die gesetzlichen Vorgaben nicht einhält, Man wird das Tessin nennen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Spooky 21.05.2019 05:26
    Highlight Highlight «Der Kanton Tessin ist der schweizerischste aller Kantone!»

    Das stimmt! Oder kennt jemand einen schweizerischeren? Wie bitte? Zürich? Hahaha!
    • Ich hol jetzt das Schwein 21.05.2019 07:22
      Highlight Highlight Richtig schweizerisch wäre es, mal das Resultat einer Abstimmung, das einem nicht in den Kram passt, zu akzeptieren.
    • Blitzmagnet 21.05.2019 08:23
      Highlight Highlight Schweizerisch ist nicht, sich gegen alles zu sträuben und wenn das Ergebnis nicht den eigenen Wünschen entspricht zu "täubelen" sondern einen gut schweizerischen Kompromiss der ausgehandelt wurde zu akzeptieren.
    • Eh Doch 21.05.2019 08:32
      Highlight Highlight Wenn man bedenkt, wie viele eher wohlhabende Deutschschweizer nach ihrer Pensionierung ins Ticino ziehen kann man schon behaupten dass der TI der "schweizerischste" Kanton sei
    Weitere Antworten anzeigen
  • reactor 21.05.2019 04:32
    Highlight Highlight Ja, super, alle svpler ins Tessin. Etwas traurig zwar, aber dann verschenken wir euch Salvini und Ruhe ist.
    • ch2mesro 21.05.2019 06:05
      Highlight Highlight dein kommentar entspricht vom intellektuellen niveau her, derjenigen von piero marchesi....

Nach Waffenrecht-Abstimmung: Händler verzeichnet Run auf halbautomatische Gewehre

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