Viele junge Rotmilane verbringen im Winter die Nacht gemeinsam
Im Winter schlafen viele Rotmilane gemeinsam an Schlafplätzen. Eine neue Studie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach LU liefert erste Erklärungen für dieses Verhalten.
Weshalb viele Rotmilane im Winter in Gruppen von bis zu Dutzenden von Vögeln übernachten, sei bislang unklar gewesen, teilte die Vogelwarte am Mittwoch mit.
Für die neue Studie werteten die Forschenden nun fast 34'000 Übernachtungen aus sechs Jahren von 216 mit GPS-Sendern ausgerüsteten Rotmilanen aus. Die Resultate wurden in der Fachzeitschrift «Journal of Animal Ecology» veröffentlicht.
Junge Vögel bevorzugen Gemeinschaft
Die Auswertung zeigte, dass sich vor allem nicht ausgewachsene Rotmilane an den gemeinsamen Schlafplätzen aufhalten. Insbesondere junge Männchen suchten die Gemeinschaft. Ihre Wahrscheinlichkeit, an einem solchen Platz zu übernachten, war doppelt so hoch wie bei jungen Weibchen.
Mit zunehmendem Alter mieden die Greifvögel die grossen Gruppen. Ab einem Alter von drei Jahren besuchten sie die Schlafplätze seltener. Auch brütende Vögel blieben fern und übernachteten stattdessen als Paar in der Nähe ihres Reviers.
Schlafplätze als Partnerbörse
Weshalb sich gerade die jungen Vögel an den Schlafplätzen versammeln, ist noch nicht abschliessend geklärt und erfordert weitere Untersuchungen. Die Forschenden haben jedoch erste Erklärungsansätze. So könnten die Schlafplätze dem Informationsaustausch über gute Nahrungsgebiete dienen. Dies sei für junge Vögel besonders wichtig, da ihnen die Erfahrung der Altvögel bei der Nahrungssuche fehle.
Eine weitere Hypothese ist, dass die Schlafplätze als eine Art «Partnerbörse» fungieren. Dort könnten nicht brütende Vögel schneller einen Partner finden. Zudem könnten sie erfahren, wo in der Umgebung Reviere frei sind. Die Studie ist Teil eines Forschungsprojekts, das sich seit über zehn Jahren mit der Ökologie des Rotmilans befasst. (sda)
