Schweiz
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Tour dur d'Schwiiz, 36. Etappe: Zürich - Mollis

Tour dur dSchwiiz

Das ist der erste Mensch, der einen Gegenstand für immer von der Erde schoss – doch er wollte viel mehr

Schön ist es hier in Mollis GL. Aber ein Schlafkaff. Sagen einige. Für andere ist es die Perle des Glarnerlands. Auf jeden Fall war der berühmteste Bürger des Orts seiner Zeit voraus. Und beförderte den «ersten künstlichen Planeten» ins All.



Mit dem Velo durch die ganze Schweiz

In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Es dauert einen Moment, bis mir Ur-Molliser Beni eine gute Anekdote über seine Gemeinde erzählen kann. Geschätzt hat er drei Stunden überlegt. Dann aber kommt's: «Der berühmteste Molliser war Fritz Zwicky. Er schoss als erster einen Gegenstand ins All, der nie mehr zur Erde zurückkehrte. Er war Bürger und liegt hier begraben.»

Fritz zwicky

Fritz Zwicky: seiner Zeit voraus. Bild: zwicky stiftung

Das hört sich irgendwie nicht sehr passend an. Ein Sohn des idyllischen, ländlichen Mollis im engen Glarnerland, soll so einen wichtigen Schritt für die Menschheit getätigt haben? Aber Beni erzählt freudig. Und als ich später etwas im Internet suche, bestätigen sich seine Aussagen nicht nur, sie werden noch getoppt mit beispielsweise diesen Schmankerln:

Die Liste könnte fortgesetzt werden. Zwicky war fraglos ein sonderlicher Mitmensch. Befürworter lobten ihn als Universalgenie. Für andere war er schlicht ein Wirrkopf. Sicher ist: Er entwarf einige kosmologische Theorien, die zum heutigen Verständnis des Universums beitrugen. Und: Er erhielt vom amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman als erster Ausländer die amerikanische Freiheitsmedaille.

Fritz Zwicky

Fritz Zwicky beschrieb als Erster dunkle Materie.

In die USA emigrierte der Bürger von Mollis 1925 mit 27 Jahren. In Bulgarien geboren kam er mit sechs Jahren nach Glarus zu seinen Grosseltern und wuchs hier auf. Die Berge liebte er. Als er in den USA ankam und den 1900 Meter hohen Mount Wilson sah, verspottete er diesen als «Vorgebirge». Doch ausgerechnet dieses «Vorgebirge» sollte zu seiner wichtigsten Stadion werden. Denn dort stand eine Sternwarte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm der Schweizer im Dezember 1947 einen ersten Versuch, einen Gegenstand für immer in den All zu katapultieren. Er misslang. Als ein Reporter ihn daraufhin ansprach, meinte Zwicky: «Erst schiessen wir einen kleinen Klumpen ins Weltall, dann einen grösseren, dann eine Ladung von Instrumenten und zuletzt uns selbst.»  

Fritz Zwicky

Fritz Zwicky: Er wollte den Jupiter in eine neue Umlaufbahn bringen.

Zwicky sollte recht behalten. Zwölf Tage nach dem Start des russischen Satelliten Sputnik (der wieder auf die Erde zurückkehrte), schoss er am 16. Oktober 1957 ein Metallkügelchen von gut einem Zentimeter Durchmesser ins All. In 85 Kilometern Höhe wurde dieses mit einer Richtungs-Sprengladung auf 15km/Sekunde beschleunigt und kam nie mehr zurück. Es erhielt den Namen «Artifical Planet No. Zero» (Künstlicher Planet Nummer Null).

Den Traum, dass die Menschen die Erde verlassen werden, hat sich noch nicht bewahrheitet. Aber seine Ideen leben noch weiter. Sein Vorschlag Supernova-Explosionen zur Entfernungsmessung zu verwenden ist etwas, an was seit Beginn des 21. Jahrhunderts wieder vermehrt gearbeitet wird. Und vor wenigen Tagen soll Shri Kulkarni, ein wichtiger indisch-amerikanischer Astronom, die Einheit «Zwicky» benutzt haben, um «wissenschaftliche Exzellenz von Astronomen» zu bewerten. Er kam zum Schluss: Es gebe fast nur Mikro-Zwickys, Milli-Zwickys seien schon rar.

Tour dur d'Schwiiz, 35. Etappe: Opfikon – Zürich

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