Schweiz
Wallis

Brand in Bar von Crans-Montana: Zu wenig Kontrollen

Video: watson/lucas zollinger

Sechs Jahre keine Kontrollen – die wichtigsten Punkte der Pressekonferenz

Der Gemeinderat von Crans-Montana hat am Dienstagmorgen über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.
06.01.2026, 12:0507.01.2026, 09:29

Kontrollen in Le Constellation

Seit der Brandkatastrophe fragen sich alle, warum so leicht entzündbares Material an der Decke der Bar hing und niemand dies beanstandet hat. Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, erklärte, dass das Gesetz eigentlich eine Kontrolle pro Jahr vorsieht. 2017, 2018 und 2019 wurde dies auch durchgeführt. Seither aber nicht mehr.

Bei der letzten Kontrolle wurde beanstandet, dass beim Ausgang eine Panikklinke fehle. Das wurde ausgebessert. Das schalldämpfende Material, das bei der Tragödie in Brand geraten war, wurde laut Féraud jedoch nicht kontrolliert, weil dies nicht vorgeschrieben ist.

Warum die letzten sechs Jahre keine Kontrollen in der Bar stattfanden, kann Féraud nicht erklären. Das soll nun eine Untersuchung zeigen. «Wir wussten nicht, dass die Kontrollen nicht so durchgeführt wurden, wie es hätte sein sollen.» Der Gemeinderat bedauert die Lücke sehr. Von einer Überforderung der zuständigen Angestellten will er aber nicht sprechen, ein personelles Problem gebe es nicht. Das, obwohl nur ein Teil der Kontrollen im vergangenen Jahr stattgefunden hat: bei 40 von 128 Lokalen.

Video: watson/lucas zollinger

Sofortmassnahmen

Die Gemeinde hat nach der Tragödie Sofortmassnahmen eingeleitet. Dazu zählt etwa, dass ein externes Büro aus dem Wallis sämtliche Betriebe kontrolliert. Angeschaut werden auch die verwendeten Materialien, obwohl dies das Gesetz nicht vorschreibt.

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Gemeindepräsident Nicolas Féraud an der Pressekonferenz von Dienstag.Bild: keystone

Gleichzeitig werden pyrotechnische Gegenstände wie Wunderkerzen in sämtlichen öffentlichen Räumen verboten.

Die Vorschriften

Gemäss Féraud waren in der Bar 200 Personen – je 100 pro Stockwerk – erlaubt. Ob es am Silvesterabend mehr waren, ist unklar. Warum die Betreiber mit einer Kapazität von 300 Personen warben, kann er sich auch nicht erklären. Für die Einhaltung der Kapazitätsgrenze waren die Betreiber verantwortlich.

Im Lokal war ein Feuerlöscher vorgeschrieben. Feueralarme brauchte es bei dieser Grösse nicht. Zudem gab es zwei Notausgänge. Ob diese zum Zeitpunkt der Tragödie offen waren, werde die Untersuchung zeigen.

Der Umbau

Die Bar gibt es seit den 70ern und sie ist seit 1992 ein öffentliches Lokal. Sie verfügte damals über eine Baubewilligung. 2015 wollten die Betreiber eine Veranda bauen, diese wurde auch bewilligt. Auch im Innern gab es Veränderungen. Dafür war aber keine Baubewilligung nötig.

Eigentlich wollten die Betreiber die Veranda später vergrössern und die Öffnungszeiten verlängern. Wegen Beschwerden aus der Nachbarschaft brauchte es ein Lärmgutachten. Das zeigte, dass die Normen eingehalten wurden.

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Grosses Medieninteresse an der Pressekonferenz.Bild: keystone

Was wusste die Gemeinde?

Féraud betonte immer wieder, dass man froh um Meldungen gewesen wäre, weil man keine Kenntnisse über das Treiben in der Bar gehabt habe. Auch von den Wunderkerzen habe man nichts gewusst.

Auch darüber, dass ein ehemaliger Barmitarbeiter schon vor Jahren vor der Brandgefahr gewarnt hatte, wusste der Gemeinderat gemäss Féraud nichts. Zu den Betreibern habe man auch kein persönliches Verhältnis. Auch die Angestellten, die für die Kontrolle zuständig waren, hatten seines Wissens keine persönliche Beziehung zu ihnen, sagt Féraud.

Die Nebenklage der Gemeinde

Immer wieder fragten Journalisten, wie die Nebenklage der Gemeinde damit vereinbar sei, dass sie womöglich selbst ins Visier der Justiz geraten könnte, sollte sie Fehler gemacht haben. Féraud sieht darin (noch) kein Problem. Der Hauptgrund der Nebenklage sei, dass man Akteneinsicht wolle.

Ob die Gemeinde als Nebenklägerin auftreten kann, wird am Schluss ein Gericht entscheiden.

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Bei der Tragödie starben 40 Menschen, 119 wurden teils schwer verletzt.Bild: keystone

Die Emotionen

Zum Schluss der Medienkonferenz wurde Féraud gefragt, wie es ihm persönlich gehe. Mit Tränen in den Augen erklärte er: «Ich werde die Last und die Trauer der Familien mein ganzes Leben lang tragen.» Zurücktreten wolle er allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht. «Man verlässt ein Schiff nicht in der Mitte des Sturms.»

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412 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Phil_Dill
06.01.2026 12:22registriert Dezember 2024
Die Untersuchung muss den Wallisern entzogen werden und eine übergeordnete Untersuchung eingeleitet werden. Was sich die Amts-Damen und Herren leisten ist eine Frechheit. Am Schluss will keiner Schuld sein.
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maylander
06.01.2026 12:15registriert September 2018
Einfach nur peinlich.
Die Strategie ist offensichtlich sich inkompetent zu geben.

Anscheinend gibt es kein Personelles Problem obwohl nur ein Bruchteil der Kontrollen durchgeführt wurden.


Das die Kapazität des Lokals regelmässig massiv überschritten wurde lässt sich doch heute nicht mehr bestreiten. Da gibt es viel zu viele Fotos und Videos. Allein die Toten und Verletzten sind ja schon mehr als überhaupt im Keller anwesend sein durften.
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Gurgelhals
06.01.2026 12:22registriert Mai 2015
Auch das war wieder mal ein Paradebeispiel von dieser unsäglichen föderalistischen Verantwortungsdiffusion wie man sie in der Schweiz eigentlich überall in Politik und Behörden antrifft: "Es wurden Fehler gemacht, aber nicht von mir."

Muss schön sein in einem System zu leben, wo niemand zu befürchten hat, dass er/sie irgendwann mal Verantwortung tragen muss.
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