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Ski-Weltcup in Adelboden: So gelingt die perfekte Piste am Chuenisbärgli

Spectators celebrate during the first run of the men's slalom race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Adelboden, Switzerland, Sunday, January 7, 2024. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Die Rennen am «Chuenisbärgli» sind ein Stück Schweizer Sportkultur.Bild: KEYSTONE

60 Tage Arbeit und 36 Millionen Liter Wasser: Die Zahlen hinter dem Skifest in Adelboden

Ein Tag Riesenslalom, ein Tag Slalom: Am Wochenende steht Adelboden 48 Stunden lang im Fokus der Skiwelt. Dass die Fahrer am «Chuenisbärgli» Jahr für Jahr beste Bedingungen vorfinden, ist Pistenchef Toni Hari und seiner Crew zu verdanken.
08.01.2026, 13:5108.01.2026, 13:51
Sebastian Wendel / ch media

Noch einmal der Schnellste sein – und Marco Odermatt zieht am «Chuenisbärgli» mit dem bisherigen Rekordmann Ingemar Stenmark (5 Siege) gleich. Ein Schweizer mit den meisten Riesenslalom-Siegen auf «seinem» Hang? Adelboden-Pistenchef Toni Hari hätte sicher nichts dagegen.

Seit 32 Jahren ist der einheimische Landwirt verantwortlich für die Unterlage der legendären Adelboden-Rennen. Zu dieser Verantwortung ist er gekommen «wie die Jungfrau zum Kind», erzählt Hari lachend: «Als Kind wollte ich selber Rennfahrer werden. Später war ich mit Hans Pieren in der Skilehrer-Schule. Als er Rennleiter hier in Adelboden wurde, fragte er, ob ich mich um die Piste kümmern wolle. Seither bin ich, in etwas anderer Rolle als ursprünglich gewünscht, doch noch Teil des Weltcup-Zirkus.»

epa11820190 Winner Marco Odermatt of Switzerland reacts in the finish area after the men's Giant Slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup stop in Adelboden, Switzerland, 12 January 2025. EP ...
Seriensieger Marco Odermatt: Noch ein Triumph fehlt zum Adelboden-Rekord.Bild: keystone

Während Marco Odermatt und seine Konkurrenten pro Lauf rund 70 Sekunden auf der Riesen-Piste verbringen, beginnen die Vorarbeiten für das Spektakel bereits zwei Monate vorher. Im Idealfall Mitte November wird es in Adelboden ein erstes Mal richtig kalt. Der Moment, die Schneekanonen zu starten. Am «Chuenisbärgli» ist die Beschneiung Aufgabe der Bergbahnbetriebe, Pistenchef Hari aber ist von Anfang an als genauer Beobachter und Helfer mit dabei. Ideal ist für Phase 1 der Pistenherstellung eine mehrtägige Kälteperiode. Die ausreicht, um die für die gesamten 1,2 Kilometer erforderliche Menge Kunstschnee herzustellen.

Heuer hat das Wetter mitgespielt, was heisst: Die Kanonen liefen 110 Stunden am Stück und spuckten Schnee für rund 36'000 Quadratmeter Piste aus. Gemäss Hari brauche es pro Quadratmeter rund 1000 Liter Wasser, insgesamt also knapp 40 Millionen Liter. Quellen dafür sind zwei Bäche, deren Wasser etwas erwärmt werden muss, weil es sonst für die Schneekanonen zu kalt ist.

Toni Hari, Pistenchef Adelboden
In 32 Jahren mit Toni Hari mussten in Adelboden erst drei Rennen abgesagt werden.Bild: weltcup-adelboden.ch

Beim Bestimmen des Zeitpunkts, wann genau die riesigen Schneehaufen auf die Piste verstossen werden, greift Hari auf seine langjährige Erfahrung zurück: «Bei warmem Wetter müssen wir möglichst lange zuwarten, ehe wir verteilen. Im richtigen Moment gibt mir mein Gespür ein Zeichen. Das habe ich in mir drin als Landwirt, der 365 Tage im Jahr aufs Wetter angewiesen ist.»

Die enormen Mengen sind Folge der Vorgaben der FIS: Gemäss dem Ski-Weltverband muss eine Rennpiste 60 Zentimeter dick sein. Weil vom Kunstschnee, wenn er mit der Pistenmaschine komprimiert wird, viel mehr übrig bleibt als beim gleichen Prozedere mit Naturschnee, sind heutzutage Weltcup-Pisten ohne Kunstschnee-Basis undenkbar. Anders gesagt: Von Naturschnee sieht man gemäss Pistenchef Hari nach Verteilen und Komprimieren mit dem Pistenfahrzeug noch rund zehn Prozent. Auf die 1,2 Kilometer lange und 30 bis 50 Meter breite Riesenslalom-Piste in Adelboden müssten also von oben bis unten sechs Meter Schnee fallen. Und das pausenlos. So könnte auf Kunstschnee verzichtet werden. Kurz: undenkbar.

1999 erhielt Adelboden eine Beschneiungsanlage, um mit Schneedepots allfällige Wärmeperioden bis zum Rennwochenende aufzufangen. Ein Jahr zuvor stand die Absage der Rennen zur Diskussion, ehe 450 Lastwagen-Ladungen mit Schnee vom Grimsel die Durchführung doch noch ermöglichten. Hari rückblickend: «Damals musste die Piste nur 30 Zentimeter dick sein, darum ging es. Aus Umwelt-Gründen wäre so eine Übung heute undenkbar.»

Besondere Erinnerungen hat der 58-Jährige auch ans Jahr 2023: Damals gingen wenige Tage vor dem Rennwochenende die Bilder vom fast komplett grünen Steilhang um die Welt. Hier in Kürze ein Weltcup-Rennen? Unmöglich, dachte sich der Laie. Und sogar Hari, mit allen Wassern gewaschen, musste leer schlucken, als er am Montag vor dem Rennen unten im Zielraum stand und hochschaute: «Alles war weggeschmolzen – und dann der Dauerregen. Nachts im Bett habe ich mir die Decke über den Kopf gezogen, um dem Regen nicht zuhören zu müssen.» Innerlich plagten ihn grosse Zweifel, äusserlich machte er gute Miene.

Marco Odermatt of Switzerland reacts in the finish area during the first run of the men's giant slalom race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Adelboden, Switzerland, Saturday, January 7,  ...
Damit 2023 faire Rennen durchgeführt werden konnten, war viel Arbeit notwendig.Bild: keystone

Als dann dank stundenlanger Beschneiung und tonnenweise Salz sowohl der Riesenslalom als auch der Slalom unter fairen Bedingungen durchgeführt werden konnten, fühlte Hari eine Zufriedenheit wie sonst nie in seiner 32-jährigen Amtszeit. Trotz gewöhnungsbedürftiger «Winter-Kulisse» mit dem weissen Band auf dem grünen Hügel: «Das war das beste Rennwochenende meiner Karriere. Unter diesen Umständen eine Weltcup-Piste zu bauen, war eine beeindruckende Leistung von unserem Team.»

Nicht nur der Schneemangel im 1300 Meter tief gelegenen Adelboden, auch die wechselnden Anforderungen der FIS beeinflussen Haris Arbeit. Seit dieser Saison greift der Wunsch nach weicheren Pisten um – zugunsten der Sicherheit für die Athletinnen und Athleten. Hari hat dazu eine klare Meinung: «Für mich ist eine zu weiche Piste eine zu schlechte Piste. Und nach meinem Verständnis ist eine schlechte Piste nicht sicherer als eine gute Piste. Ein einleuchtendes Argument, warum wir hier in Adelboden die Piste weniger eisig machen sollen als bisher, hat mir noch niemand geliefert. Bei einem Acht-Millionen-Budget sind wir irgendwo auch verpflichtet, dass die Rennen stattfinden können. Unter meiner Führung mussten wir erst dreimal ein Rennen absagen. Zu FIS-Renndirektor Markus Waldner habe ich gesagt: An welchem Weltcup-Ort sonst findest du eine solche Quote?»

Eine Schneekanone produziert Kunstschnee im Zielhang des "Chuenisbaergli", am Donnerstag 27. November 2008 in Adelboden. Am 10. und 11. Januar 2009 finden hier die traditionellen Ski - Weltc ...
Ein Grossteil der Weltcup-Pisten besteht aus Kunstschnee.Bild: KEYSTONE

Die Unterlage auf dem «Chuenisbärgli» präsentiert sich den Fahrern auch in diesem Jahr so hart und kompakt wie gewohnt. Darum bleibt Hari trotz angekündigtem Temperaturanstieg und Schneefall cool: «Was auf die Piste fällt, schieben wir wieder weg. Es ist alles bereit, und ich freue mich auch im 32. Jahr auf die Rennen.» Hari lacht und fügt an: «Wie'ne Moore!»

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Die meisten Siege im Riesenslalom in Adelboden
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Die meisten Siege im Riesenslalom in Adelboden

Marco Odermatt (SUI): 5 Siege (2022, 2023, 2024, 2025, 2026).

quelle: keystone / anthony anex
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38 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lebig51
08.01.2026 14:27registriert Juli 2015
36 Mio. Liter Wasser! Davon könnten ca. 720 Haushalte ein Jahr davon zehren. Dies interessiert allerdings niemanden.
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WeedWilli
08.01.2026 14:31registriert Januar 2017
40 Millionen (!) Liter Wasser für 2 Tage Skirennen?!?
Nennt mich eine Spassbremse, aber ich finde das ökologisch absolut nicht zu rechtfertigen... :-(
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CBBasel
08.01.2026 14:48registriert September 2020
Was für ein Irrsinn für ein paar Minuten Sport!
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