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Crans-Montana: Bild zeigt Kerzen, die den Brand auslösten

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Unglück in der Silvester-Nacht in Crans-Montana

Während einer Silvesterfeier ins Neujahr 2026 in Crans-Montana VS kam es zu einer Explosion und einem Brand in der Bar «La Constellation».

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Kerzen auf Flaschen lösten wohl Brand aus – die neuesten Erkenntnisse in 5 Punkten

02.01.2026, 17:4302.01.2026, 18:17

Am Freitagnachmittag präsentierten die Walliser Behörden die neuesten Erkenntnisse zur Brandkatastrophe in Crans-Montana. Das sind die wichtigsten 5 Punkte:

epa12621841 Beatrice Pilloud, Attorney General of the Canton of Valais, reacts during a press conference about a fire in a Crans-Montana bar during New Year?'s celebration, in Sion, Switzerland,  ...
Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Freitagnachmittag bei der Pressekonferenz.Bild: keystone

Bengalkerzen Ursache für Brand

Die Ursache für den verheerenden Brand in Crans-Montana wird klarer: Laut Staatsanwaltschaft deutet alles darauf hin, dass das Feuer von Bengalkerzen ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke kamen.

Crans Montana, 01.01.26
Mit diesen Bengalkerzen wurde der Champagner serviert.Bild: screenshot / X

So habe sich das Feuer sehr schnell zu einem Brand entwickelt, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Freitag vor den Medien in Sitten. Vor Ort habe man Spuren gesichert. Zudem hätten die Ermittler Videoaufnahmen erhalten und analysiert, sowie mehrere Personen befragt – darunter die beiden französischen Barbetreiber.

Deshalb breitete sich das Feuer so schnell aus:

Ermittlungen zur Einrichtung

Der weitere Verlauf der Untersuchung werde sich insbesondere mit den Umbauten, den verwendeten Materialien, den Betriebsgenehmigungen sowie mit den Sicherheitsvorkehrungen befassen. «Damit sind gemeint: die vorhandenen Löschmittel, Fluchtwege, die Einhaltung der Brandschutzvorschriften und die allgemeinen Mittel zur Brandbekämpfung.»

Auch werde ermittelt, wie viele Personen tatsächlich anwesend waren und wie viele es laut Genehmigung hätten sein dürfen. Weiter würden die Einrichtung des Lokals, die Evakuierungswege und der allgemeine Zugang untersucht.

Es gebe die Möglichkeit einer strafrechtliche Verfolgung, sagte Pilloud weiter. Wenn es um die Verantwortung von noch lebenden Personen gehe, könnte eine strafrechtliche Untersuchung wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet werden.

crans montana decke fängt feuer le constellation silvester 2.1.26
Bilder aus dem Innern der Bar kurz vor der Katastrophe.Bild: x

71 Schweizer unter Verletzten

Von den 119 Verletzten waren am Freitagnachmittag 113 identifiziert, wie der Walliser Polizeikommandant Frédéric Gisler bekanntgab. 71 von ihnen stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, 4 aus Serbien. Aus Bosnien, Polen, Belgien, Luxemburg und Portugal stammt je eine verletzte Person. In den übrigen Fällen ist die Nationalität noch nicht bekannt.

Die Behörden gehen weiterhin von 40 Todesopfern aus, wie Gisler sagte. Zuvor hatte Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer darauf hingewiesen, dass viele der Verletzten nach wie vor in den Spitälern um ihr Leben kämpften.

Identifizierung lauft auf Hochtouren

Die Identifikation der Verstorbenen laufe weiter auf Hochtouren, sagte Polizeikommandant Gisler. Ziel sei es, möglichst schnell Klarheit zu schaffen.

Zu diesem Zweck stehe eine 30-köpfige Spezialeinheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern im Einsatz, ein sogenanntes DVI-Team (Disaster Victim Identification), sagte Kripo-Chef Pierre-Antoine Lengen.

Beatrice Pilloud, Attorney General of the Canton of Valais and Frederic Gisler, Commander of the Valais Cantonal Police, from left to right, speak during a press conference about the Le Constellation  ...
Polizeikommandant Frederic Gisler an der Pressekonferenz.Bild: keystone

Diese Einheit sei nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Asien aufgebaut worden. Sie sei unter anderem zusammengestellt aus spezialisierten wissenschaftlichen Ermittlern der Polizei, Rechtsmedizinern und Zahnärzten.

Die Spezialeinheit arbeite nach internationalen Standards. Bei der Opferidentifizierung dürften sich die Behörden keine Fehler erlauben, betonte Lengen. Im Übrigen könne die Walliser Polizei auf die Unterstützung aus anderen Kantonen, der Bundesbehörden sowie weitere Partner im In- und Ausland zählen.

Journalisten wollten ins Spital

Eric Bonvin, der Generaldirektor des kantonalen Spitalverbunds Spital Wallis sagte, die Erstversorgung der Verletzten habe gut funktioniert. Wegen der Feiertage mit vielen Feriengästen sei das Personal ohnehin aufgestockt worden. «Wir waren also in der Silvesternacht gut aufgestellt.»

Nun stünden die Familien in Kontakt mit ihren verletzten Angehörigen. Das sei ein heikler Moment. Bonvin erinnerte die Medienschaffenden daran, die Privatsphäre der Menschen einzuhalten. Einige Journalisten hätten versucht, ins Spital zu gelangen, sagte er. (cma/sda)

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Während einer Silvesterfeier ins Neujahr 2026 in Crans-Montana VS kam es zu einer Explosion und einem Brand in der Bar «La Constellation».

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«Es gibt keine Worte, um diesen Horror zu beschreiben» – Augenzeugin berichtet vom Unglück in Crans-Montana
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63 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Butschina
02.01.2026 19:05registriert August 2015
Dass Medienschaffende versuchen ins Spital zu gelangen ist unter aller Sau. Sowas kann ich nicht verstehen. Man kann den Mediensprecher anschreiben und mit ihm sprechen, aber mehr nicht.
Ich habe mal erlebt wie meine Zimmernachbarin, die bei einem Unfall ein Baby verlor, mehrmals vom gleichen Medienhaus für ein Interview angefragt wurde. Bereits beim ersten Mal machte man klar, dass kein Kontakt erwünscht ist. Das gilt es zu akzeptieren. Müssen Spitäler ihre Patienten noch davor schützen ist das zusätzliche Arbeit, die dann am Bett fehlt. Das geht gar nicht. Habt doch bitte Anstand.
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chrissy_dieb
02.01.2026 18:02registriert Januar 2020
Jetzt wäre ein Artikel über Brandschutzmassnahmen und Feuerpolizei angebracht. Was ist gesetzlich verlangt? Wie wird das im Kanton Wallis gehandhabt? Wie unterscheidet sich das Wallis von anderen Kantonen mit einer Gebäudeversicherung?
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Opossum2
02.01.2026 18:11registriert Januar 2022
Nach den diversen Videos und Interviews ist es aus meiner Sicht offensichtlich, dass die Panels unter der Decke nicht normkonform waren für gewerbsmässige Nutzung, sondern brennen wie Zunder. Die Wunderkerzen, die ich gestern noch kritisiert habe, waren vermutlich Kategorie F1, d.h. die Verwendung in geschlossenen Räumen durch Laien zulässig. Die zu klärende Frage wird sein, wusste die Eigentümerin davon oder wurden ihr diese Panels massiv überteuert als normkonform verkauft? Und was hat man anlässlich der jährlichen Brandschutzinspektion gemacht?
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