Schweiz
Winter

So viele Skigebiete und Dorflifte wurden in der Schweiz stillgelegt

Skilift Walde
Von 1971 bis 2003 konnte man in Walde am mit 800 Metern längsten Skilift im Aargau von 595 auf 704 Meter über Meer gezogen werden. Bild: pd

Stillgelegte Schweizer Skigebiete – diese 167 hat es bereits erwischt

Schweizer Skigebiete stehen vor grossen Herausforderungen: Die Temperaturen steigen, die Winter werden kürzer, es fehlt vielerorts an Schnee. Vielen kleinen und mittleren Skigebieten droht das Aus – ganze 167 Skigebiete sind in der Schweiz bereits verschwunden.
15.12.2024, 10:50
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Es ist Mitte November, die Verantwortlichen von Schweiz Tourismus und der Verband der Schweizer Seilbahnen laden zu einem Mediengespräch. Das Thema: der Klimawandel und der Einfluss auf die Schweizer Skigebiete. Wie soll es weitergehen, wenn die Temperaturen steigen und der Schnee immer wieder ausbleibt?

Klimaforscher Reto Knutti überbringt keine frohe Kunde: «Bis 2050 wird die Nullgradgrenze um weitere 300 Meter ansteigen. Unter 1500 Höhenmetern wird es für die Skigebiete schwierig», erklärt der ETH-Professor. Bereits jetzt beginnt die Schneesaison durchschnittlich 12 Tage später und endet rund 25 Tage als früher. Die durchschnittliche Höhe der Bergstation in den Schweizer Skigebieten liegt bei rund 1600 Höhenmetern. Vor allem für kleine und mittlere Skigebiete im Alpenvorland und im Jura könnte es deshalb eng werden.

Definition Skigebiet
Als Skigebiet haben wir immer einen eigenständigen Bereich definiert, der nicht mit anderen (Teil-)Gebieten via Lift, Sesselbahn oder Gondel zusammenhängt. Einzelne Dorflifte gelten also auch als Skigebiet. In einer grossen Destination wie dem Hoch-Ybrig werden das Hauptskigebiet und die Anlagen unten im Dorf als zwei Skigebiete gezählt.

Auf der Karte angezeigt werden pro Skigebiet jeweils die grossen Zugangsorte. Beispielsweise für Arosa-Lenzerheide die Orte Arosa, Lenzerheide und Churwalden. Darum kam die Anzahl bei uns von der offiziellen Anzahl pro Kanton.

Dass Skigebiete (Definition siehe Infobox) ihren Betrieb aufgeben, ist jedoch kein neues Phänomen. 167 Anlagen machten seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu. Viele davon in den Jahren um die Jahrtausendwende. In diesem Jahr kündigten die Betreiber der Skilifte Horben und Flühli in den Kantonen Aargau und Luzern an, dass sich der Betrieb nicht mehr lohne und sie deshalb den Betrieb einstellen müssten.

Horben Skilift
Der Skilift Horben hat den Betrieb endgültig eingestellt.Bild: skilift horben

Aber auch grössere Skigebiete bekundeten zuletzt Mühe: In Sattel-Hochstuckli SZ wird in der zweiten Saison in Folge der Winterbetrieb stark zurückgefahren, um Kosten zu sparen. Dem Familienskigebiet Braunwald GL droht nach zwei verlustreichen Wintern gar die Schliessung, wenn es in dieser Saison wieder zu wenig Schnee gibt.

Die pessimistischen Prognosen bedeuten nicht, dass Skigebiete jetzt reihenweise schliessen müssen, doch die Grundvoraussetzungen für einen geregelten Betrieb werden definitiv nicht besser. Aktuell sind in der Schweiz noch 329 Skigebiete nach unserer Definition (siehe Infobox) in Betrieb. 167 mussten den Betrieb einstellen, 148 davon wurden bereits komplett abgebaut.

Eine durchsuchbare Liste mit allen aktiven und stillgelegten Skigebieten gibt's am Ende des Artikels.

Rund jedes dritte Skigebiet der Schweiz ist also verschwunden. Natürlich sind das vor allem kleinere Gebiete oder einzelne Lifte, doch es sind auch grössere Skigebiete wie Lungern-Schönbüel darunter. Dabei war der Klimawandel und als Folge davon Schneemangel nicht immer der Hauptgrund. Teilweise schwand auch das Interesse am Skisport oder die erhofften Gewinne konnten nicht mehr realisiert werden.

Die kleineren Skigebiete sind für die Nachwuchsbeschaffung aber enorm wichtig. «Dass sich Skifahren in der Schweiz als Breitensport durchsetzte, hing entscheidend mit dem Angebot von Skiliften – auch vielen Talliften in tieferen Lagen – zusammen», erklärte Simon Engel von Swiss Sports History an der Universität Luzern bereits vor zwei Jahren gegenüber der «Solothurner Zeitung». Den Höhepunkt erreichte der Skiboom hierzulande in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Skilift Walde 2003 letzte Saison
Der Skilift Walde 2003, im letzten Jahr seines Bestehens.Bild: CH Media/Ruth Merz

Seither nehmen die Skitage der Schweizer kontinuierlich ab. Insbesondere Skigebiete mit wenig modernen Anlagen, ohne grosse Höhendifferenz, ohne Beschneiungsanlagen und solche, die mit anderen Skigebieten um Besucher buhlen mussten, zogen (und ziehen) immer öfter den Kürzeren. Als Ausweg bleibt oft nur der Transfer zum Sommertourismus, doch dieser braucht Zeit und ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.

Daten und Quellen
Die Daten zu den stillgelegten und abgebauten Anlagen stammen von Bergbahnen.org. Angaben zur Betriebsdauer kommen ebenfalls von dort, die Höhenlage der Skigebiete stammt teilweise auch von Bergfex.ch oder direkt von den Betreiber-Websites. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Liste der Skigebiete erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Entscheidend ist teilweise auch, was als Skigebiet definiert wird. Darum: Fehlt ein stillgelegtes Skigebiet? Maile die Informationen an reto.fehr@watson.ch.

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Historische Bilder der bekanntesten Schweizer Skigebiete
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Historische Bilder der bekanntesten Schweizer Skigebiete
Das verschneite Dorf Engelberg im Winter.
quelle: ullstein bild / ullstein bild dtl.
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Winter Wonderland Zürich – so schön verschneit sieht die Stadt von oben aus
Video: ch media
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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Magnum
15.12.2024 11:49registriert Februar 2015
Aber immer schön dran denken: SVP-Präsident Toni Dettling freut sich auf wärmeres Wetter! Die Sache mit Wetter, Klima, Klimawandel und der Häufung von Extremereignissen sollte ihm uU mal ein Experte erklären.

Skigebiete mit Talstation unter 1200m brauchen definitiv einen Plan B.
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Humanoides
15.12.2024 11:28registriert November 2020
Wenn ein einzelner Skilift im Dorf zum Skigebiet aufgeblasen wird, hört sich das Ganze selbstverständlich viel gravierender an...
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Snowy
15.12.2024 12:01registriert April 2016
So weit - so klar.
(Und so traurig).

Besser Kleinstanlagen unter 1000 MüM aufgeben und dafür in bestehenden Skigebieten (mit Betonung auf Skigebieten - nicht „Dorf mit Skilift“) den Ausbau nicht mit zig Einsprachen erschweren oder gar verunmöglichen.

Daneben müssen die Skigebiete und deren Anlagen gross in den Sommer investieren. Gebiete ( schlechte Bsp sind einige im Berner Oberland ) welche sich noch bis vor ein paar Jahren den Mountainbikern verweigert haben, ärgern sich gerade grün und blau. Da waren die Bündner (wie bereits beim Snowboarden in den 90-ern) visionärer und schneller…!
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