Es ist Mitte November, die Verantwortlichen von Schweiz Tourismus und der Verband der Schweizer Seilbahnen laden zu einem Mediengespräch. Das Thema: der Klimawandel und der Einfluss auf die Schweizer Skigebiete. Wie soll es weitergehen, wenn die Temperaturen steigen und der Schnee immer wieder ausbleibt?
Klimaforscher Reto Knutti überbringt keine frohe Kunde: «Bis 2050 wird die Nullgradgrenze um weitere 300 Meter ansteigen. Unter 1500 Höhenmetern wird es für die Skigebiete schwierig», erklärt der ETH-Professor. Bereits jetzt beginnt die Schneesaison durchschnittlich 12 Tage später und endet rund 25 Tage als früher. Die durchschnittliche Höhe der Bergstation in den Schweizer Skigebieten liegt bei rund 1600 Höhenmetern. Vor allem für kleine und mittlere Skigebiete im Alpenvorland und im Jura könnte es deshalb eng werden.
Dass Skigebiete (Definition siehe Infobox) ihren Betrieb aufgeben, ist jedoch kein neues Phänomen. 167 Anlagen machten seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu. Viele davon in den Jahren um die Jahrtausendwende. In diesem Jahr kündigten die Betreiber der Skilifte Horben und Flühli in den Kantonen Aargau und Luzern an, dass sich der Betrieb nicht mehr lohne und sie deshalb den Betrieb einstellen müssten.
Aber auch grössere Skigebiete bekundeten zuletzt Mühe: In Sattel-Hochstuckli SZ wird in der zweiten Saison in Folge der Winterbetrieb stark zurückgefahren, um Kosten zu sparen. Dem Familienskigebiet Braunwald GL droht nach zwei verlustreichen Wintern gar die Schliessung, wenn es in dieser Saison wieder zu wenig Schnee gibt.
Die pessimistischen Prognosen bedeuten nicht, dass Skigebiete jetzt reihenweise schliessen müssen, doch die Grundvoraussetzungen für einen geregelten Betrieb werden definitiv nicht besser. Aktuell sind in der Schweiz noch 329 Skigebiete nach unserer Definition (siehe Infobox) in Betrieb. 167 mussten den Betrieb einstellen, 148 davon wurden bereits komplett abgebaut.
Rund jedes dritte Skigebiet der Schweiz ist also verschwunden. Natürlich sind das vor allem kleinere Gebiete oder einzelne Lifte, doch es sind auch grössere Skigebiete wie Lungern-Schönbüel darunter. Dabei war der Klimawandel und als Folge davon Schneemangel nicht immer der Hauptgrund. Teilweise schwand auch das Interesse am Skisport oder die erhofften Gewinne konnten nicht mehr realisiert werden.
Die kleineren Skigebiete sind für die Nachwuchsbeschaffung aber enorm wichtig. «Dass sich Skifahren in der Schweiz als Breitensport durchsetzte, hing entscheidend mit dem Angebot von Skiliften – auch vielen Talliften in tieferen Lagen – zusammen», erklärte Simon Engel von Swiss Sports History an der Universität Luzern bereits vor zwei Jahren gegenüber der «Solothurner Zeitung». Den Höhepunkt erreichte der Skiboom hierzulande in den 1960er- und 1970er-Jahren.
Seither nehmen die Skitage der Schweizer kontinuierlich ab. Insbesondere Skigebiete mit wenig modernen Anlagen, ohne grosse Höhendifferenz, ohne Beschneiungsanlagen und solche, die mit anderen Skigebieten um Besucher buhlen mussten, zogen (und ziehen) immer öfter den Kürzeren. Als Ausweg bleibt oft nur der Transfer zum Sommertourismus, doch dieser braucht Zeit und ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.
Die Liste der Skigebiete erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Entscheidend ist teilweise auch, was als Skigebiet definiert wird. Darum: Fehlt ein stillgelegtes Skigebiet? Maile die Informationen an reto.fehr@watson.ch.
Skigebiete mit Talstation unter 1200m brauchen definitiv einen Plan B.
(Und so traurig).
Besser Kleinstanlagen unter 1000 MüM aufgeben und dafür in bestehenden Skigebieten (mit Betonung auf Skigebieten - nicht „Dorf mit Skilift“) den Ausbau nicht mit zig Einsprachen erschweren oder gar verunmöglichen.
Daneben müssen die Skigebiete und deren Anlagen gross in den Sommer investieren. Gebiete ( schlechte Bsp sind einige im Berner Oberland ) welche sich noch bis vor ein paar Jahren den Mountainbikern verweigert haben, ärgern sich gerade grün und blau. Da waren die Bündner (wie bereits beim Snowboarden in den 90-ern) visionärer und schneller…!