Schweiz
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Von einer Altersdiskriminierung kann laut der Studie nicht immer die Rede sein. Foto: keystone

50+ und ohne Job – das muss laut einer Zürcher Studie nicht sein



Vor zwei Jahren lobte die OECD die Schweiz für die hohe Erwerbsquote bei den über 55-Jährigen, tadelte sie jedoch für die hohe Quote von Langzeitarbeitslosen in der gleichen Alterssparte. Als einen möglichen Grund sah die Organisation in der altersbedingten Diskriminierung bei der Einstellung «eine Praxis, die in der Schweiz gesetzlich nicht verboten und nach wie vor verbreitet ist.»

Eine neue Studie des Amts für Wirtschaft und Arbeit relativiert diese Aussage nun – zumindest auf den Kanton Zürich bezogen. Die Autoren Aniela Wirz, Thomas Bauer und Alicia Porteiner kommen zum Schluss, dass die längere Arbeitslosigkeit zwar tatsächlich auf Problemen für Ältere auf dem Arbeitsmarkt basiert – ungeachtet, ob dahinter eine Altersdiskriminierung steckt oder andere Gründe. Dass sie aber auch von einem Ausschluss oder Rückzug vom Markt herrührt.

«In der Finanzbranche kann eine Diskriminierung nicht ausgeschlossen werden.»

Autoren der Studie

Auf die Branche kommt es an

Ob es für Über-50-Jährige schwierig ist, eine alte Stelle zu behalten oder eine neue zu finden, hängt laut den Autoren neben der Ausbildung (mit zunehmendem Alter weisen schlecht ausgebildete Personen eine markant höhere Arbeitslosenquote auf) vor allem auch von der Branche ab.

Gute Bedingungen finden sich offenbar im Sozialwesen, bei den Schulen und beim Staat in der Verwaltung. Dort machen die Ü50-Jährigen die Mehrheit der Angestellten aus.

Im Gesundheitswesen ist das Risiko, die Stelle zu verlieren ebenfalls tief. In den Spitälern und Heimen arbeiten relativ viele ältere Angestellte. Dennoch profitieren diese generell nicht vom dort wachsenden Bedarf an Arbeitskräften. Oft stellen die Arbeitgeber jüngere Personen neu ein.

Am schlechtesten sind die Bedingungen in der Finanzbranche – die Autoren reden davon, dass eine «Diskriminierung nicht ausgeschlossen werden kann». Bei Versicherungen und Banken finden sich mehr Unter-50-Jährige, es werden deutlich weniger ältere Menschen neu eingestellt und es fallen jedes Jahr deutlich mehr von ihnen weg. Die Autoren lassen offen, woran dies liegen könnte. 

«Die Probleme für ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt widerspiegeln sich ‹in einem teilweise definitiven Ausschluss oder Rückzug vom Arbeitsmarkt›.»

Autoren der Studie

Viele steigen freiwillig aus

Die Autoren betonen weiter: Die Probleme für ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt «widerspiegeln sich weniger in der Arbeitslosenquote, sondern vielmehr in einem teilweise definitiven Ausschluss oder Rückzug vom Arbeitsmarkt.»

Die Gründe dafür sind vielfältig: Frühpensionierungen, Invalidität, Sozialhilfe oder der Umstand, dass Ältere teilweise einen längeren Anspruch auf Arbeitslosentaggeld haben.

Die Autoren schreiben zuletzt auch, wie man den freiwilligen Rückzug vom Arbeitsmarkt stoppen könnte: «Beispielsweise könnten attraktive Arbeitsplätze, ein ausgebautes Gesundheitsmanagement und eine spannende berufliche Perspektive auch mit steigendem Alter einen wichtigen Beitrag dazu leisten.»

(rwy)

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    Alle Leser-Kommentare
  • rkeller 26.10.2016 11:27
    Highlight Highlight .. kann eine Diskriminierung nicht ausgeschlossen werden.... aber nur in der Finanzbranche ...

    Das ist wohl ein Witz. Ich bin Ü50, topqualifiziert, mehrere Uni Abschlüsse, Geschäftsführungsfunktionen, internationale Karriere....
    Aber seit einem Jahr No Chance, trotz intensivsten Bemühungen. Ich fühle mich durch solche Studien verhöhnt.

    Es liegt auch am Versagen der Ämter. Inländervorrang, ja o.k., aber vor allem Vorrang für jene, die kurz vor der Aussteuerung stehen, inkl Intensivbetreuung. Das wäre notwendig. Sowie Auflagen für Headhunter.

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