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SNB-Präsident rät Kunden für bessere Zinsen zum Bankenwechsel

SNB-Präsident rät Kunden für bessere Zinsen zum Bankenwechsel

26.11.2023, 10:15
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Nationalbank-Präsident Thomas Jordan hat im Wettbewerb für attraktivere Zinssätze gewisse Sparer zum Bankenwechsel aufgerufen. «Wenn sie zu einer anderen Bank wechseln, die mehr Zins bezahlt, dann zwingt das ihre bisherige Bank, darauf zu reagieren.»

In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» appellierte Jordan an die Verantwortung der Kunden. Diese könnten mit ihrem Verhalten zu einem funktionierenden Wettbewerb beitragen.

Während viele Banken grosse Gewinne erzielten, stiegen die Zinssätze für die Sparer zuletzt nur zögerlich. Der Leitzins liegt bei 1.75 Prozent, ein üblicher Sparzins aber weit darunter.

Jordan zeigte dabei auch Verständnis für die Banken, die nach der Phase mit Negativzinsen zunächst ihre Marge normalisieren müssten. «Ich erinnere daran, dass zuvor die Zinsen für Sparer trotz negativem Leitzins mehrheitlich bei null lagen.» Wenn die Normalisierung der Marge abgeschlossen sei, sollte der Wettbewerb zwischen den Banken dafür sorgen, dass auch die Zinssätze auf den Kundeneinlagen wieder ansteigen würden. «Dieser Prozess hat bereits begonnen.»

Bund und Kantone müssen warten

In Bezug auf die Gewinnausschüttungen der SNB an die öffentliche Hand ist es laut Jordan durchaus möglich, dass Bund und Kantone für längere Zeit auf diese verzichten müssen. «Bund und Kantone erhalten erst wieder Geld, wenn das Eigenkapital das von uns angestrebte Niveau erreicht.» Damit demnach Gewinnausschüttungen wieder möglich werden, muss die Ausschüttungsreserve von zurzeit minus 39 Milliarden deutlich über null steigen.

Die SNB habe in der Phase vor 2022 einige Jahre sehr hohe Gewinne erwirtschaftet, und sie habe auch die Ausschüttungen deutlich erhöhen können, sage Jordan. «Es kann aber durchaus sein, dass jetzt eine Periode kommt, in welcher Ausschüttungen nicht möglich sind.» International seien viele Zentralbanken in einer ähnlichen Situation, manche hätten sogar ein negatives Eigenkapital.

Jordan bekräftigte, dass die Glaubwürdigkeit und Reputation der SNB davon abhängig sei, ob es ihr gelinge, die Preisstabilität aufrechtzuerhalten. «Im internationalen Vergleich stehen wir hier sehr gut da, der Franken ist die stabilste Währung der Welt.» Preisstabilität sie der wesentliche Beitrag der Nationalbank zum Wohlstand der Schweiz. «Die Gewinnausschüttung ist ein Nebenprodukt.» (sda)

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55 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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simeli
26.11.2023 13:03registriert September 2014
Raiffeisenkontos nach 20 Jahren aufgelöst und zu ZAK und Bank Cler. Wieder gratis Debitkarte und keine Kontoführungsgebühren, wie in den guten alten Zeiten. Mehr Zins natürlich noch obendrauf.
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Rethinking
26.11.2023 11:07registriert Oktober 2018
„Jordan zeigte dabei auch Verständnis für die Banken, die nach der Phase mit Negativzinsen zunächst ihre Marge normalisieren müssten“

Die Banken haben die Gebühren massiv erhöht, folglich sind die Margen schon lange „normalisiert“…

Wobei „normalisiert“ überrissen bedeutet!

Sieht man ja an den riesigen Gewinnen…
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CH-Bürger
26.11.2023 11:59registriert Juni 2018
Ich bin überrascht, dass unser SNB-Präsident empfiehlt, die Bank zu wechseln, um bessere Zinsen zu erhalten. Einerseits hat er recht, wenn er auf diese Weise den Wettbewerb ankurbelt, andererseits weiß er als Banker selbst, dass es viel zu lange dauert, bis wir Normalsterblichen von Zinserhöhungen profitieren, und dass die Zinsen innerhalb eines Tages wieder sinken können damit die Banken von uns billiges Geld haben das zu hohen Kreditzinsen vergeben wird.
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