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Reiche wohnen am See, in Binningen (BL) oder im Engadin.

Steuererklärung parat?

Wo die Millionäre und die Steuerabzugs-Könige wohnen

Am 30. September ist die Steuererklärung definitiv fällig. Auf unseren interaktiven Karten sehen Sie, wo die Reichsten wohnen. Und dass die Bauern am meisten von den Steuern abziehen.



Ende Woche ist für viele ein ungeliebter Termin: Die Steuererklärung muss ausgefüllt und eingereicht werden.

Aus den Daten, die jedes Jahr bei Gemeinden, Kantonen und Bund eingehen, lässt sich auf die Gemeinde genau sagen, wieviel der durchschnittliche Steuerzahler dort versteuert – und wieviel der durchschnittliche Steuerzahler abzieht.

Durchschnittliches Einkommen: 1 Million Franken

Aus der ersten der untenstehenden interaktiven Karte geht hervor, in welchen Gemeinden die eher einkommensstarken Steuerpflichtigen wohnen. Auf dem ersten Platz lag 2010 (neuste verfügbare Zahlen) mit einem Reineinkommen von 935'373 Franken die Waadtländer 175-Seelen-Gemeinde Vaux-Sur-Morges über dem Genfersee. Der Grund für den hohen Wert ist der Steuersitz von André Hoffmann, Urenkel des Gründers von Hoffmann-LaRoche, der 90 Prozent des Gemeindebudgets allein bestreitet.

Weiter zeigt sich wenig überraschend, dass besonders in den Seeanliegergemeinden am Genfer und Zürichsee, sowie im Engadin um St. Moritz und den Vorort-Gemeinden um Basel-Stadt hohe Reineinkommen versteuert werden.

Klicken Sie in die gewünschte Gemeinde, um zu sehen, wieviel das durchschnittliche Reineinkommen dort 2010 betragen hat.

Aus der Steuerstatistik des Bundes lässt sich jedoch nicht nur das durchschnittliche Reineinkommen in den einzelnen Gemeinden ablesen, sondern auch, wieviel im Durchschnitt vom Reineinkommen noch abgezogen wird, um das steuerbare Einkommen zu ermitteln. Dabei handelt es sich um die Sozialabzüge, wie beispielsweise Abzüge für unterstützungspflichtige Familienangehörige und Nebenerwerbe.

In dieser Karte zeigt sich das genau umgekehrte Bild. Die Gemeinde mit dem prozentual niedrigsten Abzug vom Reineinkommen ist Vaux-Sur-Morges (Abzüge von 1,4 Prozent), also auch die Gemeinde die das höchste Reineinkommen verzeichnet. Die grossen Städte und die Anliegergemeinden des Zürichsees, die bei der Einkommenskarte dunkel erscheinen, sind auf der Abzugskarte eher hell, das heisst, es werden dort eher wenig Abzüge gemacht.

Die Top- und Flop-Gemeinden

Reichste Gemeinden (durchschnittliches Reineinkommen):
1. Vaux-Sur-Morges (VD): 935'373 Fr.
2. Cologny (GE): 296'883 Fr.
3. Wollerau (SZ): 288'371 Fr.
4. Anières (GE): 285'961 Fr.
5. Vandoeuvres (GE): 282'964 Fr.

Ärmste Gemeinden (durchschnittliches Reineinkommen):
1. Campello (TI): 28'033 Fr.
2. Bellwald (VS): 32'376 Fr.
3. Blitzingen (VS): 33'883 Fr.
4. Bister (VS): 36'050 Fr.
5. Lax (VS): 36'708 Fr.


Landwirte ziehen am meisten ab

Die Gemeinden, in denen vom Reineinkommen prozentual am meisten Abzüge gemacht werden, sind die (mittlerweile teilweise fusionierten) landwirtschaftlich geprägten Kleinstgemeinden Tenna (-24%) und Casti-Wergenstein (-21%) im Bündnerland, Rebévelier (-27%) im Berner Jura, Gänsbrunnen (-21%) in Solothurn und Vaugondry (-23%) im Waadtländer Jura.

Tenna (GR), Casti-Wergenstein (GR) und Rebévelier (BE) sind in Sachen Steuerabzüge auch in absoluten Zahlen in den Top 5. Zwischen einem Fünftel und einem Viertel, beziehungsweise zwischen 12'000 und rund 16'000 Franken zieht der durchschnittliche Steuerpflichtige in diesen Gemeinden vom Reineinkommen noch ab. In den grösseren Städten Bern, Basel und Zürich liegen diese Werte zwischen 4000 und 8000 Franken oder mit anderen Worten: Die Städter ziehen vom Reineinkommen nur noch zwischen 7 und 8 Prozent ab.

Dafür sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Laut Rosmarie Heiniger, Gemeindepräsidentin von Gänsbrunnen und selbst Landwirtin, fielen bei den Landwirten Abzüge bei den Nebenerwerben ins Gewicht. «Kaum ein Bauernpaar kommt heute noch ohne Zusatzverdienst über die Runden», sagt Heiniger. Auch sie selbst ziehe vom Nebeneinkommen 20 Prozent ab.

Viele Kinder und Nebenerwerbe

Johann Müller bestätigt diesen Befund. Als Steuerkommissär der Bündner Steuerverwaltung ist er zuständig für die Landwirte im Kanton und damit auch für die meisten Steuerpflichtigen in den Gemeinden der Abzugskönige Tenna und Casti-Wergenstein. «Die Familien sind in diesen Gemeinden tendenziell kinderreicher, während in den Städten der Anteil der Alleinstehenden höher ist», sagt Müller.

Der Kanton Graubünden nehme in Steuersachen auch auf die topographische Lage der abgelegenen Gemeinden Rücksicht. «Die Kinder müssen nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit meist ausserorts in die Lehre oder auf das Gymnasium und damit auch auswärts untergebracht werden, was hohe Kosten verursacht», sagt Müller.

Niedrige Reineinkommen

Der Gemeindepräsident von Rebévelier, ebenfalls Landwirt, ist schwer erreichbar. Yvonne von Kauffungen, Sprecherin der Berner Steuerverwaltung, erklärt den Spitzenplatz von Rebévelier folgendermassen: «Normalerweise haben ländliche Regionen und kleinere Gemeinden einerseits tiefere Einkommen und andererseits eine andere Familienstruktur. Ein fixer Kinderabzug wirkt sich in diesen Fällen ganz anders aus. Je höher das Reineinkommen ist, desto tiefer ist der Anteil der fixen Sozialabzüge und umgekehrt.»

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