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78 Pakete aufs Mal geholt – Geimpfte Schweizer nutzen ihre Privilegien in Deutschland

Die Schweizer machen von ihren Impfprivilegien in der deutschen Grenzregion regen Gebrauch. Das bekommen deutsche Grenzstädte wie Bad Säckingen und Laufenburg zu spüren. Paketshop-Kunden fahren mit dem Lastwagen vor. Und in südbadischen Supermärkten könnte es schon bald wieder zu eng werden.

Hans Christof Wagner / ch media



Sie sind wieder da. Schlagartig – von einem Tage auf den anderen. Zumindest bei Simon Kühn. Beim Inhaber von My Paketshop in Bad Säckingen fahren die Schweizer Kunden schon seit Montag wieder vor. Sie tun es vom ersten Tag an, als bekannt wurde, dass vollständig Geimpfte wieder quarantänefrei nach Deutschland einreisen dürfen – um einzukaufen und eben auch Pakete abzuholen.

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Kunden von My Paketshop in Bad Säckingen holten nach der Wiederöffnung der Grenze für Geimpfte Pakete mit dem Transporter ab.

Wobei Kühn auch nicht abwarten wollte, bis seine Schweizer Kunden von den neuen Freiheiten aus der Presse erfahren. Selbst aktiv ist er geworden und hat einen Sonder-Newsletter verschickt. Verrückte Szenen hat er seitdem beobachtet:

«Ein Kunde hat am Dienstag tatsächlich 78 Pakete auf einmal abgeholt. Der fuhr mit einem kleinen Lastwagen vor.»

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Bei Simon Kühn, Inhaber von My Paketshop in Bad Säckingen, stapeln sich noch immer die Sendungen. Bild: Hans Christof Wagner

Eine weitere Kundin aus der Innerschweiz habe 60 Sendungen mitgenommen. «Die war seit einem halben Jahr das erste Mal wieder da. Kunden aus den Nicht-Grenzkantonen durften ja schon seit Oktober 2020 nicht mehr zu mir kommen», berichtet Kühn. Der ist nach Einbrüchen in seinem Business von 80 Prozent besser gelaunt. «Seit Montag geht wieder deutlich mehr», freut er sich.

Alain Bardet ist 81 und wartet im Auto auf seine Frau Joana, die im Bad Säckinger Toom-Baumarkt gerade einkauft. Beide sind vollständig geimpft und geniessen es jetzt, seit Dezember mal wieder ennet der Grenze einkaufen zu können. Der Rentner aus Mettau:

«Am Montag kam die Nachbarin zu uns, erzählte aufgeregt, dass man jetzt als Geimpfter wieder rüber darf.»

Bardet schiebt nach: «Wir kaufen praktisch alle Lebensmittel in Deutschland ein. Und während der Grenzschliessung haben wir gemerkt, wie teuer die Schweiz ist.»

Eine Lidl-Kundin aus Stein sagt: «Ich dachte, ich probiere es jetzt einfach einmal.» Sie beteuert, seit der Aufhebung der Quarantänefreiheit für Einkaufstouristen auch aus den Grenzkantonen das erste Mal wieder in Bad Säckingen einzukaufen. Und das war kurz vor Weihnachten 2020. Sie ist nicht vollständig geimpft, habe aber ein Beleg darüber, mit Corona infiziert gewesen zu sein. Damit ist sie eine Genesene und darf jetzt auch wieder einreisen. Aber sie sagt:

«Zur Sicherheit habe ich das ganze Dossier im Auto. Damit bin ich bei Kontrollen vorbereitet.»

Offenbar hat es in der ersten Wochenhälfte mancherorts noch Probleme gegeben – mit deutschen Polizisten oder Zöllnern, die von den neuen Freiheiten der Schweizer noch nichts wussten. Auch Kühn wurde von Seiten seiner Kunden darüber informiert. Er reagierte, schrieb E-Mails an die deutsche Bundespolizei und den Zoll, informierte über die aktuelle Lage.

Friedrich Blaschke, Sprecher der Bundespolizei Weil am Rhein, kann derlei Vorfälle nicht bestätigen. Er verweist darauf, dass zur Überwachung der Coronaverordnung von Baden-Württemberg viele Sicherheitsorgane einbezogen sind. Wobei keiner von denen jetzt Impfpässe oder Testnachweise einreisender Schweizer kontrolliere.

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Martin Schmidt von Schmidts Märkte freut sich. Bild: zvg

Trotzdem und zur Sicherheit hat Kühn auch das Bad Säckinger Ordnungsamt in Kenntnis gesetzt. Auf keinen Fall sollte bei seinen Kunden der Eindruck entstehen, nach Bad Säckingen eingeladen zu werden, um dann dort doch noch Probleme zu bekommen.

Auch Lebensmittelhändler aus der Grenzregion freuen sich über die wiederkehrenden Schweizer. «Ja, wir merken es», sagt Martin Schmidt, Geschäftsführer von Schmidts Märkte, mit dem XL-Markt auch in Bad Säckingen vor Ort. Rainer Weber, Marktleiter des E-Centers Laufenburg, berichtet:

«Seit Donnerstag hat es angezogen. Und fürs Wochenende wird es noch mehr werden.»

Dann könnte es auch wieder eng werden: Denn mit der in Deutschland geltenden Notbremse dürfen in den Laufenburger Supermarkt nur 100 Leute rein.

(aargauerzeitung.ch)

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