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epa07901610 E-scooters from sharing companies park near the East Side Gallery in Berlin, Germany, 06 October, 2019. On 09, November, 2019 the German capital will commemorate the 30th anniversary to the fall of the Berlin Wall.  EPA/OMER MESSINGER

E-Scooter gehören in vielen Grossstädten mittlerweile zum Alltag – so wie hier in Berlin. Bild: EPA

Diese Schweizer Firma profitiert vom E-Roller-Boom

In Hunderttausenden Elektro-Scootern stecken Ortungschips von U-Blox. Für die Schweizer kommt der Hype gerade zur rechten Zeit.

Fabian Hock / ch media



Ein Gewerbegebiet am Rande des Städtchens Thalwil ZH. Gegenüber des grauen Bürogebäudes liegt ein Baumarkt und ein Gesundheitspark mit Tennisplätzen. Kein Ort, an dem man einen Weltmarktführer im Technologiebereich vermuten würde.

Aber so ist es: Die Firma U-Blox, die hier zu Hause ist, entwickelt Chips und Module für die drahtlose Übertragung von Daten, etwa für W-Lan oder Bluetooth. Ihre GPS-Ortungschips sind in den meisten Navigationsgeräten der grossen Autohersteller verbaut.

Das Geschäft mit den Elektro-Trottis

Vor mehr als 20 Jahren als Spin-Off der ETH Zürich gegründet, beschäftigt das Unternehmen mittlerweile rund 1000 Mitarbeiter, ein Viertel davon sitzt am Zürichsee. Beim neuesten Mobilitätstrend ist U-Blox ganz vorne mit dabei: Überall auf der Welt werden die Innenstädte von E-Scootern regelrecht überschwemmt – in der Schweiz sind sie etwa in Zürich und in Basel unterwegs.

Die Tretroller mit Elektroantrieb werden von Firmen zur Ausleihe bereitgestellt, mit der passenden App können Kunden für wenige Rappen pro Minute durch die Strassen flitzen und das Gerät danach irgendwo abstellen.

Bild

Thomas Seiler CEO U-Blox. bild: ch media

Damit der nächste freie Roller per Smartphone gefunden werden kann, braucht er einen Ortungschip. Dieser kommt in aller Regel von U-Blox. «Wir sind bei allen grossen Anbietern drin», sagt U-Blox-Chef Thomas Seiler. Das Geschäft habe sich international gut entwickelt.

Noch liege der Anteil am Umsatz bei ein paar Prozenten, sagt Seiler. «Aber das Geschäft ist sehr schön wachsend.» In wie vielen Rollern genau U-Blox-Chips stecken, kann er zwar nicht sagen – der Markt sei noch zu jung, meint er, exakte Zahlen lägen noch keine vor. Grob abschätzen lasse es sich trotzdem: «Es geht in die Hunderttausende.»

Nach Unfällen und zunehmendem Ärger von Fussgängern werden die E-Trottis in einigen Städten indes zunehmend kritisch gesehen. In Paris und in Mailand etwa gibt es Probleme, auch in Zürich wurden bereits Rufe nach Verboten laut. Was also, wenn der Hype vorbeigeht? «Beim E-Scooter bin ich nicht so pessimistisch», sagt der U-Blox-CEO.

«Grundsätzlich passen die Anbieter auf ihre Roller auf, denn diese sind teuer.»

Ausserdem sei das Konzept sinnvoll. An ein Ende des Booms glaubt Seiler nicht, im Gegenteil: «Der Markt für E-Scooter kommt jetzt erst in die Wachstumsphase.»

Wirtschaftlicher Gegenwind

Für U-Blox kommt der Boom gerade zur rechten Zeit, denn das Unternehmen hat ein hartes Jahr hinter sich. Im Sommer 2018 stand die Aktie noch bei über 200 Franken, heute ist noch ein gutes Drittel davon übrig geblieben. Trotzdem wirkt Seiler, der ein Ingenieurdiplom der ETH Zürich und eines in Energietechnik der ETH Lausanne sein Eigen nennt, entspannt, wenn er über die Geschäftsentwicklung spricht.

Trotz Gewinnwarnung, die er anlässlich der enttäuschenden Halbjahreszahlen im August und vor allem wegen der eingetrübten Aussichten auf die zweite Hälfte ausgeben musste.

Der Grund für die relative Gelassenheit: U-Blox kämpft weniger mit sich selbst als mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Es gebe eben Zeiten, in denen nicht alles für einen laufe, meint Seiler. «Wir haben eine starke Wachstumsphase gehabt über zehn Jahre.» Allerdings sei man davor, nach der Finanzkrise 2008/2009, auch aus einer schwierigen Phase gekommen.

«Mich erinnert die Zeit heute sehr an diese Phase, als plötzlich die Voraussetzungen für Wachstum nicht mehr so gegeben waren.»

Konkret hat der Chiphersteller mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China zu kämpfen. «Wir haben die Auswirkungen der politischen Spannungen schon sehr früh zu spüren bekommen.» Die Massnahmen der USA haben in China Wirkung hinterlassen – ein wichtiger Kunde sei sogar ganz lahmgelegt worden, sagt Seiler.

Und dann brach auch noch ein wichtiges Standbein weg: In China stattete U-Blox Leihvelos mit GPS-Chips aus. Als irgendwann so viele dieser Fahrräder in den Städten verteilt waren, dass sie die Trottoirs verstopften, beendete Peking deren Ausbreitung. Das Geschäft kam zum Erliegen.

Die Folge: Während U-Blox zu Spitzenzeiten über ein Drittel des Umsatzes in China machte, ist es heute noch rund ein Viertel. Trotzdem setzt das Unternehmen weiter auf den chinesischen Markt – im ersten Halbjahr 2019 ging es wieder aufwärts, der Zuwachs betrug 14 Prozent.

Handelsstreit, Spannungen in Hongkong, der Brexit: So hart das Umfeld für Technologiefirmen derzeit ist, stehen Megatrends wie das «Internet der Dinge» oder autonomes Fahren doch gerade erst am Anfang. In wenigen Jahren, rechnet Seiler vor, würden zwei Milliarden vernetzter Industriegeräte im Umlauf sein. Sie alle seien auf drahtlose Kommunikation angewiesen. Gute Aussichten für den Thalwiler Chip-Spezialisten.

Auf eines möchte Seiler jedoch verzichten: mit Smartphone-Giganten wie Apple zusammenzuarbeiten. Auf diese müsse man sich als Zulieferer ganz einlassen – oder es komplett sein lassen, um sich nicht abhängig zu machen. U-Blox habe viele kleinere Kunden, und dabei solle es auch bleiben, sagt Seiler.

«Selbst wenn Apple anklopfen würde – wir würden Nein sagen.»

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