Schweiz
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Was ich wirklich denke

Ein Manager erklärt, wie er damit umgeht, wenn er Angestellte entlassen muss

Franco K. musste vor allem wegen Umstrukturierungen Angestellte entlassen. Bild: AP

watson



Was ist «Was ich wirklich denke»?

Wir gestehen: Bei der Idee für «Was ich wirklich denke» haben wir uns schamlos beim Guardian-Blog «What I'm really thinking» bedient. Wir mussten fast, denn die Idee dahinter passt wie die Faust aufs Auge zu unserem alten Claim «news unfucked». Es geht darum, Menschen, Experten, Betroffene anonym zu einem Thema zu Wort kommen zu lassen, ohne dass diese dabei Repressalien befürchten müssen. Roh und ungefiltert. Und wenn du dich selber als Betroffener zu einem bestimmten Thema äussern willst, dann melde dich bitte unter wasichdenke@watson.ch.

Die Namen unserer Gesprächspartner sind frei erfunden.

Das erste Mal war am schlimmsten. Ich musste jemanden entlassen, an den ich glaubte. Er war 20 Jahre älter und doppelt so lange im Unternehmen wie ich. Er schied wegen «Überzähligkeit» aus – seine Leistungen aber waren exzellent.

Man muss unterscheiden: Entlassungen wegen mangelnden Leistungen sind einfach. Müssen wir hingegen jemanden wegen Umstrukturierungen gehen lassen, dann tut das weh.

Die grösste Anspannung bei Entlassungen hat man in den Stunden zuvor. Ich verspüre eine gewisse Nervosität. Wie wird der oder die Betroffene reagieren? Ich mache mir Gedanken zur Wortwahl und was ich auf gewisse Reaktionen entgegnen werde.

Während des Gesprächs bin ich immer so offen und ehrlich wie möglich. Dieses Klima pflege ich in meinem Team. Ich versuche nichts zu verbergen. Die Betroffenen sind zwar selten mit mir einig, aber sie kennen danach meine Position, sofern ich diese voll und ganz ausbreiten kann. Manchmal stehen hinter Personalentscheidungen globale Strategien, die geheim bleiben müssen.

Ich bereite mich auf alle möglichen Reaktionen vor: Tränen, Wut, Aggression, Stille – die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Es kann vorkommen, dass das Gegenüber zu Beginn einen gefassten und ruhigen Eindruck hinterlässt und erst viel später dafür umso heftiger reagiert. Mit Telefonterror zum Beispiel. Oder Drohungen per Mail.

«Ich versuche, die Emotionen aus dem Spiel zu lassen.»

Eine Entlassung ist ein Schock, ein enormer Impact im Leben – nicht nur für eine Person. Hinter den Angestellten befinden sich Familien, Kinder, welche in vielen Fällen auf das Einkommen der betroffenen Person angewiesen sind. Werden Kinder auf Weihnachtsgeschenke verzichten müssen? Wie viele Male ist diese Person, die gerade vor einem sitzt, am Morgen aufgestanden, um danach loyal und mit Hingabe für die Firma zu arbeiten?

Während des Gesprächs schalte ich solche Gedanken aus. Es ist zwar nicht immer möglich, aber ich versuche, die Emotionen aus dem Spiel zu lassen.

Bei den Angestellten bin ich aber froh, wenn sie es umgekehrt handhaben. Sie sollen ihren Gefühlen möglichst freien Lauf lassen. Damit beginnt der sehr wichtige Verarbeitungsprozess. Es ist gesünder, gleich eine Reaktion zu zeigen, als alles in sich hinein zu fressen und unter Umständen später zu explodieren.

«Veränderungen sind schwierig. Forcierte Veränderungen noch schwieriger.»

Bei solchen Gesprächen ist immer auch jemand vom HR (Anm. d. Red.: Human Resources / Personalabteilung) dabei. Reagiert eine betroffene Person extrem, dann passiert das bei uns quasi «in einer geschützten Umgebung». Kritisch wird es erst später. Einmal verbarrikadierte sich eine Person in der Toilette. Das sind die wirklich unangenehmen Situationen. Einmal rief mich einer nachts an und das Gespräch entwickelte sich in eine Richtung, dass ich die Polizei zum ihm nach Hause schicken musste.

Ich offeriere meinen Leuten jeweils, dass sie mich während den nächsten 24 Stunden jederzeit anrufen können, um sich am Telefon auszuheulen oder mich anzuschreien. Das bin ich ihnen schuldig. Nicht alle nutzen das Angebot, aber einige. Die meisten sind verärgert, wollen weiterführende Erklärungen. Andere sind aggressiv, betrunken oder beides. Es kann vorkommen, dass die Leute mit dem Job auch gleich ihre Lebensfreude verlieren. Es kann vorkommen, dass man für solche Leute Hilfe organisieren muss.

Veränderungen sind schwierig. Forcierte Veränderungen noch schwieriger. In meinem Beruf habe ich es aber mit gut ausgebildeten, intelligenten Leuten zu tun. Und die stehen in der Regel mit beiden Füssen auf dem Boden.

Nach einem Entlassungsgespräch bin ich erschöpft. Im letzten Jahr entliess ich innerhalb von vier Tagen 17 Leute – in fünf verschiedenen Ländern. Du kommst im Konzern an, entlässt drei Leute, steigst ins Taxi zum Flughafen, fliegst in eine andere Stadt. Dort wiederholt sich sich der Prozess. Nach solchen Tagen lege ich mich am Abend im Hotel nur noch ins Bett, bestelle  einen Hamburger und eine Flasche Wein und schaue Reality-TV.

Nach einem Entlassungsgespräch bin ich aber auch immer erleichtert. Ich bin für das P&L-Management verantwortlich [Anm. d. Red.: Profit & Loss / die Gewinn- und Verlustrechnung]. Eine Entlassung bedeutet für mich meist auch, dass ich meinen Zielvorgaben näher gekommen bin. Erreiche ich diese nicht, kann ich die Rentabilität nicht mehr gewährleisten. Und dann werde ich entlassen.

«Wir leben in einer brutalen Gesellschaft.»

Der Konzern, für den ich arbeite, ist keine Non-Profit-Organisation. Ich arbeite in einer weltweit hart umkämpften Branche. Das Einzige was zählt, ist der Aktienpreis, der Shareholde-Value, wie viel Geld Investoren verdienen können.

Kümmern sich die Shareholder um die Angestellten? Kümmern sie sich ums Produkt? Oder die Kunden? Sie behaupten es. Aber das sind Fake News.

In Tat und Wahrheit ist denen das alles – entschuldigen sie den Ausdruck – scheissegal. Das einzige, worum sich Shareholder kümmern, ist die Rendite. Produkte, Angestellte, Kunden sind in ihren Augen nur Werkzeuge. Wird ein Werkzeug nicht mehr gebraucht, wird es entsorgt. Wir leben in einer brutalen Gesellschaft.

Das Paradoxe ist, dass Angestellte und Kunden in der Regel eine langfristige Beziehung mit einem Konzern suchen. Verträge lassen sich nicht von heute auf morgen terminieren. Die Exit-Option des Shareholders ist hingegen omnipräsent. Er kann seine Beteiligung fast jederzeit  und sofort verkaufen. 

Was mich in letzter Zeit beunruhigt, ist die Tendenz, dass Personalplanungen kurzfristigen Trends unterworfen werden. Auf ein etwas schlechteres Quartal folgen gleich radikale Veränderungen, nur um im nächsten Quartal ein bisschen besser dazustehen. Hire and fire. Verschiedene Länder in Europa versuchen mit Gesetzen im Arbeitsrecht diesem Trend entgegenzuhalten. Sie wollen verhindern, dass die Konzerne zu viele «Contractors», temporäre Mitarbeiter, verpflichten.

«Ich arbeite mit intelligenten Leuten. Sie sind sich der Situation bewusst, in der wir uns befinden.»

Temporäre Mitarbeiter ermöglichen es, den Personalbestand flexibel zu gestalten. Ich selber würde manchmal gerne vermehrt auf temporäre Mitarbeiter zurückgreifen. Andererseits verstehe ich die Bemühungen, «hiring and firing» zu verhindern.

Wir durchlaufen gerade einen riesigen Reorganisationsprozess. Knapp 30 Prozent der mir unterstellten 400-500 Leute sind davon betroffen. Ich arbeite mit intelligenten Leuten – sie sind sich der Situation bewusst, in der wir uns befinden.

In den letzten 10 Jahren musste ich ungefähr 100 Entlassungsgespräche selber führen – Entlassungen sind zwar ein unangenehmer, aber nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Es wäre vermessen zu sagen, dass ich besonders gut darin bin, aber ich versuche der betroffenen Person mit dem grösstmöglichen Respekt zu begegnen. In meinen Augen sind Angestellte keine Werkzeuge. Es sind Menschen.

Ich versuche die Leute so zu verabschieden, wie ich mir das von meinem Vorgesetzten wünschen würde: mit demselben Respekt, demselben Support, derselben Ehrlichkeit. Ja, vielleicht müsste ich manchmal mehr Mitgefühl haben. Aber das Umfeld, in dem ich arbeite, hat sicher auch bei mir seine Spuren hinterlassen.

(Aufgezeichnet von watson)

Spielregeln:

Kommentare sind wie immer sehr erwünscht. Kommentare, welche die Identität des Protagonisten zu entlarven versuchen, werden allerdings nicht freigeschaltet.

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64Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Effersone 29.04.2017 14:17
    Highlight Highlight Jeder kann im Kapitalismus reich werden, aber nicht alle.
  • P.Kiesel 29.04.2017 07:20
    Highlight Highlight Und wer sind u.a. auch die Investoren?
    Unsere Pensionskassen, denen wir monatlich Beiträge bezahlen und von denen wir dann eines Tages (hoffentlich) die Pension kriegen......
  • Silas89 29.04.2017 00:54
    Highlight Highlight Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

    Damit will ich sagen, dass man sich bei Entlassungen, die man moralisch nicht vertreten kann, einfach weigern sollte.
    • Baba 29.04.2017 09:42
      Highlight Highlight Und da kommt die eigene Haut ins Spiel, die einem am nächsten ist. Wohl nur wenige haben so bewundernswert viel Rückgrat, dass sie für Dritte ihren Job, ihr Prestige aufs Spiel setzen. Wenn er sich weigert, Menschen zu kündigen, wird wohl ziemlich schnell ihm gekündigt. Offenbar überwiegen für ihn die Vorteile seines Jobs.

      Ich frage mich aber, was für eine Firma Mitarbeiter mit 'exzellentem Leistungsausweis' entlässt? Das muss man sich auch leisten können. Aber wie Beispiel CS zeigt, muss das Management für markanten Wertzerfall ja keine Verantwortung übernehmen. Au contraire 😕
    • Einstürzende_Altbauten * 29.04.2017 11:25
      Highlight Highlight eigentlich:

      "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin - dann kommt der Krieg zu Euch! Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

      Bertolt Brecht (1898 - 1956)
    • Baba 29.04.2017 12:32
      Highlight Highlight @Einstürzend Altbauten: Zweimal falsch:

      A) "Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin" heisst im Original "Sometimes they'll give a war and nobody came" und ist nicht von Brecht, sondern von Carl Sandberg aus seinem 1936 veröffentlichen Gedichtband "The People, Yes!"

      B) der Zusatz "dann kommt der Krieg zu Euch" ist weder von Sandberg noch von Brecht, sondern wohl von einem unbekannten Gegner der Friedensbewegung.

      Erst ab "Wer zuhause bleibt..." ist der Text von Brecht aus der "Koloman Wallisch Kantate"

      Finito klugscheissen - schönes Wochenende 😊
    Weitere Antworten anzeigen
  • Don Alejandro 28.04.2017 21:11
    Highlight Highlight Wir haben es selbst so gewollt. Gehen wir das nächste Mal wählen...
    • destin 28.04.2017 21:59
      Highlight Highlight Und was bzw. wen wählen Sie?
    • Don Alejandro 29.04.2017 08:22
      Highlight Highlight Alle Parteien die den unregulierten freien Markt angöttern gehören wohl nicht dazu. Ein bìsschen Phantasie bitte.
  • pamayer 28.04.2017 19:37
    Highlight Highlight Mir kommt der Film UP IN THE SKY mit Clooney in den Sinn: jettet einsam durch die Welt und muss Leuten ihre Entlassung bekannt geben.
    Offensichtlich entspricht dieser Film voll der Realität.
    • Baba 28.04.2017 21:44
      Highlight Highlight Genau an diesen Film musste ich auch denken und habe mit Erschütterung festgestellt, wie klein der Fiktionsanteil ist...
    • pamayer 28.04.2017 23:14
      Highlight Highlight Genau: erschüttert, dass es so ist.

      Mitte/Ende 80er Jahre erfuhren wir vom sogenannten Weissbuch (glaube, es heisst so), welches davon handelt, wie die Wirtschaft die Welt quasi übernehmen wird.
      Tatcher war schon fleißig daran, England zu privatisieren.
      Genau so ist es rausgekommen: wer hat, dem wird gegeben.
      Der Rest der Welt ist nicht der Rede wert.
  • Christof1978 28.04.2017 16:05
    Highlight Highlight Erschreckend. Und jeder muss das Spiel mitspielen, um nicht selber Teil der forcierten Veränderung zu sein. Das ewige Streben nach Leistung und Rendite wird irgendwann mal den Untergang der Menschheit bedeuten.
    • bokl 28.04.2017 18:40
      Highlight Highlight Niemand muss das Spiel mitspielen. Aber jeder will halt auch ein möglichst grosses Teil vom Kuchen. Das System funktioniert nur, weil jeder glaubt er könne sich einen (wenn auch noch so kleinen) Vorteil erschaffen.
      Eine gleichmässige Verteilung des Wohlstands auf alle Weltenbürger würde nicht nur den Superreichen weh tun, sondern auch der Durchschnittseuropäer müsste mit weniger auskommen. Aber genau wie der Superreiche, will er natürlich auf nichts verzichten ...
  • dorfne 28.04.2017 15:34
    Highlight Highlight Angestellte sind für die CEOs nichts anderes als ein Kostenfaktor und ein notwendiges Übel, das es zu eliminieren gilt. Wenn diese Herren und wenigen Damen unter sich sind, prahlen sie untereinander wieviele Leute sie jetzt wieder abgebaut haben. Und prahlen damit, dass sie keinen Einzigen Ü60 mehr in ihrem Betrieb haben. Aus beruflichen Gründen, weiss ich wovon ich rede, ich habs selbst öfter mitanhören müssen. Sicher gibt es noch Kleinbetriebe und Patrons alter Schule, denen es um den Menschen geht. Aber die sterben aus.
    • pamayer 28.04.2017 19:30
      Highlight Highlight Also spätestens ab 60 Langzeitarbeitslos bzw Sozialfall. Riesenscheisse.
  • G. 28.04.2017 15:33
    Highlight Highlight Seltsamerweise wird bei Reorganisationen, Kosteneinsparungen immer auf der untersten Mitarbeiterstufe gespart.

    Noch seltsamerweise wird die Investition in Weiterentwicklung des Miatarbeiters ebenfalls auf der untersten Mitarbeiterstufe regelrecht abgewürgt.

    z.B. Arbeitsmarkt Informatik: Es fehlen ca. 30'000 Leute mit einer höheren Fachausbildung oder Fachhochschule.

    Am einen Tag werden unsere Leute entlassen, am nächsten Tag wird das Knowledge im Ausland eingekauft zu einem wesemtlich höheren Preis als der interne Mitarbeiter kostet oder seine Weiterentwicklung....
    • bokl 28.04.2017 18:42
      Highlight Highlight Es fehlen nicht 30'000 Informatiker. Es fehlen nur 30'000 Informatiker, die bereit sind für den Lohn einer Putzfrau zu arbeiten.
  • Firefly 28.04.2017 15:07
    Highlight Highlight Reorganisierung, Ich kann es nicht mehr hören. Alle zwei Jahre oder alle Jahre wechselt sich die Manager-, CEO- Bürolistenkaste aus reorganisiert alles, egal obs jetzt was bringt oder nicht, denn ihre Bürokratenarbeit muss ja irgendwie gerechtfertigt werden, und wenn sie merken, dass es nicht gut kommt, ziehen sie weiter zur nächsten Reorganisation. Das ist ein einziger Bürokratischer Overhad den es eigentlich nicht braucht und der nur Geld vom Unternehmen abschöpft und Shareholders glücklich macht. Nach vier fünf Zyklen ist das Untenehmen am Boden und meldet Konkurs.
  • Madison Pierce 28.04.2017 15:04
    Highlight Highlight Unter anderem deshalb würde ich nicht in einer Grossfirma arbeiten. Kleinere Betriebe werden meist vom Inhaber geführt und der muss nicht jedes Quartal bessere Zahlen vorlegen.

    Schlussendlich ist das vielleicht sogar wirtschaftlich besser: Einem alkoholabhängigen Mitarbeiter den Entzug zu ermöglichen ist zwar ein Aufwand, dafür haben alle anderen Mitarbeiter im Team mehr Motivation, weil sie merken, dass sie als Menschen geschätzt sind. Kann ja nicht sein, dass man quasi immer auf dem Sprung ist. So könnte ich nicht arbeiten. (Weiterbildung ist natürlich trotzdem nicht falsch.)
  • Denk nach 28.04.2017 14:28
    Highlight Highlight "Ja, vielleicht müsste ich manchmal mehr Mitgefühl haben. Aber das Umfeld, in dem ich arbeite, hat sicher auch bei mir seine Spuren hinterlassen."

    Ich frage mich was den Menschen noch von der Maschine unterscheidet, wenn man das Mitgefühl verliert...

    Ist ein solches Leben lebenswert? In einer solchen Leistungsgesellschaft?
    • Ueli der Knecht 28.04.2017 15:20
      Highlight Highlight Ohne mich. Ich bin dann mal weg...
    • Asmodeus 28.04.2017 15:33
      Highlight Highlight Aber irgendwie musst Du halt Geld verdienen.

      Die Drogen und die Prostituierten und die schnellen Autos mit denen Du die Leere in Dir füllst, müssen ja irgendwie bezahlt werden.
  • Posersalami 28.04.2017 14:28
    Highlight Highlight "Das Einzige was zählt, ist der Aktienpreis, der Shareholde-Value, wie viel Geld Investoren verdienen können."

    Und genau dass ist DAS Problem auf unserer Welt. Es steht der Lösung zahlloser dringender Probleme vor der Sonne. Dabei ist das ja noch nicht einmal im Kapitalismus ein in Stein gemeisselter Grundsatz..
  • Normi 28.04.2017 14:05
    Highlight Highlight darum nie einen Arbeitgeber vertrauen...

    immer fortbilden und nach geeigneten stellen schauen
    • zombie woof 28.04.2017 14:29
      Highlight Highlight Aber der Arbeitgeber soll dann dir vertrauen?
    • Maragia 28.04.2017 14:35
      Highlight Highlight klar, man will dauern nach geeigneten stellen schauen, über 50 jahre hinweg, täglich...
  • Asmodeus 28.04.2017 13:58
    Highlight Highlight Und dann wundern sich die Leute, dass wir das Vertrauen in die Wirtschaft und die Politik (die eh nur Huren der Wirtschaft sind) verlieren.
  • kettcar #lina4weindoch 28.04.2017 13:52
    Highlight Highlight Mein "erstes Mal" war hart, weil ich beim Entscheid übersteuert wurde und es schwierig war, zu begründen wieso er jetzt gehen muss. Ich hatte feuchte Augen, keine feste Stimme mehr. Ich finde es noch schlimmer als aufgrund von Umstrukturierungen, wenn man jemanden entlassen muss, weil jemand noch höher in der Hierarchie aus dem Bauch heraus entscheidet, dass ihm dieser oder jener Mitarbeiter nicht mehr passt. Auch wenn von einem verlangt wird, dass man in so einer Situation Verantwortung übernimmt und den Schwarzen Peter nicht weiterschiebt, deklariere ich inzwischen klar, wer entschieden hat.
    • kettcar #lina4weindoch 28.04.2017 18:54
      Highlight Highlight Rendel: es kommt stark auf die Situation an. Mein letztes Mal war eine Kündigung aufgrund schlechter Leistung, schlechtem Verhalten und keiner Aussicht auf Besserung trotz mehreren Gesprächen. Da hatte ich keine feuchten Augen. Nicht mal ein bisschen.
  • Donald 28.04.2017 13:46
    Highlight Highlight Deshalb sollte man sie nie zu fest integriert fühlen und identifizieren. Es ist kein Freundeskreis. Es ist der Arbeitsplatz und der funktioniert nur solange eine Win-Win-Situation da ist.
  • Ökonometriker 28.04.2017 13:39
    Highlight Highlight Hoffe dass jeder, der dies liest, merkt: a
    ls Angestellter ist man eine Ressource.
    Das hat verschiedene Implikationen:
    - sparen, denn man kann jeder Zeit entlassen werden.
    - wenn man eine bessere Ressource wird darüber reden und mehr Lohn fordern.
    - so flexibel wie möglich bleiben.

    Und sich nie 'loyal' von einem Arbeitgeber abhängig machen, sondern möglichst Fähigkeiten aufbauen die breit gefragt sind. Die Loyalität wäre einseitig.
  • S.Leutenegger 28.04.2017 13:26
    Highlight Highlight In meiner Berufsverbands-Tätigkeit berate, begleite und betreue ich auch Menschen, die entlassen wurden. Was Entlasser oft nicht sehen, sind die Spuren der tiefen Verletzung, die entlassene Menschen Wochen oder Monate später immer noch in sich tragen. Nach der Entlassung müssen sie schnell funktionieren: Den Stellenmarkt abchecken, Bewerbungen schreiben, sich beim RAV anmelden, Weiterbildungen planen und während der Kündigungsfrist die gewohnte Topleistung erbringen. Für die Verarbeitung von Schmerz, Wut, Trauer und Leere bleibt keine Zeit. Das kann Menschen auch für lange Zeit krank machen.
    • Mbatatart 28.04.2017 15:13
      Highlight Highlight Die Frage dann ist :wen interessierts wie as diesen menschen innerlich geht? Ja genau das, niemand.
      Bei mir in der Arbeit war das mal so, jemand wurde gekündigt. Niemand hat sich mal gefragt warum, niemand hat mit ihm danach darüber gesprochen, obwohl wir mit ihm davor viel zu tun gehabt haben. Nach eine Weile war er denn nicht mehr in der Arbeit und wir machten einfach so weiter, als ob es ihm bei uns in der Firma niemals gegeben hätte.
      Was macht er jetzt? Wo ist er? Arbeitet er wieder? Lebt er noch? Weißt doch niemand wenn es niemand interessiert.
      Tja, so ist es in der Berufswelt.
  • Theor 28.04.2017 13:00
    Highlight Highlight Man muss sein ganzes Leben lang dagegen ankämpfen, dass einem sowas nicht passiert. Immer weiter lernen, immer wichtiger werden. Wer sich einmal in einem vorerst bequemen Nest ausruht, kann 5 Jahre später hart davon überrollt werden.

    Ist das fair? Nein, bei weitem nicht. Beim Leben geht es um so viel mehr als nur wie Lemminge zu arbeiten. Aber die Anforderungen werden immer höher, dass bald gar nichts mehr anderes übrig bleibt.
  • MaxHeiri 28.04.2017 12:51
    Highlight Highlight Darum an alle die bei grossen Konzernen arbeiten, die Leute so anonym behandeln. Immer eine Exit Option im Auge behalten dies heisst Weiterbildungen machen um für ähnliche Job attraktiv zu sein oder eine Start up Idee weiterentwicklen. Zusätzlich Geld anlegen um nicht gerade in finanzielöe Not zu gelangen.
    • Normi 28.04.2017 14:05
      Highlight Highlight gilt auch für KMU's
  • Harald Schmidt 28.04.2017 12:50
    Highlight Highlight Sehr interessant!
    Zu diesem Thema kann ich den Film "Up in the air" mit George Clooney, wärmstens empfehlen!
    http://m.imdb.com/title/tt1193138
    • Donald 28.04.2017 13:43
      Highlight Highlight Wobei man sagen muss, dass die Story des Films vermutlich eher unrealistisch ist :)
    • User01 28.04.2017 14:11
      Highlight Highlight Ein wirklich sehr guter Film. "Ich denke in Schubladen, das geht schneller"
  • Winschdi 28.04.2017 12:50
    Highlight Highlight Da hätte ich schon lange den Job gewechselt....
    • ChiliForever 28.04.2017 13:49
      Highlight Highlight Wenn du daber einen verantwortungsvollen Job haben willst gehört auch die Personalverantwortung dazu. Das eine geht leider meist nicht ohne das andere.
      Wem das zu viel ist, der muß sich einen Job an der Kasse eines Supermarktes suchen. Dann hat man aber ein Problem: Man entscheidet nicht mehr selbst (da man am Ende der "Nahrungskette" ist) sondern nur noch andere über einen.
    • Ueli der Knecht 28.04.2017 14:30
      Highlight Highlight Wenn Menschen unter der Rubrik «Profit&Loss» systematisch nur noch wie Waren, Maschinen und Wegwerfartikel behandelt werden, dann scheint es mir sogar unverantwortlich, den Job nicht zu wechseln, und stattdessen seine Menschen verachtende Arbeit mit dem Gejammer bei watson noch rechtfertigen zu wollen, um sowas wie Empathie vorzugaukeln, aber alle Verantwortung und die Schuld einem nicht greifbaren Shareholer-Value oder der Rendite in die Schuhe zu schieben.
      Mit Gin zum Frühstück geht das (http://www.watson.ch/!755852579).
    • ChiliForever 28.04.2017 18:57
      Highlight Highlight Das kann man dem Grunde nach natürlich so beurteilen.
      Andererseits ist mir ein Personaler, der sich Gedanken über die von ihm zu Kündigenden macht doch deutlich lieber als jemand, den das gefühlstechnisch komplett kalt läßt.
      Ob's dann noch im Einzelfall nachvollziehbar oder tatsächlich nur noch "hire & fire" ist, ist dann ein anderes Thema, aber vielleicht auch ohne Details etwas zu kompliziert zu diskutieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Elpolloloco 28.04.2017 12:41
    Highlight Highlight Ich finde es schwierig, anhand des Job-Title "Senior Manager" zu erfassen, auf welcher Hierarchiestufe sich Franco bewegt.
    Es drängt sich bei mir der Gedanke auf, dass das Gespräch mit der vertrauten Führungsperson, dem direkten Vorgesetzten (ich nehme an, es handelt sich nicht nur um Entlassungen auf Kaderstufe), einfacher wäre. Der Mitarbeiter hat eher eine Beziehung zu ihr/ihm aufgebaut.
    Was ich ebenso sehe: Ehrlichkeit ist wichtig. Das mindeste, was ich als meinem Gegenüber in dieser Situation entgegenbringe - natürlich nicht übermässig brutal, aber auch nicht schöngeredet.
  • X23 28.04.2017 12:40
    Highlight Highlight Immerhin nennt der Interviewpartner das Kind beim Namen:

    "In Tat und Wahrheit ist denen das alles – entschuldigen sie den Ausdruck – scheissegal. Das einzige, worum sich Shareholder kümmern, ist die Rendite"

    Aber nach aussen immer schön "Firmenwerte" vertreten.
    • Alnothur 28.04.2017 14:07
      Highlight Highlight Shareholder != die, die für die Firma verantwortlich sind.
    • X23 28.04.2017 14:20
      Highlight Highlight Ich meinte eher, dass, egal bei welcher Firma, dieselbe 0815-Onboardingpräsi gehalten wird, wie wichtig die Werte sind, was nach aussen kommuniziert werden soll usw usf. Aber im Endeffekt sind diese Bemühungen nicht nur bedeutungslos, sondern auch fragwürdig.
      Wieso soll ich meinen Mitarbeitern vorschreiben, wie sie sich zu motivieren haben? Intrinische Motivation taugt um Weiter mehr um gute und motivierte Arbeiter "zu schaffen".

      Aber solche Tatsachen, sind, und bleiben ein Grund wieso kaum jemand in einer grossen Firma sich nach max. 3 Monaten noch mit den Werten identifizieren kann.
    • Ueli der Knecht 28.04.2017 14:49
      Highlight Highlight Er nennt nicht das Kind beim Namen sondern schiebt nur seine Eigenverantwortung ab, um seine unverantwortliche Arbeit rechtfertigen zu wollen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Verantwortungsdiffusion). Der Name des Kindes wäre Franco K.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Calvin Whatison 28.04.2017 12:31
    Highlight Highlight Der Mensch bringt sich um seiner selbst. 😔
  • Maett 28.04.2017 12:25
    Highlight Highlight Entlassungen sind scheisse. Nachdem ich das erste Mal jemand entlassen hatte (im Auftrag der Firma aus strategischen Gründen, die mir damals nicht bekannt waren), habe ich den ganzen Abend lang geheult.

    Das ist eines der wenigen Dinge im Leben, die mir Tränen in die Augen treiben. Menschen aus einem stabilen Umfeld, für welches sie sich oft loyal und mit Hingabe eingesetzt haben, reissen zu müssen.

    Dennoch verstehe ich, dass alternative Arbeitsmodelle auch keine Bereicherung sind. Entlassungen sind oftmals Chancen, die viele packen. Aber einige dann eben auch nicht und das macht traurig.
  • Gavi 28.04.2017 12:21
    Highlight Highlight Das Leben ist Physik!
    Was man aussendet kommt zurück, so einfach ist das!
    Auch wenn er mit Engelszungen redet und scheinheilig tut, irgendwann kommt sein Handeln auf ihn zurück.
    Ich hoffe für ihn, dass er dann den Zusammenhang erkennt.
    • Blutgrätscher 28.04.2017 12:43
      Highlight Highlight Ich muss leider widersprechen:
      Wenn das ausgesendete wirklich zurückkommen würde, hätte Monaco keine Lebenserwartung von 90 und Idi Amin wäre nicht als alter Mann in einer Villa gestorben.

      Das Leben ist halt nicht fair.
    • Lauwärmer 28.04.2017 13:26
      Highlight Highlight LOLA-Prinzip :-)
    • ChiliForever 28.04.2017 13:57
      Highlight Highlight @Gavi: Sorry, aber in Ihren Worten steckt mehr Scheinheiligkeit als in denen von Franco.
      Der macht erst mal seinen Job. Und Teil des Jobs sind auch Personalentscheidungen. Er schreibt ja selbst, daß es für Kündigungen viele Gründe geben kann. Aber er nimmt die Verantwortung zumindest an, Sie hingegen verdammen mit Ihren Worten etwas, daß manchmal schlicht notwendig ist. Ihre Aussage ist so scheinheilig wie heuchlerisch.

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