Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Du wirst kaum erraten, wer das Schlagwort «Asylchaos» erfunden hat – die Politiker warens nicht



Bild

In der aktuellen Kontroverse um die zunehmende Zahl von eritreischen Asylsuchenden und deren Unterbringung in den Kantonen und Gemeinden, fällt öfter der Begriff «Asylchaos». Diesen hat nicht etwa die SVP erfunden, die derzeit mit dem Begriff Wahlkampf betreibt, sondern der «Blick». 

Die allererste Nennung des Begriffs in der Schweizer Mediendatenbank stammt in der Schreibweise «Asyl-Chaos» aus einer Blick-Schlagzeile vom September 1990. Ausser der Boulevard-Zeitung benutzte das Schlagwort allerdings die ganzen 90er-Jahre hindurch fast niemand, in den 10er-Jahren erschien es nicht einmal mehr im «Blick». 

Wiederbelebt hat das «Asylchaos» vor drei Jahren der heutige Präsident der FDP, Philipp Müller. In einem Positionspapier vom Juni 2012 mit dem Titel «Massnahmenpaket Asylchaos stoppen!», verlangte die FDP unter Federführung ihres Migrationsspezialisten Müller eine Einschränkung der Sozialhilfe für junge, männliche Asylbewerber. Diese sollten künftig nur noch eine erweiterte Nothilfe mit Pflicht zur Arbeitsleistung erhalten. Kurz zuvor hatte die Berner Polizistin und SVP-Nationalrätin Nadja Pieren den Begriff in einer Ratsdebatte benutzt. 

2013 und 2014 dümpelte das «Asylchaos» dann im öffentlichen Diskurs mit um die 30 Nennungen pro Jahr dahin. Bis im Mai dieses Jahres. Während das «Asylchaos» im ganzen Jahr 2014 nur 15 Mal den Weg in die Schweizer Medien fand, stand es im Rahmen des beginnenden Wahlkampfes 2015 alleine im Mai 13 Mal in den Zeitungen. Im Juli bereits 55 Mal. Und der Trend zeigt weiter nach oben. 

Dass kein «Asylchaos» besteht, wie folgende Aufstellung der eingereichten Asylgesuche seit 1991 zeigt, tut da nichts zur Sache: 

Entwicklung der Asylgesuche in der Schweiz seit 1990

grafik: watson

Gejagte Flüchtlinge in Calais

(thi)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Margi Noser 08.08.2015 13:38
    Highlight Highlight Philip Müller bzw. die FDP und CVP sind genau so wenig wählbar wie die menschenverachtende SVP. Schon klar hatte es unter Blocher weniger Asylgesuche, wenn er diese einfach schubladisiert hat.

    https://hanspeter.stalder.ch/dossiers/leserbriefe/alt-bundesrat-blocher-schubladisierte-asylgesuche
    Benutzer Bild
  • teton 07.08.2015 21:57
    Highlight Highlight SVP-Nationalrätin Nadja Pieren ist nicht Polizistin, Polizistin ist SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler.
  • klugundweise 07.08.2015 20:09
    Highlight Highlight Und wenn einer in 10 Jahren fragt: den Begriff "Hetze der rechtsbürgelichen Popolisten" habe ich nicht erfunden ....
    • P hilip 07.08.2015 20:47
      Highlight Highlight Du hast da einen Schreibfehler... Moment... Sehr elegant! ;)
    • purzelifyable 08.08.2015 13:20
      Highlight Highlight hm, weiss nicht ob das wirklich ein Schreibfehler ist. "Popolisten" scheint mir äusserst passend...
    • klugundweise 08.08.2015 14:11
      Highlight Highlight Ehrlich gesagt: ein echter freudscher Verschreiber .... und trotzdem ein Volltreffer.
  • Hackphresse 07.08.2015 16:19
    Highlight Highlight Irgendwie versteh ichs nicht. Wenn die Asylanten herkommen und arbeiten heissts sie nehmen den Schweizern die Jobs weg. Wenn sie kommen und nich arbeiten dürfen heissts sie sind faul. Wenn sie kommen und schwarz arbeiten sind sie kriminell und integrationsunfähig. Zu tun gibts doch genug! Und kommen tun sie sowieso ob legal oder nicht.
    Langsam habe ich das gefühl die Schweiz ist faul geworden. 😒
    • caoimhin22 07.08.2015 17:38
      Highlight Highlight Da stimme ich dir zu. Ist ähnlich wie bei der KESB, welche gleichzeitig zu harsch (Trimbach) und lasch (Staad) sei. Hauptsache es gibt einen Sündenbock...

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, wir müssen reden ...»

Sollte die Schweizer Stimmbevölkerung die Beschaffung neuer Kampfjets Ende September auch im zweiten Anlauf ablehnen, wäre das gut für die Schweiz. Sie könnte dann die längst überfällige sicherheitspolitische General-Debatte führen.

Liebe Frau Amherd

Herzliche Gratulation zu den jüngsten «Polls», wie man in Amerika sagen würde. 58 Prozent der Stimmberechtigten gedenken laut einer Tamedia-Umfrage, den Kredit für die Kampfflugzeuge mit «Ja» oder «Eher Ja» anzunehmen.

Aber wie sagt man so schön? «It's not over, until it's over», und solche Abstimmungsbarometer wirken ja eher mobilisierend auf das Lager, das gerade im Rückstand ist.

Für Sie hoffe ich natürlich, dass Sie Ihr erstes grosses Geschäft als Verteidigungsministerin …

Artikel lesen
Link zum Artikel