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Polizeieinsatz im Januar 2017 an der Neufrankengasse. Die als «Gammelhäuser» in die Schlagzeilen geratenen Liegenschaften waren da noch immer bewohnt.
Polizeieinsatz im Januar 2017 an der Neufrankengasse. Die als «Gammelhäuser» in die Schlagzeilen geratenen Liegenschaften waren da noch immer bewohnt. Bild: KEYSTONE

Der Vermieter der Zürcher «Gammelhäuser» steht heute vor Gericht

01.07.2020, 06:4601.07.2020, 06:47

Weil er heruntergekommene Mini-Wohnungen für mehr als 1000 Franken pro Monat an Randständige vermietete, muss sich am Mittwoch ein 53-jähriger Immobilienbesitzer und Unternehmensberater vor Gericht verantworten. Ihm drohen eine bedingte Freiheitsstrafe und hohe finanzielle Forderungen.

Die drei Liegenschaften im Langstrassenquartier sorgten 2015 schweizweit für Schlagzeilen und erhielten den Übernamen «Gammelhäuser».

Für die kleine, spärlich ausgestattete Einzimmerwohnungen in schlechtem Zustand verlangte der 53-jährige Schweizer über 1000 Franken Monatsmiete. Zu den Mietern gehörten sozial Schwache und Randständige. In etlichen Fällen wurde die Miete vom Sozialamt bezahlt. Die Monatsmieten bewegten sich im Bereich des Maximums, welches das Sozialamt zu zahlen bereit ist.

Gewerbsmässiger Wucher lautet der schwerwiegendste Vorwurf, der dem mittlerweile 53-jährigen Schweizer vorgeworfen wird.

Hohe Rückforderungen

Für den Unternehmensberater beantragt die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Hinzu kommen diverse finanzielle Forderungen, so etwa Schadenersatz für die geprellten Mieterinnen und Mieter, Untersuchungs- und Verfahrenskosten sowie die Einziehung von zu Unrecht erzielten Gewinnen.

Gedeckt werden sollen die Ansprüche durch fast 1.3 Millionen Franken des Beschuldigten, die 2015 beschlagnahmt wurden. Der Anteil der überhöhten Mieteinnahmen beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 750'000 Franken für den Zeitraum von August 2012 bis Oktober 2015.

Mieter zu Zahlungen genötigt

Die meist bar einkassierten Mieten wurden mit teils unzimperlichen Methoden eingefordert, was dem Beschuldigten zusätzlich den Vorwurf der Nötigung einbrachte. Eine gängige Methode war laut Anklageschrift, säumigen Mieterinnnen und Mietern den Austausch des Türschlosses anzudrohen, falls die Forderung nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt beglichen werde.

Der Liegenschaftenbesitzer ist nicht der einzige Beschuldigte in dem Verfahren. Ebenfalls angeklagt sind eine frühere Verwalterin sowie ein früherer Hauswart. Für sie fordert die Staatsanwaltschaft ebenfalls Freiheitsstrafen auf Bewährung.

Die Stadt Zürich hat die «Gammelhäuser» 2017 erworben und mittlerweile umfassend saniert.

(dsc/sda)

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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insert_brain_here
01.07.2020 09:08registriert Oktober 2019
Das, liebe SVP-Wähler, ist Betrug am Sozialwesen der hart bestraft gehört, nicht die alleinerziehende Mutter die nebenbei noch schwarz putzen geht damit die Kinder auch mal etwas Schönes haben dürfen.
Die Praxis sich überzogene Mieten für verwahrloste Wohnungen vom Sozialamt bezahlen zu lassen ist zudem weit verbreitet, der Typ hier hat einfach so masslos übertrieben, dass der Fall in die Medien gelangte.
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Dragonlord
01.07.2020 08:46registriert Juli 2016
Bitte hart und fair bestrafen. Solch üble Menschen dürfen nicht unbestraft durchs Leben gehen. Sie scheren sich einen Dreck um andere Menschen und die Gesellschaft und sehen nur den eigenen Profit.
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She-Ra
01.07.2020 11:56registriert Juni 2019
Als Immobilienbewirtschafterin schäme ich mich für solche "Berufskollegen"! Das geht gar nicht!
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