Schweiz
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ARCHIVBILD ZUM AUFKAUF DER GAMMELHAEUSER AN DER NEUFRANKENGASSE UND MAGNUSSTRASSE DURCH DIE STADT ZUERICH, AM FREITAG, 3. FEBRUAR 2017 - Polizeieinsatz vor zwei Haeusern an der Zuercher Neufrankengasse am Mittwoch, 4. Januar 2017. Die als

Polizeieinsatz im Januar 2017 an der Neufrankengasse. Die als «Gammelhäuser» in die Schlagzeilen geratenen Liegenschaften waren da noch immer bewohnt. Bild: KEYSTONE

Der Vermieter der Zürcher «Gammelhäuser» steht heute vor Gericht



Weil er heruntergekommene Mini-Wohnungen für mehr als 1000 Franken pro Monat an Randständige vermietete, muss sich am Mittwoch ein 53-jähriger Immobilienbesitzer und Unternehmensberater vor Gericht verantworten. Ihm drohen eine bedingte Freiheitsstrafe und hohe finanzielle Forderungen.

Die drei Liegenschaften im Langstrassenquartier sorgten 2015 schweizweit für Schlagzeilen und erhielten den Übernamen «Gammelhäuser».

Für die kleine, spärlich ausgestattete Einzimmerwohnungen in schlechtem Zustand verlangte der 53-jährige Schweizer über 1000 Franken Monatsmiete. Zu den Mietern gehörten sozial Schwache und Randständige. In etlichen Fällen wurde die Miete vom Sozialamt bezahlt. Die Monatsmieten bewegten sich im Bereich des Maximums, welches das Sozialamt zu zahlen bereit ist.

Gewerbsmässiger Wucher lautet der schwerwiegendste Vorwurf, der dem mittlerweile 53-jährigen Schweizer vorgeworfen wird.

Hohe Rückforderungen

Für den Unternehmensberater beantragt die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Hinzu kommen diverse finanzielle Forderungen, so etwa Schadenersatz für die geprellten Mieterinnen und Mieter, Untersuchungs- und Verfahrenskosten sowie die Einziehung von zu Unrecht erzielten Gewinnen.

Gedeckt werden sollen die Ansprüche durch fast 1.3 Millionen Franken des Beschuldigten, die 2015 beschlagnahmt wurden. Der Anteil der überhöhten Mieteinnahmen beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 750'000 Franken für den Zeitraum von August 2012 bis Oktober 2015.

Mieter zu Zahlungen genötigt

Die meist bar einkassierten Mieten wurden mit teils unzimperlichen Methoden eingefordert, was dem Beschuldigten zusätzlich den Vorwurf der Nötigung einbrachte. Eine gängige Methode war laut Anklageschrift, säumigen Mieterinnnen und Mietern den Austausch des Türschlosses anzudrohen, falls die Forderung nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt beglichen werde.

Der Liegenschaftenbesitzer ist nicht der einzige Beschuldigte in dem Verfahren. Ebenfalls angeklagt sind eine frühere Verwalterin sowie ein früherer Hauswart. Für sie fordert die Staatsanwaltschaft ebenfalls Freiheitsstrafen auf Bewährung.

Die Stadt Zürich hat die «Gammelhäuser» 2017 erworben und mittlerweile umfassend saniert.

(dsc/sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Citizen321 01.07.2020 13:09
    Highlight Highlight Solche Machenschaften gehen nicht und gehören massiv bestraft!

    Aber: das versch***ene WC auf dem Titelbild kann wohl nicht dem Vermieter angelastet werden, oder?
    • insert_brain_here 01.07.2020 16:40
      Highlight Highlight Beim Bild steht Etagentoilette, also ist es durchaus in der Verantwortung des Vermieters diese in einem benutzbaren Zustand zu halten. Und wenn regelmässig das Wasser nicht funktioniert wird das mit dem Spülen auch schwierig.
  • Demetria 01.07.2020 12:59
    Highlight Highlight Komisch, ich dachte immer das wäre normal und politisch gewollt. Als ich noch in Bern lebte hatte meine Wohnung weder Heizung noch warm Wasser. Die Toilette auf der Laube gefror manchmal im Winter, dann kackten wir in einen Eimer. Staubsaugen konnte man nicht, weil dann der Strom überlastet war. Besser als die Nachbarn: die hatten seit Jahren eine Plastikplane auf dem faulenden Dach. Das Beste aber waren aber die braven Bünzlis die sagten wir lügen, sich dann aber weigerten vorbei zu kommen um es zu sehen. Was man nicht sieht existiert nicht. Die Schweiz: ein Land wie ein Eimer im Januar.
  • Wunderplunder 01.07.2020 11:56
    Highlight Highlight Als Immobilienbewirtschafterin schäme ich mich für solche "Berufskollegen"! Das geht gar nicht!
  • insert_brain_here 01.07.2020 09:08
    Highlight Highlight Das, liebe SVP-Wähler, ist Betrug am Sozialwesen der hart bestraft gehört, nicht die alleinerziehende Mutter die nebenbei noch schwarz putzen geht damit die Kinder auch mal etwas Schönes haben dürfen.
    Die Praxis sich überzogene Mieten für verwahrloste Wohnungen vom Sozialamt bezahlen zu lassen ist zudem weit verbreitet, der Typ hier hat einfach so masslos übertrieben, dass der Fall in die Medien gelangte.
    • wasylon 01.07.2020 11:00
      Highlight Highlight @ Brain

      Beides ist Betrug. Auf Erwebseinkommen gibt es gemäss Skos Richtlinien einen Freibetrag von 400 bis 700 Franken pro Monat.
    • Pafeld 01.07.2020 12:17
      Highlight Highlight Wäre nicht das erste mal in den letzten Wochen, dass aus "Wucher an der Gesellschaft" plötzlich "beeindruckender Geschäftssinn" wird.
  • Dragonlord 01.07.2020 08:46
    Highlight Highlight Bitte hart und fair bestrafen. Solch üble Menschen dürfen nicht unbestraft durchs Leben gehen. Sie scheren sich einen Dreck um andere Menschen und die Gesellschaft und sehen nur den eigenen Profit.
    • ikbcse (ehem.: weachauimmo) 01.07.2020 09:09
      Highlight Highlight Dass ich DAS noch erleben darf: 82 Herzen und null Blitze unter dem ersten und bislang einzigen Kommentar auf Watson.
  • Klarname 01.07.2020 08:24
    Highlight Highlight Wäre schön, wenn in weniger heruntergekommenen Mietshäusern auch mal rigoros gegen den Wucher vorgegangen würde....
  • MaskedGaijin 01.07.2020 08:01
    Highlight Highlight "Für den Unternehmensberater beantragt die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten." Bedingt... Gibt es in der Schweiz überhaupt noch unbedingte Strafen?
  • ingmarbergman 01.07.2020 07:54
    Highlight Highlight Hört auf mit Gefängnisstrafe für Leute, die keine Gefahr für die Gesellschaft sind!

    Bedingt ist sie eine leere Drohung und unbedingt kostet sie den Steuerzahlen Unsummen.

    Viel wichtiger ist, dass dieser Typ eine so hohe Busse zahlen muss, dass sein Lebenlang alles Geld bis aufs Existenzminimum gepfändet wird. So lernt er selbst kennen wie es ist, am anderen Ende der Gesellschaft zu leben.
  • swisskiss 01.07.2020 07:29
    Highlight Highlight Kriminelle Energie, Rücksichtslosigkeit, Geldgier? Und sowas stellt man vor Gericht?
    Komisch, in anderen Ländern werden solche Imobilienunternehmer zum Präsidenten gewählt.

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