Schweiz
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13. AHV-Rente soll Leben im Alter verbessern – Volksinitiative lanciert



Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert mit einer Volksinitiative eine 13. AHV-Rente. Besonders problematisch sei die Rentensituation der Frauen.

Die zusätzliche Rente soll Rentner helfen. Bild: DPA

Ein Zuschlag im Umfang einer 13. AHV-Rente soll im Alter ein besseres Leben ermöglichen. Mit diesem Ziel hat eine breite Allianz unter Führung der Gewerkschaften eine Volksinitiative lanciert, die am Donnerstag in Bern vorgestellt wurde.

Die AHV-Renten reichten heute nicht zum Leben und verlören stetig an Wert, hiess es an einer Medienkonferenz in Bern. Gleichzeitig würden auch die Renten aus der Zweiten Säule immer schneller sinken und dies, obwohl die Beiträge der Berufstätigen in die Pensionskassen einen Höchststand erreicht hätten.

Die Volksinitiative für ein besseres Leben im Alter (Volksinitiative für eine 13. AHV-Rente) verlangt eine Änderung der Bundesverfassung. Bezügerinnen und Bezüger einer Altersrente sollen künftig Anspruch erhalten auf einen Zuschlag im Umfang einer 13. Monatsrente.

13.-AHV-Rente: Gute Idee?

Im Gesetz soll geregelt werden, dass der jährliche Zuschlag weder zu einer Reduktion der Ergänzungsleistungen noch zum Verlust des Anspruchs auf diese Leistungen führt. Der Anspruch auf den Zuschlag soll spätestens mit Beginn des zweiten Kalenderjahres nach Annahme der Initiative erfolgen.

Rückstand der Frauen

Besonders problematisch sei der Rentenrückstand der Frauen. Die AHV stärken heisse die Gleichstellung stärken, wird die grüne Nationalrätin Léonore Porchet (VD) in der Mitteilung zitiert. Sie fordert im Jahr nach dem Frauenstreik konkrete Verbesserungen.

Für SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi (SG) ist die Solidarität in der AHV nicht nur zwischen hohen und tiefen Einkommen einzigartig, sondern auch zwischen den Geschlechtern: Denn nur in der AHV sei die unbezahlte Familien- und Pflegearbeit rentenbildend.

Es sei ein Skandal, dass Frauen im Jahr 2020 noch immer deutlich tiefere Renten hätten als Männer. Über ein Drittel aller Frauen erhalte im Alter gar keine Renten aus der Zweiten Säule. Und selbst wenn Frauen eine Pensionskasse hätten, seien ihre Pensionskassenrenten durchschnittlich nur halb so hoch wie jene der Männer, weil ihre Lebensläufe durch Erwerbsunterbrüche, Teilzeitarbeit und tiefere Löhne geprägt seien.

In der AHV hingegen seien die Männer- und Frauenrenten ähnlich hoch, weil dort auch die Betreuung von Kindern und Angehörigen als Arbeit anerkannt werde und zu höheren AHV-Renten führe. Nur die AHV schaffe diese Gleichstellung.

Unia-Präsidentin Vania Alleva fordert deshalb die 13. AHV-Rente als Schritt in Richtung mehr soziale Sicherheit und Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Eine 13. AHV-Rente käme besonders jenen zu Gute, die heute auch im Alter benachteiligt würden: Den Arbeitnehmenden in Tieflohnbranchen und insbesondere den Frauen.

Gegen Privatisierung der Altersvorsorge

SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard will mit der Initiative auch «die drohende Privatisierung der Altersvorsorge» abwehren. Die Banken und Versicherten redeten die AHV schlecht, um möglichst viele Produkte der Dritten Säule zu verkaufen.

«Die Altersvorsorge steht am Scheideweg: Setzt sich die schleichende Privatisierung durch, oder wollen wir die Solidarität stärken?», fragte Maillard. Die bürgerlichen Parteien stellten die Interessen der Vorsorge-Industrie vor die Interessen der Normalverdienenden.

In der Schweiz gebe es aber genug Geld für anständige Renten, zum Beispiel dank einer Zusatzfinanzierung aus den exorbitant hohen Nationalbank-Überschüssen. Mit der 13. AHV-Rente solle ausserdem der bereits erfolgte Zerfall der Pensionskassenrenten ausgeglichen werden, sagte der Präsident des Verkehrspersonalverbandes SEV, Giorgio Tuti.

Seniorenrat steht hinter der Initiative

Hinter der Volksinitiative steht auch der Schweizerische Seniorenrat (SSR). Er hat an der Delegiertenversammlung vom 21. Februar die Unterstützung des Volksbegehrens beschlossen. Renten hätten den Existenzbedarf zu decken; das habe das Schweizer Volk in die Bundesverfassung geschrieben.

Die Realität sei aber eine andere. Die Hälfte aller Menschen, die 2017 in Pension gegangen seien, hätten mit einer Monatsrente aus AHV und Pensionskasse von weniger als 3600 Franken auskommen müssen. Jede fünfte Person im Pensionsalter, oder 350'000 ältere Menschen, lebten in der Schweiz in Armut oder seien von Armut bedroht.

Mehr Informationen gibt es hier

(aeg/sda)

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gunthar 06.03.2020 16:41
    Highlight Highlight Eigentlich ist das eine sehr gute Idee. Doch genau diejenigen, die es am Nötigsten hätten (alle EL-Bezüger), hätten ausser mehr Steuern überhaupt nichts davon. Das müsste so angepasst werden, dass die Aufstockung bei der EL nicht angerechnet wird und dass die AHV/IV von der Steuer befreit wird. Auch IV-Rentner sollten einen 13. erhalten
  • Holunderblütensirup 06.03.2020 10:56
    Highlight Highlight Die AHV wird und wurde schon immer schlecht geredet. Aber sie funktioniert. Das Problem ist niemand profitiert von der AHV, ausser den Rentner und Rentnerinnen, weshalb die Politik es auf keinen Fall stärken will. Rentenaltererhöhung kann man mit dem Argument der Gleichstellung von Mann und Frau und der "steigenden Lebenserwartung" sehr gut verkaufen, ändert aber nix an der Tatsache.
  • Turicum04 05.03.2020 21:55
    Highlight Highlight Die AHV kämpft bereits in der heutigen Form ums Überleben. Wie soll der 13. noch finanziert werden?

    Die AHV kann man nur retten, wenn man nur noch eine Rente an Bedürftige auszahlt. So wie bei vielen anderen Sozialversicherungen: Wer Vermögen hat, soll keinen Anspruch auf AHV mehr haben!
  • Uglyman 05.03.2020 18:04
    Highlight Highlight Bevor über eine 13. Rente diskutiert wird, soll die Verheirateten Strafe abgeschaffen werden.
    Heute erhalten Ehepaare nur eine reduzierte AHV. Unverheiratete erhalten beide eine volle Einzelrente.
    Das sind mehr als 7000 Fr. Im Jahr.
  • Atavar 05.03.2020 14:15
    Highlight Highlight Schwieriges Thema - wer mag schon einem Mitbürger, der nicht mehr im Erwerbsalter ist, einen angenehmen Lebensabend verwehren?

    Eine Mehrbelastung der Arbeitnehmer wird aber an der Urne höchstwahrscheinlich (und mMn auch zu Recht) eine Abfuhr kassieren.

    Was wären die weiteren Möglichkeiten? Cannabis legalisieren & besteuern? Kapitalertragssteuer anpassen? Erbschaftssteuer? Unternehmenssteuer?
    Finanzierungstechnisch bläst dieser Initiative ein eisiger Wind entgegen...

    PS: natürlich könnte man auch an anderen Punkten Einsparungen durchsetzen. Auch dieses Geheule wird gross sein.
    • Bosshard Matthias 05.03.2020 17:17
      Highlight Highlight Erbschaft sind schon mal besteuert worden hört mal auf mit Doppelbesteuerungen das ist eine Sauerei. Manch Familie Erbt z.b. nur ein Generationen Haus und muss verkaufen um Steuern zu bezahlen auf etwas das schon Mehrfach! besteuert wurde
  • DieserNicknamewirdschonverwendet 05.03.2020 13:36
    Highlight Highlight Ich habe Mühe damit, da ich täglich sehe, dass viele Pensionierte nicht gerade wenig ausbezahlt erhalten. Ich finde nur diejenigen, welche es nötig haben, sollen mehr erhalten wie bisher schon via EL.
    Aber sicher nicht die AHV für Rentner mit netto 11'000.00 pro Monat die sanierungsbedürftige AHV erhöhen. Zudem sollte nicht alles den Jungen aufgebürdet werden sonst kollabiert das System bald einmal...Mit der Babyboomergeneration, welche aktuell ins Rentenalter kommt/bzw. ist, mache ich mir ernsthafte Sorgen über die Finanzierung...
  • Nora Flückiger 05.03.2020 13:26
    Highlight Highlight An alle jüngeren.
    Bezahlt sobald ihr könnt in die 3.Säule ein, dies ist der wichtigste Schritt um im Alter nicht zu verarmen!
  • Pupser 05.03.2020 13:18
    Highlight Highlight Wieso nur die AHV Renten? Die IV Renten reichen auch nicht zum leben.
  • RETO1 05.03.2020 12:33
    Highlight Highlight Einverstanden, aber zuerst das AHV-Alter auf 70 anheben
    • RETO1 06.03.2020 09:30
      Highlight Highlight Sexworker
  • Jeremy Liquidpsy 05.03.2020 12:20
    Highlight Highlight Ich bin jetzt noch keine 30 Jahre alt aber habe die Hoffnung in die AHV schon länger aufgegeben.. Da kümmere ich mich lieber selber um eine anständige Altervorsorge.
  • kusel 05.03.2020 12:00
    Highlight Highlight Man sollte Pensionierte von der Einkommenssteuer befreien.
    • Echt jetzt? 05.03.2020 12:26
      Highlight Highlight und die Heiratsstrafe endlich abschaffen! Schon wieder kein Wort davon...
    • dan2016 05.03.2020 14:20
      Highlight Highlight stimmt, man sollte generell nur die mit Steuern belasten, die wirklich dafür arbeiten. Lottogewinner, professionelle Söhne und Töchter, reiche alte Hausbesitzer, welche eine Pension erhalten sollten gefälltigst steuerbefreit sein.
    • ands 05.03.2020 17:50
      Highlight Highlight Weshalb? Wer wenig Geld bekommt, bezahlt jetzt bereits kaum Steuern. Wer viel Geld bekommt, kann sich die Steuern leisten.
  • Ökonometriker 05.03.2020 11:50
    Highlight Highlight Es gäbe auch die Möglichkeit einer sinnvolleren Privatisierung der Vorsorge: statt vermehrt 3. Säule einfach bei der 2. Säule den Koordinationsabzug abschaffen und das BVG so anpassen, dass die Kassen für junge Versicherte besser investieren dürfen.
  • Rethinking 05.03.2020 11:17
    Highlight Highlight Auf AHV müssen Steuern bezahlt werden...

    Eine 13. AHV Rente macht keinen Sinn. Genauso gut kann man in den 12 Monaten einfach mehr bezahlen...

    Doch auch das ist irgendwie irrsinnig. Man bezahlt mehr AHV und verlangt danach Steuern dafür...

    Wennschon sollte man die Steuern auf die AHV senken oder ganz streichen...
    • loree_n 05.03.2020 11:33
      Highlight Highlight Find ich auch voll der Witz dass man auf die AHV Steuern zahlt.. !

    • soulpower 05.03.2020 11:47
      Highlight Highlight @wolge: wenn schon sollte man das eine tun und das andere nicht lassen...und eine 13. AHV Rente macht durchaus Sinne. Vielleicht nicht für alle...die Reichen brauchen das nicht.
    • THEOne 05.03.2020 12:23
      Highlight Highlight zumal du sie beim einzahlen schon versteuert hast. merkst du was?
    Weitere Antworten anzeigen
  • banda69 05.03.2020 11:10
    Highlight Highlight "Die Hälfte aller Menschen, die 2017 in Pension gegangen seien, hätten mit einer Monatsrente aus AHV und Pensionskasse von weniger als 3600 Franken auskommen müssen. Jede fünfte Person im Pensionsalter, oder 350'000 ältere Menschen, lebten in der Schweiz in Armut oder seien von Armut bedroht."

    Wetten die selbst ernannte "Partei des Volkes" ist aus Kostengründen dagegen und schreit lauthals für Steuersenkungen für Reiche und Abzocker?
  • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 05.03.2020 11:06
    Highlight Highlight Endlich mal ein vernüftiger Vorschlag. Wenn das wirklich umgesetzt wird, hat vielleicht sogar das Absenken des Umwandlungssatzes eine Chance.
    • Rethinking 05.03.2020 11:19
      Highlight Highlight Ich fände es Sinnvoller die Steuern auf AHV zu senken oder ganz zu streichen...
    • Glaedr 05.03.2020 12:33
      Highlight Highlight Da gehen wohl die Meinungen von vernünftig auseinander.
      Mehr Geld für die alten ist eine nette Idee aber ohne eine Lösung wie man das machen kann ist es kein vernünftiger Vorschlag.
      Das was wolge sagt ist ein vernünftiger Vorschlag.
      Leider vergessen die linken immer das man von irgendwo Geld braucht und sagen die linken nicht von wo sie es nehmen, übernehmen das die rechten.
      Die können dann das sagen was der Wähler am wenigsten möchte.
  • Fairness 05.03.2020 10:52
    Highlight Highlight Ein richtiger Schritt Richtung existenzsichernde AHV-Rente gemäss Verfassung. Diese wäre korrekt gerechnet mit früherer jahrelangen Teuerung inzwischen nämlich bei rund 3‘500.00.
    • Rethinking 05.03.2020 11:20
      Highlight Highlight Macht es Sinn mehr AHV-Rente zu zahlen, dafür dann aber weiterhin Einkommenssteuern zu erheben?

      Sinnvoller wäre es die Steuern zu reduzieren oder zu streichen
    • Rethinking 05.03.2020 15:54
      Highlight Highlight Da hast du Recht. Auf Vermögen und andere Einkommensquellen sollte weiterhin steuern gezahlt werden, nicht aber auf die AHV-Rente

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