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US-Präsident in Davos: Das WEF gibt auch zwei Trump-Gegnern eine Bühne

US-Präsident in Davos: Das WEF gibt auch zwei Trump-Gegnern eine Bühne

Donald Trump hat die beiden schillernden US-Amerikaner entlassen, doch das WEF wird ihnen in Davos eine Bühne geben. Eine Gratwanderung für die Veranstalter.
11.01.2026, 04:3411.01.2026, 04:34
Patrik Müller / ch media
epa11847804 US President Donald J. Trump appears on a screen as he addresses via videolink a plenary session during the 55th annual meeting of the World Economic Forum (WEF) in Davos, Switzerland, 23  ...
Donald Trump vergangenes Jahr am WEF. Wie es wohl dieses Jahr wird?Bild: keystone

Umschmeicheln und Bewunderung zeigen – dazu gibt es im Umgang mit Donald Trump kaum eine Alternative, wenn man bei ihm etwas erreichen will. Am WEF in Davos werden viele vor Trump in die Knie gehen, und er wird es geniessen.

Was aber ist mit Teilnehmern, die er als Feinde sieht?

Die Schlagzeile jüngst auf der Frontseite des «Blick» war riesig und schien plausibel: «Alles für den Auftritt des US-Präsidenten! WEF verbannt Trump-Kritiker». Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sei in Davos unerwünscht. Lädt die Organisation also politische Gegner des Präsidenten aus?

Täte sie das, müsste auch der Co-Präsident des Weltwirtschaftsforums zuhause bleiben: Roche-Erbe André Hoffmann hat den US-Präsidenten am letzten WEF als «alten, korrupten Mann» bezeichnet. Da war allerdings noch Klaus Schwab und nicht Hoffmann oberster Lenker des WEF. Seit er das ist, sind von ihm keine kritischen Aussagen mehr überliefert.

Andere aber, die in Davos einen grossen Auftritt haben, poltern wie eh und je gegen Trump. Zwei Männer nehmen in Davos gar einen Live-Podcast auf. So WEF-Stammgast David Rubenstein. Er wurde von Trump als Chef des John F. Kennedy Center in Washington entlassen, unter Absingen wüster Lieder. Rubenstein war von Joe Biden eingesetzt worden. Trump möchte – was grosse Proteste auslöste – das Kennedy Center umbenennen in «Trump Kennedy Center». Man darf gespannt sein, wie sich Rubenstein in Davos vernehmen lässt und ob es dort zu einer Begegnung mit dem Präsidenten kommt.

Gratwanderung für das WEF

Ebenfalls in Davos: Der Financier Anthony Scaramucci. Er wurde durch seine extrem kurze Amtszeit im Weissen Haus bekannt, als Trump zum ersten Mal Präsident war. Scaramucci war elf Tage lang sein Kommunikationsdirektor, bevor er wieder entlassen wurde. Seither tritt er gern in TV-Shows auf, in denen er Trump als unfähig, unberechenbar oder gefährlich bezeichnet. Auch Scaramucci wird in Davos einen Live-Podcast aufnehmen – und zwar am Tag von Trumps Rede am WEF.

Anthony Scaramucci, ehemaliger Kommunikationschef von US-Praesident Donald Trump, spricht am Swiss Economic Forum, SEF, am Donnerstag, 5. Juni 2025, in Interlaken. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Anthony Scaramucci arbeitete unter Trump – seither warnt er vor ihm.Bild: keystone

Das WEF teilt auf Anfrage mit, Rubenstein und Scaramucci hätten für ihre Podcasts keinerlei Restriktionen. Wenn sie wollen, können sie also über Trump herziehen. Für die Organisatoren, die sich «Inklusion» auf die Fahne schreiben, ist der Umgang mit Trump eine Gratwanderung.

Nicht ohne Ironie ist, wo die Amerikaner ihr Hauptquartier aufschlagen: In der evangelischen Kirche unweit des Kongresszentrums. Dort, vor der Kirche, führte 2019 eine gewisse Greta Thunberg ihren Streik durch. Die Zeiten haben sich geändert.

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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zwerg_
11.01.2026 07:19registriert Dezember 2022
unbedingt wichtig, dass auch Kritiker von Trump erscheinen (dürfen). Das gewährt immerhin den Anschein, dass man neutral sei. Wenn sich schon alles wieder einmal nur um ihn dreht, dann wenigstens auch mit echter Kritik.

Schlagzeilen würde das WEF dann vor allem machen, wenn sie den Mut hätten, Trump auszuladen...
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Squawk 7700
11.01.2026 08:16registriert Mai 2025
Glaube kaum, dass Trump etwas von diesen Kritikern mitbekommt. Der wird so abgeschottet und von Politikern und Managern umgarnt, dass es einfach nur eine Schleimspur hinter ihm gibt.
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N. Y. P.
11.01.2026 07:49registriert August 2018
1 Scaramucci = 11 Tage

Ach, wie hatten wir alle Spass, neuen Mitgliedern der Trump Regierung eine Verweildauer in Scaramuccis auszurechnen..

Das waren noch lustige Zeiten. Jetzt aber sind wir in ein finsteres Zeitalter eingetreten.
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