US-Präsident in Davos: Das WEF gibt auch zwei Trump-Gegnern eine Bühne
Umschmeicheln und Bewunderung zeigen – dazu gibt es im Umgang mit Donald Trump kaum eine Alternative, wenn man bei ihm etwas erreichen will. Am WEF in Davos werden viele vor Trump in die Knie gehen, und er wird es geniessen.
Was aber ist mit Teilnehmern, die er als Feinde sieht?
Die Schlagzeile jüngst auf der Frontseite des «Blick» war riesig und schien plausibel: «Alles für den Auftritt des US-Präsidenten! WEF verbannt Trump-Kritiker». Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sei in Davos unerwünscht. Lädt die Organisation also politische Gegner des Präsidenten aus?
Täte sie das, müsste auch der Co-Präsident des Weltwirtschaftsforums zuhause bleiben: Roche-Erbe André Hoffmann hat den US-Präsidenten am letzten WEF als «alten, korrupten Mann» bezeichnet. Da war allerdings noch Klaus Schwab und nicht Hoffmann oberster Lenker des WEF. Seit er das ist, sind von ihm keine kritischen Aussagen mehr überliefert.
Andere aber, die in Davos einen grossen Auftritt haben, poltern wie eh und je gegen Trump. Zwei Männer nehmen in Davos gar einen Live-Podcast auf. So WEF-Stammgast David Rubenstein. Er wurde von Trump als Chef des John F. Kennedy Center in Washington entlassen, unter Absingen wüster Lieder. Rubenstein war von Joe Biden eingesetzt worden. Trump möchte – was grosse Proteste auslöste – das Kennedy Center umbenennen in «Trump Kennedy Center». Man darf gespannt sein, wie sich Rubenstein in Davos vernehmen lässt und ob es dort zu einer Begegnung mit dem Präsidenten kommt.
Gratwanderung für das WEF
Ebenfalls in Davos: Der Financier Anthony Scaramucci. Er wurde durch seine extrem kurze Amtszeit im Weissen Haus bekannt, als Trump zum ersten Mal Präsident war. Scaramucci war elf Tage lang sein Kommunikationsdirektor, bevor er wieder entlassen wurde. Seither tritt er gern in TV-Shows auf, in denen er Trump als unfähig, unberechenbar oder gefährlich bezeichnet. Auch Scaramucci wird in Davos einen Live-Podcast aufnehmen – und zwar am Tag von Trumps Rede am WEF.
Das WEF teilt auf Anfrage mit, Rubenstein und Scaramucci hätten für ihre Podcasts keinerlei Restriktionen. Wenn sie wollen, können sie also über Trump herziehen. Für die Organisatoren, die sich «Inklusion» auf die Fahne schreiben, ist der Umgang mit Trump eine Gratwanderung.
Nicht ohne Ironie ist, wo die Amerikaner ihr Hauptquartier aufschlagen: In der evangelischen Kirche unweit des Kongresszentrums. Dort, vor der Kirche, führte 2019 eine gewisse Greta Thunberg ihren Streik durch. Die Zeiten haben sich geändert.
