Wirtschaft
Schweiz

In diesen Schweizer Job-Branchen gehen zahlreiche Stellen verloren

FILE - Empty desks are in an office building in the Manhattan borough of New York on Aug. 2, 2024. (AP Photo/Ted Shaffrey, file)
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Bei Banken und im IT-Sektor werden Stellen abgebaut. Dafür geht es im Gesundheitswesen nach oben. (Symbolbild)Bild: keystone

Der Job-Motor Schweiz lahmt: Hier gehen Tausende Stellen verloren

Neue Daten zeigen: Die Beschäftigungslage hat sich zuletzt in vielen Regionen verschlechtert. Das hat mit Zöllen und dem Aus der Credit Suisse zu tun – aber nicht nur.
08.06.2026, 07:3808.06.2026, 07:38

Das Jobwachstum in der Schweiz ist abgeflacht. Zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 kamen netto nur 13'850 Vollzeitstellen hinzu – der tiefste Wert seit fünf Jahren und der zweittiefste der vergangenen zehn Jahre. Was sind die Gründe?

Der Abbau bei der UBS

Das Bundesamt für Statistik (BFS) weist Beschäftigungszahlen nach Grossregionen aus. Darin sind mehrere Kantone zusammengefasst. Die Kantone Zürich und Tessin bilden je eine eigene Grossregion.

In Vollzeitstellen gerechnet war die Zahl der Beschäftigten in drei von sieben Grossregionen rückläufig: Espace Mittelland (Kantone Bern, Freiburg, Jura, Neuenburg und Solothurn), im Kanton Tessin und im Kanton Zürich. In letzterem wurde der stärkste Rückgang in absoluten Zahlen verzeichnet: Die Zahl der Vollzeitstellen ging um fast 6100 zurück auf knapp 870'000.

Ein Grossteil des Verlusts entfiel auf die Stadt Zürich mit einem Nettoverlust von 4400 Stellen innert Jahresfrist. Besonders heftig war das erste Quartal dieses Jahres: Dann resultierte in der grössten Gemeinde des Landes ein Abbau von 6000 Vollzeitstellen. Für andere Gemeinden stehen diese Zahlen nicht zur Verfügung. Die Stadt Zürich finanziert eine Spezialauswertung.

Die Zahlen relativieren sich, weil das Arbeitsplatzangebot in der Stadt zuvor überdurchschnittlich stark gewachsen war. Im Jahr 2023 vermeldete sie erstmals mehr Vollzeitstellen als alle sechs Zentralschweizer Kantone zusammen (Luzern, Nid- und Obwalden, Schwyz, Uri und Zug). Doch knapp drei Jahre nach dem Kollaps der Credit Suisse und ihrer Übernahme durch die UBS schlägt nun der Stellenabbau bei der letzten verbleibenden Grossbank durch. In den nächsten Wochen und Monaten dürfte er weitergehen. Ob er vom Ausbau in anderen Branchen kompensiert wird, ist fraglich.

Längerfristig wirkt dieser Einbruch nicht besonders dramatisch. Zwischen dem ersten Quartal 2016 und dem ersten Quartal 2026 wuchs die Zahl der Beschäftigten in der Stadt Zürich um 39,2 Prozent. Stärker war das Wachstum nur noch in der Genferseeregion (+43,5 Prozent).

Im Kanton Tessin und in der Grossregion Espace Mittelland dürften auch die US-Zölle mitschuldig am Verlust von Arbeitsplätzen sein. Diese schaden etwa der exportlastigen Maschinenindustrie. Hinzu kamen grössere Stellenabbauten bei einzelnen Firmen.

Welche Branchen leiden sonst besonders?

Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal fallen einige Branchen besonders auf. Erstmals seit 24 Jahren gab es im Sozialwesen (also etwa in der Jugendarbeit, Suchtberatung oder Flüchtlingsbetreuung) netto keine Zunahme der Jobs, sondern einen leichten Rückgang. Leicht abgebaut hat auch die Beherbergungs-Branche, also etwa Hotels. Die Branche der Information und Kommunikation, die in den vergangenen Jahren einen Boom erlebte, reduzierte ihren Personalbestand zum zweiten Mal in Folge. Ein Grund dafür sind Sparrunden bei Niederlassungen grosser US-Unternehmen wie Meta und Alphabet, aber auch die Auslagerung von Stellen in günstigere Länder, wie sie etwa die Swisscom betreibt. Nachdem in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 2025 ein neuer Rekordstand erreicht worden war, ging es seither – auch wegen des Abbaus bei der UBS – wieder in die andere Richtung.

Ungebremst wächst die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Seit 2024 zählt dieses mehr Vollzeitstellen als die Baubranche. Der Personalbestand dürfte wegen der Alterung der Gesellschaft und des steigenden Pflegebedarfs weiter zunehmen.

Die öffentliche Verwaltung beschäftigt ebenfalls immer mehr Menschen und hat 2025 die IT- und Kommunikationsbranche überholt. Nach oben zeigt die Linie auch im Bereich Erziehung und Unterricht – also etwa bei Lehrpersonen und Angestellten der Universitäten. Hier ist in Zukunft eher eine Abnahme zu erwarten. Seit 2021 sinkt die Zahl der 0- bis 4-jährigen Kinder in der Schweiz wegen der niedrigen Geburtenziffer Jahr für Jahr – eine Entwicklung, die nicht mehr durch die Zuwanderung kompensiert wird. In Zukunft dürfte es deshalb weniger Schulen brauchen.

Welche Kantone sind für Firmen attraktiv?

«Zürich verliert am meisten Firmen», betitelte die Wirtschaftsauskunft Crif kürzlich eine Analyse. Mehrere Medien nahmen die Meldung von der schwächelnden Wirtschaftsmetropole auf. Der Kanton Zürich habe im Jahr 2025 netto 252 Firmen an andere Kantone verloren. Für Bern weist Crif einen Verlust von 117 Firmen aus, für Obwalden einen von 55. Zu den Gewinnern zählen die Kantone Zug mit netto 68 hinzugezogenen Firmen, Solothurn mit 67 und Graubünden mit 66.

Diese Analyse berücksichtigt allerdings nur jene Firmen, die am 1. Januar im Handelsregister eingetragen waren, nicht aber Gründungen während des Jahres. Diese machen einen viel grösseren Teil aus. Im Kanton Zürich wurden beispielsweise vergangenes Jahr erstmals über 10'000 Firmen gegründet.

Das BFS stellt zur Zahl aller Unternehmen pro Kanton Daten bis und mit 2024 zur Verfügung. Im Zehnjahresvergleich zeigt sich ein überraschender Gewinner: Der Kanton Waadt konnte die Zahl der Firmen in absoluten Zahlen am stärksten steigern, nämlich um netto 10'375 (+23,0 Prozent) auf 55'534. An zweiter Stelle folgte der Kanton Zürich mit einem Plus von 9585 Unternehmen (+9,5 Prozent) auf 109'597, an dritter der Kanton Genf mit einer Zunahme von 6827 Firmen auf 40'638 (+20,2 Prozent). Der Kanton Genf hat damit den Kanton Aargau überholt.

Verloren hat im Zehnjahresvergleich nur ein einziger Kanton: In Appenzell Ausserrhoden wurden 2024 mit 3991 Firmen 34 weniger gezählt als noch 2014. Prozentual am schwächsten wuchsen in Sachen neue Firmen daneben die Kantone Graubünden (+4,1 Prozent), Nidwalden (+4,6 Prozent) und Obwalden (+5,1 Prozent). Zum Vergleich: Im Kanton Bern betrug das Wachstum 7,0 Prozent, in St. Gallen 7,5 Prozent, im Aargau 8,6 Prozent und in Basel-Stadt 10,9 Prozent. Überproportional zugelegt haben die Kantone Luzern (+14,8 Prozent), Zug (+16,4 Prozent) oder Wallis (+20,8 Prozent).

Wie entwickelt sich das BIP der Kantone?

Den grössten Anteil am Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) trug 2022 der Kanton Zürich mit 21 Prozent bei, wovon etwa die Hälfte in der Stadt Zürich erwirtschaftet wurde. Danach folgten die Kantone Bern mit 11 Prozent und Waadt mit 8 Prozent.

Die nächste Aktualisierung der Zahlen erfolgt im Oktober. Im langjährigen Vergleich sind die Anteile der Kantone aber erstaunlich stabil, und neuere Daten etwa aus Zürich deuten darauf hin, dass sich an der Aufteilung nicht viel geändert haben dürfte. (aargauerzeitung.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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Laborant
08.06.2026 08:15registriert November 2019
Die IT ist eine undankbare Branche. Wenn man gute Arbeit abliefert, ist die IT für den Rest der Firma unsichtbar. "Wozu bezahlen wir dafür eigentlich so viel?"
Wenn man schlechte Arbeit abliefert und deswegen entweder alles ausbremst oder das Opfer von Hackern wird: "Wozu bezahlen wir dafür eigentlich so viel?"

Dazu kommt, dass Mänätscher von Tech-Bros das Gefühl vermittelt bekommen, dass man das neuerdings mit KI erledigen könne. Kann man nicht, der AI-Slop in vielen Softwares wird einigen Firmen noch gehörig um die Ohren fliegen. Kein Mitleid mit denen.
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PD Dr.med.
08.06.2026 08:09registriert November 2022
Ein zentraler Punkt fehlt: die endlose Gier. Das
Verlagern ins billigere Ausland - kann man das irgendwie regulieren?
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goschi
08.06.2026 08:23registriert Januar 2014
Schade geht der Artikel nicht auf die Probleme der Industrie ein.
Wie generell der Fokus eng ist


Dass Verwaltung und soziales endlich nicht mehr antreiber des Wachstums sind ist aber ein positives Zeichen, das war nie eine gesunde Entwicklung.
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