Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Raquel aus Portugal, Mitte, und ihre Kollegen ernten Eisbergsalat auf einem Feld bei Ried bei Kerzers FR im Seeland. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Eisbergsalat-Ernte bei Kerzers FR: Nur die Hälfte der Nachfrage wird momentan gedeckt. Bild: KEYSTONE

Hitze und Trockenheit setzen dem Schweizer Gemüse zu: Die Eisbergsalat-Ernte schmilzt dahin



Vor einem Monat hat es zum letzten Mal flächig geregnet. Eine Hitzewelle jagt die nächste. Das merken die Gemüsebauern. Die Ernten fallen schwach aus. Besonders deutlich ist das beim Eisbergsalat. Hier ist die Ernte in den vergangenen zwei Wochen stark zurückgegangen.

In der vergangenen Woche haben Schweizer Bauern 460 Tonnen Eisbergsalat geerntet und auf den Markt gebracht. Das deckt nur etwas mehr als die Hälfte der Nachfrage. Bereits in der Woche davor, vom 6. bis zum 12. Juli, war die Eisbergsalat-Ernte mit 590 Tonnen schwach ausgefallen, wie Zahlen des Amtes für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern zeigen.

Eisbergsalat muss importiert werden

Es muss daher Eisbergsalat importiert werden, damit es in den Läden genug hat. 2014 war das anders: In den beiden gleichen Wochen wurden je über 700 Tonnen Eisbergsalat geerntet. Mit dieser Menge konnte die Nachfrage gedeckt werden.

Auch dem Blumenkohl wird die andauernde Hitze und Trockenheit zu viel: Bis zur zweiten Juliwoche konnten die Bauern wöchentlich noch über 200 Tonnen Blumenkohl ernten. In der vergangenen Woche ging die Menge dann auf 157 Tonnen zurück. Das deckt nur rund die Hälfte der Nachfrage. Der Rest muss importiert werden.

30 Tage Trockenheit

Dass das Gemüse leidet, erstaunt nicht: Am 22. Juni hat es in der Schweiz auf der Alpennordseite zum letzten Mal flächig geregnet, wie Ludwig Zgraggen von MeteoSchweiz der Nachrichtenagentur sda sagte. Seither gab es nur lokale Gewitter. Die aktuelle Trockenperiode dauert also schon fast einen Monat.

Ein Landwirt bewaessert sein Kartoffelfeld, am Donnerstag, 16. Juli 2015, in der Naehe von Burgdorf. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Felder in der Nähe von Burgdorf werden bewässert. Bild: KEYSTONE

«So etwas kommt sicher nicht alle Jahre vor, auch nicht alle zehn Jahre», sagte Zgraggen. Eine so lang anhaltende Trockenheit im Sommer habe es bestimmt seit 2003 nicht mehr gegeben. Normalerweise dauerten Trockenperioden zehn bis zwölf Tage.

Dazu kommt die Hitze: Seit Montag ist es in grossen Teilen der Romandie wieder extrem heiss. Das Naturgefahrenbulletin des Bundes zeigt für die Kantone Genf, Waadt, Wallis und die Gegend um Neuenburg eine «erhebliche Gefahr» an. Das entspricht der Gefahrenstufe drei von fünf.

Kartoffeln wachsen kaum

Im Tessin ist die Gefahr weiterhin «gross», was der Gefahrenstufe vier entspricht. Die neue Hitzewelle werde unterhalb von 600 Metern mehrere Tage dauern, teilte MeteoSchweiz mit.

Das dürfte insbesondere den Kartoffeln und Zuckerrüben zu schaffen machen: Kartoffeln wachsen ab 25 Grad kaum mehr, Zuckerrüben ab 30 Grad, wie Christian Bucher, Leiter der Fachstelle für Gemüsebau beim Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern, sagte.

Nicht so dramatisch wie im Hitzesommer 2003

Im Hitzesommer 2003 war die Lage für viele Bauern indes noch weit dramatischer. Damals schränkten mehrere Kantone über längere Zeit die Wasserentnahme aus Gewässern ein. Manche Flächen mussten brachgelegt werden, weil sie nicht bewässert werden konnten.

So schlimm ist es diesen Sommer noch nicht: Zwar ist im Kanton Freiburg seit Freitag die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern ebenfalls verboten. Dank mehreren Ausnahmen von dem Verbot können die meisten Gemüsebauern ihre Felder aber dennoch bewässern.

Auch mit Grundwasser darf weiterhin bewässert werden. Der Grundwasserspiegel ist nämlich noch nicht merklich abgesunken. «Dieser reagiert jeweils verzögert auf Trockenperioden», sagte Bucher. Zudem hat es im Juni teils heftig geregnet. Das liess den Grundwasserspiegel ansteigen. Zu Beginn der Trockenheit lag dieser daher höher als vor der Trockenheit im Hitzesommer 2003. (egg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Heikle Allianz: Cassis will Privatwirtschaft verstärkt für Entwicklungsarbeit einspannen

Bundesrat Ignazio Cassis strebt eine engere Verflechtung von Entwicklungszusammenarbeit und Privatwirtschaft an. Dabei kommen für den Bund auch Unternehmen wie Nestle, Tabakfirmen und Rohstoffkonzerne in Frage.

Nestle steht seit Jahren in der Kritik, Grundwasser auf eine solch vehemente Art und Weise zu fördern, dass den Menschen in den jeweiligen Regionen kein Trinkwasser mehr zur Verfügung steht. Internen Dokumenten zufolge, die dem Tages-Anzeiger vorliegen, ist der Bund eine strategische Partnerschaft mit Nestle eingegangen – ausgerechnet im Bereich Trinkwasser und Entwicklung.

Immer wieder sorgen Berichte über den Nahrungsmittelkonzern Nestle für Schlagzeilen. Besonders scharfer Kritik ausgesetzt …

Artikel lesen
Link zum Artikel