Schweiz
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epa08150982 Tidjane Thiam, CEO of Credit Suisse, addresses a panel session during the 50th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, 22 January 2020. The meeting brings together entrepreneurs, scientists, corporate and political leaders in Davos from January 21 to 24.  EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE

Bild: EPA

Im Machtkampf bei der CS unterstützen Grossaktionäre CEO Thiam



Als Reaktion auf die Medienspekulationen über einen möglicherweise anstehenden Machtwechsel bei der Grossbank Credit Suisse haben sich verschiedene Grossaktionäre zu Wort gemeldet. Sowohl der US-Fondsmanager Harris Associates als auch Silchester International Investors sprechen sich für den amtierenden Konzernchef Tidjane Thiam aus.

Sollte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner Thiam nicht weiterhin unterstützen können, solle er darüber nachdenken, seinen Posten vorzeitig zu verlassen, heisst es in einem Statement des britischen Grossaktionärs Silchester International Investors vom Mittwoch. Silchester hält nach eigenen Angaben 3.26 Prozent der Credit-Suisse-Anteile.

Rohner ist seit 2009 Verwaltungsratsmitglied der Grossbank und seit 2011 deren Präsident. Eigentlich müsste er spätestens zur Generalversammlung 2021 abtreten, da er dann die maximale Amtszeit von zwölf Jahren im Gremium erreicht hat.

Silchester sieht im Statement keinen Grund, warum Thiam nicht die volle Unterstützung von Rohner haben sollte und warum dieser nicht wie geplant 2021 in Pension gehen sollte.

Rohner unter Beschuss

Zuvor hatte sich bereits David Herro vom US-Fondsmanager Harris Associates erneut hinter Thiam gestellt. Der Vertreter des grössten CS-Aktionärs drohte Rohner mit der Abwahl, falls es an der operativen Spitze der Grossbank zum Führungswechsel kommen sollte, wie das Onlinewirtschaftsportal «The Market» in der Nacht auf Mittwoch schrieb.

Er verfolge die Berichterstattung in den Medien mit grosser Sorge, mahnte Herro demnach in einem Brief an den CS-Verwaltungsrat. Dieser datiert vom 3. Februar 2020 und liegt «The Market» vor. «Wir stellen fest, dass Herr Rohner offenbar versucht, Herrn Thiam aus seiner Position zu entfernen», sagte Herro zum Onlineportal. «Deshalb verlangen wir vom Verwaltungsrat, Urs Rohner mit sofortiger Wirkung zu ersetzen, wenn dieser nicht in der Lage ist, Tidjane Thiam als CEO öffentlich zu unterstützen.»

Aus dem Schreiben geht hervor, dass Harris Associates 8.42 Prozent der CS-Aktien hält. Bisher war ein Anteil von lediglich rund 5 Prozent bekannt. Das US-Fondshaus ist damit der mit Abstand grösste Einzelaktionär der Schweizer Grossbank, vor der Qatar Investment Authority (5.21%), dem Staatsfonds Norwegens (4.98%) und der Olayan Group aus Saudi-Arabien (4.93%).

Immer neue Spekulationen

Vergangene Woche hatte Bloomberg mit Bezug auf Kreise geschrieben, Rohner bereite eine Liste möglicher Nachfolger von Thiam vor. Gleichzeitig hätten Thiams Verbündete den Präsidenten gedrängt, im nächsten Jahr, wenn seine Amtszeit als Vorsitzender endet, planmässig abzutreten, so die Kreise.

Rohner selbst hat diesem Bericht vom vergangenen Freitag explizit widersprochen, wie ein CS-Sprecher auch gegenüber AWP bestätigte. Dieser habe keine sachliche Grundlage, hiess es dort.

Im September war bekanntgeworden, dass die Credit Suisse den früheren Top-Manager Iqbal Khan von Privatdetektiven beschatten liess. Eine Untersuchung ergab allerdings, dass der mittlerweile entlassene COO Pierre-Olivier Bouée in Eigenregie handelte. CEO Thiam soll nichts davon gewusst haben.

Seither berichten verschiedene Medien immer wieder über neue Details zur Affäre. Kurz vor Weihnachten flog auf, dass Personalchef Peter Goerke ebenfalls überwacht worden war. Auch soll Greenpeace ausspioniert worden sein, wie die «Sonntagszeitung» vergangenes Wochenende berichtete. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat mittlerweile gar eine Untersuchung eingeleitet.

Thiam ist seit Juli 2015 Chef der Credit Suisse. Er kam vom britischen Versicherer Prudential und wurde damit Nachfolger von Brady Dougan, der zuvor die zweitgrösste Schweizer Bank acht Jahr geleitet hatte. Insgesamt war der Amerikaner 25 Jahre für die CS tätig. (sda/awp)

Die CS-Chefs

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 06.02.2020 06:00
    Highlight Highlight Die CS ist schon lange keine Schweizer Unternehmung mehr, nicht gemerkt?
  • bebby 05.02.2020 20:08
    Highlight Highlight Wer bei der CS noch investiert ist, muss ja zwingend an den CEO glauben, sonst hätten sie längst verkauft.
  • solum 05.02.2020 18:19
    Highlight Highlight Klar sprechen sich die Grossaktionäre für Thiam aus. Alles andere wäre derzeit noch schädlicher für den Aktienkurs und damit dem Portemonnaie.
  • welluknow 05.02.2020 18:05
    Highlight Highlight Auch wenn man nix von Management und so versteht, so dürfte es dennoch praktisch jedem klar sein, dass Thiam nicht Probleme löst, sondern das Problem ist. Ich staune nur noch, dass die CS nicht erkennt, dass sie sich das eigentlich nicht leisten kann.
  • mukeleven 05.02.2020 17:13
    Highlight Highlight die CS scheint unter dem Diktat von ein paar angelsächsisch orientierten Hedge-Fonds Manager zu sein.
    offensichtlich haben die old-school finance boys (Gut und Kielhoz) ihren Einflussbereich total verloren.
    bin gespannt wie lange sich der Prinz of Zamunda noch halten kann - er waere ja nicht einmal faehig ein kleines privatdedekteien-Büro zu leiten...
  • N. Y. P. 05.02.2020 16:05
    Highlight Highlight Tidjane Thiam ist für mich schwer greifbar. Hockt in seinem Elfenbeinturm. Fährt jeden Tag mit seinem schwarzen FBI - SUV vom Bunker an der Goldküste direkt in die Tiefgarage der Grossbank. Er ist ein Phantom. Unsympatisch.

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