Gold rettet Bund und Kantonen die Nationalbank-Ausschüttung
Der Goldpreis hat im vergangenen Jahr mehr als 50 Allzeitrekorde geknackt. Ende Jahr kostete ein Kilo des gelben Metalls 110'000 Franken – 34'000 Franken mehr als ein Jahr davor. Weil die Nationalbank 1040 Tonnen Gold besitzt, durfte sie im vergangenen Jahr einen Bewertungserfolg von rund 36 Milliarden Franken in ihre Rechnung einbuchen.
Das ist der Hauptgrund, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) für 2025 einen Gewinn von rund 26 Milliarden Franken ausweisen kann, wie das Währungsinstitut am Freitag nach einer ersten provisorischen Berechnung mitteilte. Obschon die SNB ihre detaillierten Jahreszahlen erst am 2. März vorlegen wird, ist bereits klar: Ohne Goldhausse wäre sie im Berichtsjahr nicht über eine schwarze Null hinausgekommen.
Das ist insofern bemerkenswert, als die boomenden Aktienmärkte der SNB ebenfalls kräftig in die Hände gespielt hatten. Ihr rund 190 Milliarden Franken schweres Aktienportefeuille (Stand Ende September) hat sich 2025 um rund 30 Milliarden Franken aufgewertet, wie Ökonomen der UBS schon vor einigen Tagen berechnet hatten.
Riesige Dollarverluste
Aber die Bewertungsgewinne auf den Gold- und Aktienbeständen waren nötig, um die Wechselkursverluste auszugleichen, die der SNB 2025 heftig ins Kontor schlugen. Die UBS schätzt die Wechselkursverluste auf rund 55 Milliarden Franken, woran der Dollar die Hauptschuld trägt. Die US-Valuta hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um rund 15 Prozent zum Franken abgewertet.
Weil 37 Prozent aller SNB-Devisenreserven (Stand Ende September) in Dollar denominiert sind, lässt sich der Wechselkursverlust auf Dollaranlagen mit über 40 Milliarden Franken beziffern. Wechselkursabsicherungen nimmt die SNB naturgemäss keine vor, weil diese den Effekt ihrer geldpolitisch motivierten Interventionen im Devisenmarkt neutralisieren würden.
So ergab sich für 2025 unter dem Strich ein Gewinn von 26 Milliarden Franken. Diesem entnimmt die SNB – nach Abzug der üblichen Rückstellung zur Deckung der grossen Wertschwankungsrisiken in der Bilanz – das Geld für die Ausschüttungen an die Kantone, den Bund und die wenigen Aktionäre. Kantone und Bund erhalten nach dem üblichen Zwei-Drittel-ein-Drittel-Schlüssel 4 Milliarden Franken. So will es die geltende Ausschüttungsvereinbarung, wie sie 2021 die SNB mit dem Finanzdepartement getroffen hatte.
Gewinnabhängiger Ausschüttungsmechanismus
Gemäss der Vereinbarung wird bei einem Bilanzgewinn ab 2 Milliarden Franken eine Mindestausschüttung in gleicher Höhe fällig. Bei jeder 10-Milliarden-Marke, um die der Gewinn weiter steigt, fliesst eine zusätzliche Milliarde an Bund und Kantone – bis zu einem Maximum von 6 Milliarden Franken. Hätte die Notenbank 2025 also 4 Milliarden Franken mehr respektive insgesamt 30 Milliarden Franken Gewinn erzielt, flössen im Frühjahr sogar 5 Milliarden Franken an den Fiskus.
Die meisten Finanzdirektoren dürften aber schon mit dem vorliegenden Ergebnis mehr als zufrieden sein. Etwa die Hälfte der Kantone stellt, in Anlehnung an die Praxis des Bundes, ihren jeweiligen Anteil an einer Mindestausschüttung von 2 Milliarden Franken ins Haushaltsbudget ein. Die restlichen Kantone budgetieren konservativer. Der SNB-Zustupf dürfte somit überall etwas Entspannung in die teilweise harten Budgetdebatten bringen.
Vor allem in der Westschweiz rechnen einige Kantone 2026 mit hohen Defiziten – allen voran Genf und die Waadt. In Freiburg ist die Regierung mit ihren Sparmassnahmen auf heftigen Widerstand gestossen, und beim Bund sucht man händeringend nach Möglichkeiten, die höheren Militärausgaben im Einklang mit der Schuldenbremse finanzieren zu können.
Schwieriger Kompromiss
Nun müssen sich Bund, SNB und die Kantone auf eine neue Ausschüttungsformel einigen. Der Interessenausgleich ist nicht einfach: Die SNB möchte möglichst viel Flexibilität. Die Finanzdirektoren wünschen sich eine möglichst stetige (planbare), aber auch eine möglichst hohe Ausschüttung. Unter der auslaufenden Ausschüttungsvereinbarung 2021 bis 2025 kam es zweimal zur maximalen Ausschüttung von 6 Milliarden Franken und zweimal ging der Fiskus leer aus.
Diese hohen Schwankungen sind für die Finanzdirektoren gewiss nicht ideal. Ob sie sich mit einer anderen Ausschüttungsvereinbarung verringern lassen, ist allerdings zweifelhaft. Die unruhige Weltlage schlägt sich über die Finanzmärkte in den Zahlen der SNB nieder. Deren immense Bilanzsumme von fast 900 Milliarden Franken bringt das Ergebnis beim Auf- und Ab der Märkte naturgemäss heftig ins Schwingen. (aargauerzeitung.ch)
