Schweiz
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Festival visitors enjoy the show of American rapper Lil Baby during the Openair Frauenfeld music festival on Thursday, July 11, 2019, in Frauenfeld, Switzerland. The Openair Frauenfeld takes place from 11 to 13 July 2019. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Das Openair Frauenfeld gehört zu den grössten Hip-Hop-Events in Europa. Bild: KEYSTONE

Was Saudi-Arabien jetzt mit dem Openair Frauenfeld zu tun hat

Die Saudis nutzen die Gunst der Stunde und investieren in die Lockdown-Verlierer. Mit ihrem Staatsfonds beteiligen sie sich mit Millionen an Live Nation, dem grössten Konzertveranstalter der Welt.



Keine Theater, keine Musicals, keine Konzerte, keine Festivals: Die Coronakrise trifft die Eventbranche hart. Die Kurse börsenkotierter Konzertveranstalter befinden sich im Sturzflug. Die Aktien von Live Nation, dem grössten Veranstaltungskonzern der Welt, hatten im Januar noch einen Wert von 70 Dollar pro Papier. Danach ging es abwärts. Zwischenzeitlich lag der Wert einer Aktie bei unter 30 Dollar.

Sinkende Aktienkurse – die ideale Gelegenheit für Investitionen. Das muss sich die saudische Führungsriege gedacht haben, als sie mit ihrem Staatsfonds 13,3 Millionen Aktien von Live Nation im Wert von über 500 Millionen Dollar kaufte. Der Public Investment Fund (PIF) ist damit mit einem Anteil von 5,7 Prozent neu der drittgrösste Aktionär von Live Nation. Der amerikanische Entertainment-Riese bestätigte das Investment am Montag in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Nach Bekanntgabe stieg der Aktienkurs von Live Nation um rund zehn Prozent in die Höhe.

Konzerte und Festivals in der Schweiz

Der Kopf des Staatsfonds PIF ist Mohammed bin Salman, der Kronprinz von Saudi-Arabien. Ihm werden schwere Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt. Unter anderem wird er auch mit der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Verbindung gebracht. Wie das wohl mit einem Konzertveranstalter einhergeht, der auch in der Schweiz Stars wie Alicia Keys, Sting oder Guns N' Roses auf die Bühne bringt?

Seit einigen Jahren ist Live Nation im Schweizer Showgeschäft tätig. 2017 übernahm das US-Unternehmen das Openair Frauenfeld, eines der grössten Hip-Hop-Festivals Europas. Zudem bespielen sie die grössten Schweizer Stadien mit Konzerten. Ende 2018 kaufte der Konzern die kleine Zürcher Konzertagentur Mainland.

Laut der Handelszeitung ist es unwahrscheinlich, dass die Saudis künftig das Live-Programm von Konzerten oder Festivals in der Schweiz mitbestimmen. Der Chef des Staatsfonds, Yasir Al-Rumayyan, habe gesagt, beim Engagement bei Live Nation handle es sich lediglich um eine passive Beteiligung. Fraglich ist allerdings, wie sich das strenge Regime von Kronprinz Mohammed auf das Image von Live Nation auswirkt.

Tatsache ist, dass die 500-Millionen-Investition in den Konzertveranstalter nicht der erste Streich von bin Salman ist, der in den vergangen Wochen für Wirbel sorgte. Bereits mehrmals griffen die Saudis bei Lockdown-Opfern zu, unter anderem sind sie dabei, den Premier-League-Fussballclub Newcastle United zu schlucken. Der Deal sorgte nicht nur bei Fussballfans für Ärger. Auch Menschenrechtler haben sich in den Streit eingeschalten. Die Premier League ist seit Wochen damit beschäftigt, die Unterlagen des Verkaufs von Newcastle zu prüfen. Bisher wird dazu kein weiterer Kommentar abgegeben. (red)

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    Alle Leser-Kommentare
  • dho 30.04.2020 17:22
    Highlight Highlight Kauft KEINE Produkte oder Dienstleistungen bei Firmen, bei denen die Saudis Aktienpakete besitzen. So einfach ist das.
  • Capslock 30.04.2020 09:39
    Highlight Highlight alles wird verkauft, egal was und egal an wen, Hauptsache man kassiert soviel wie möglich, meine Güte wie weit haben wir es gebracht, un dies nur wegen dem Mammon Geld.und dem Dollarzeichen in den Augen einiger gieriger
  • Hans Jürg 30.04.2020 09:22
    Highlight Highlight Saudi-Arabien und ein Openair?
    Wenn es um Geld geht, ist es ja egal, die eigenen Prinzipien über Bord zu werfen. Dann ist es egal, dass Alkohol in sehr grossen Mengen getrunken wird, dass auch andere Drogen konsumiert werden. Dass Frauen leicht bekleidet in engstem Kontakt mit Männern tanzen, etc.

    Aber von den Saudis erwarte ich ja gar nicht, dass sie ihre mittelalterlichen Prinzipien einhalten.

    Von den Schweizer Verkäufern würde ich hingegen schon erwarten, sich nicht jedem rückständigen Diktator zu verkaufen. Es gibt gewissen Dinge, die macht man einfach nicht. Lieber untergehen als das.
  • Gar Ma Nar Nar 30.04.2020 08:27
    Highlight Highlight Darum verstehe ich nicht, wieso Fussballclubs und die grossen Veranstalter so laut am rumheulen sind, entweder haben sie bereits Saudis/Chinesen/wasauchimmer als Investoren (sollen diese mehr anpumpen) oder solche werden halt kurz vor dem Abgrund ins Boot geholt. Aber Hauptsache mit "Wir gehen unter!" drohen...
  • HartinderHard 30.04.2020 07:21
    Highlight Highlight Hier müsste dringend der Gesetzgeber eingreifen und den Verkauf von Unternehmen ins Ausland bis nach der Krise verbieten, bzw. Strenger regulieren. Das Problem exisiert vor allem in Zusammenhang mit China schon länger, chinesische Firmen dürfen europäische Unternehmen kaufen, umgekehrt ist das kaum möglich, bzw. Der Staat muss massiv beteiligt werden. Die kurzfristig denkenden europäischen Unternehmen müssen dabei im Interesse der Allgemeinheit geschützt werden.
    • aglio e olio 30.04.2020 11:04
      Highlight Highlight Das hat nichts mit Corona zu tun. Der Ausverkauf der Kulturlandschaft findet schon länger statt. Nur interessiert das kaum jemanden und findet auch sonst wenig Beachtung. Ist ja „nur“ Kultur. Live Nation ist ein US Konzern.
  • Raembe 30.04.2020 06:10
    Highlight Highlight Gestern äusserte ich unter einem andern Kommentar meine Bedenken darüber das GC von Chinesen aufgekauft wurde. Ich wurde ordentlich geblitzt als ich auf die Menschenrechts-Situation in China aufmerksam gemacht habe. Und das diese gewissen GC-Fans egal ist, solange ihr Club erfolgreich ist. Da kommen Aussagen wie:

    -Du hast ja auch China Produkte.
    -Bei PSG, Man City, Chelsea sind auch Menschenrechts-verletzter im Hintergrund.
    -Lass doch die Kinder Freude an GC haben.

    Und heute wo es um die Saudis und OAF geht, sind alle extrem kritisch. Nur weil es nicht um Fussball geht?

  • DomKi 29.04.2020 22:16
    Highlight Highlight Der Westen ist hald nur noch dumm wie er sich (aus-)verkauft...
  • dho 29.04.2020 21:21
    Highlight Highlight Die Musiker verzichten auf Frauenfeld, die Besucher verzichten auf Frauenfeld. Ein Konzertveranstalter, der (teilweise) den Saudis gehört, kann problemlos zu Tode boykottiert werden. No problema.
    • aglio e olio 30.04.2020 11:06
      Highlight Highlight Man könnte grundsätzlich auf Frauenfeld verzichten. Der Thurgau hat eine schönere Hauptstadt verdient.
  • Hüendli 29.04.2020 19:28
    Highlight Highlight Keine Theater, keine Musicals, keine Konzerte, keine Festivals: Alltag in Saudi-Arabien.
  • neutrino 29.04.2020 18:58
    Highlight Highlight Man muss trotzallem sagen: 5.7% ist eine absolute Minderheitsbeteiligung. Wer mal das Aktionariat namhafter Schweizer Firmen durchgeht, wird feststellen, dass unter 10% praktisch keine Aktionärskontrolle gemacht wird, d.h. von zwieliechtigen Hedgefonds über Offshore-Stiftungen bis undurchsichtiger ausländischer Privatpersonen ist da alles dabei. Weil man halt mit paar Prozent Aktien nichts bestimmen kann. Kann man gut oder schlecht finden - aber es ist Usus. Deshalb ist die Schlagzeile übertrieben.
  • Dageka 29.04.2020 18:34
    Highlight Highlight Der Westen verkauft sich mehr und mehr an die Saudis und an die Chinesen. Freiheitliche Werte, für die Millionen von Menschen gestorben sind, werden an den höchsten Bieter verkauft. Zum Kotzen!
  • youngmooth 29.04.2020 16:58
    Highlight Highlight Sorry Watson, aber ich finde den gewählten Titel und den damit verbundenen Zusammenhang zu diesem Thema schon sehr fragwürdig. Wieder einmal eine Masche, um Klicks zu generieren... Wäre das gleiche wie "Was Saudi Arabien jetzt mit Ueli Meier (56), Schiesspatronenfertiger bei RUAG zu tun hat.", nur weil die Schweiz wieder irgendwelche Wafen dahin exportiert. Überhaupt keinen sinnvollen Zusammenhang!
  • aglio e olio 29.04.2020 16:36
    Highlight Highlight Finden es die „Sittenwächter“ nicht problematisch wenn damit dem westlichen Lebensstil Vorschub geleistet wird?
    Oder sind das auch alles nur Scheinheilige?
    Mal ganz naiv gefragt.
    • TanookiStormtrooper 29.04.2020 16:58
      Highlight Highlight Geld kommt bei so ziemlich jeder Religion vor Überzeugungen, ist immer nur eine Frage des Preises. SA möchte ausserdem auch in der Öffentlichkeit besser dastehen und versucht halt sich in die Zivilisation "einzukaufen". Funktioniert ja auch, für unsern Ueli war die Kashoggi-Geschichte ja als einer der ersten schon Schnee von gestern und auch der Orange im Weissen Haus fand es nicht so tragisch (die Saudis haben auch Schwiegersohn Kushner unter die Arme gegriffen).
    • homo sapiens melior 29.04.2020 17:00
      Highlight Highlight Genau mein Gedanke.
  • De-Saint-Ex 29.04.2020 16:28
    Highlight Highlight Na dann wollen wir doch mal hoffen, dass sich die Mädchen beim nächsten Openair nicht alle verschleiern müssen...
  • Dan Rifter 29.04.2020 16:13
    Highlight Highlight Punkto Frauenbild dürften zwischen Rappern und Saudis durchaus Überschneidungen bestehen, wenngleich sich auf textiler gewisse quantitative Divergenzen offenbaren.
  • Magnum 29.04.2020 16:11
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • HartinderHard 30.04.2020 07:22
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.

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