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Wirtschaft

«Bridge»: Steht Gastronomie-Konzept der Migros in Zürich vor dem Aus?

Migros könnte bald das «Bridge» schliessen – MGB-Chef Irminger soll dahinter stecken

Über 4 Millionen Franken Miete soll die Migros für ihr Gastronomie-Konzept «Bridge» in Zürich pro Jahr bezahlen. Laut einem Bericht steht das Konzept nun vor dem Aus. Migros-Chef Mario Irminger soll sich gegen die Zürcher Genossenschaft durchgesetzt haben.
25.06.2024, 15:40
Stefan Ehrbar / ch media
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Migros Bridge
Am Ende? Das Gastronomiekonzept Bridge der Migros Zürich.Bild: instagram/bridgezurich

Von einer «Neuinterpretation der DNA der Migros» sprach der Projektleiter vor gut drei Jahren, als die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) an bester Lage an der Zürcher Europaallee in der Nähe des Hauptbahnhofs ihr Konzept «Bridge» eröffnete. Auf der zweistöckigen Fläche können sich die Kundinnen und Kunden bei verschiedenen Essensständen von externen Mietern verpflegen.

Im Angebot sind japanisches Essen, Pizza oder Pasta-Gerichte genauso wie Grill-Spezialitäten. Die Zürcher Kaffee-Kette Vicafe betreibt im «Bridge» einen Ableger, hinzu kommt eine Bar, in der auch Alkohol ausgeschenkt wird. Als «Treffpunkt für Food-Lovers» bewirbt die GMZ den Gastro-Tempel. Auf der 2000 Quadratmeter grossen Fläche werden aber auch normale Supermarkt-Produkte verkauft - zu teils deutlich höheren Preisen als in normalen Migros-Läden.

Dass insbesondere dieser Supermarkt-Teil kommerziell nicht gut funktioniert, zeigte sich schon kurz nach der Eröffnung. Vielen Gästen sei gar nicht bewusst, dass im «Bridge» solche Artikel verkauft werden, sagte eine GMZ-Sprecherin im Jahr 2022 zu CH Media. Die Migros musste das Konzept ein erstes Mal anpassen. Dazu gehörte auch, dass sie den Verkauf von Büchern einstellte, Gastro-Mieter auswechselte und mehr Platz für Familien schuf.

Machtkampf mit Genossenschaft?

Offenbar scheinen diese Massnahmen nicht gefruchtet zu haben. Wie das Portal «Inside Paradeplatz» schreibt, soll das Vorzeigeprojekt der umsatzstärksten Migros-Genossenschaft gestoppt werden. Der Mietvertrag soll nicht verlängert werden. Durchgesetzt habe das Mario Irminger, Chef des übergeordneten Migros-Genossenschaftsbundes (MGB), gegen den Willen der GMZ.

Mario Irminger, Praesident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes spricht an der Bilanzmedienkonferenz der Migros am Dienstag, 26. Maerz 2024 in Zuerich. . (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Mario Irminger, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes.Bild: keystone

Der seit gut einem Jahr als MGB-Chef tätige Irminger soll «seinen Augen nicht getraut haben», schreibt das Portal. Die GMZ habe beim Projekt «keine Grenzen gekannt». Die Monatsmiete, die an die Europaallee-Besitzerin SBB überwiesen wird, betrage 350'000 Franken. Alleine die Einrichtung habe weitere 10 Millionen Franken gekostet. Derzeit seien 70 Mitarbeitende im «Bridge» beschäftigt. Allerdings dürfte es sich bei den meisten um Angestellte der externen Gastro-Mieter handeln.

Die GMZ bestätigt die Nachricht von der angeblichen Schliessung nicht - dementiert aber auch nicht. Auf Anfrage heisst es in einem Statement, die Migros Zürich sei mit der Umsatzentwicklung «sehr zufrieden». Insbesondere die Gastronomie erfreue sich grosser Beliebtheit. Man verzeichne seit Eröffnung stetig steigende Besucherfrequenzen. Die Rückmeldung der Kundinnen und Kunden seien «sehr positiv».

Die Europaallee funktioniert gut

Weniger als ursprünglich geplant werde das Einkaufsangebot genutzt. «Entsprechend sind wir bestrebt, das Gastronomieangebot wie bisher gemeinsam mit innovativen Partnern weiter auszubauen und zu entwickeln», schreibt die GMZ.

Umsatz- oder Ergebniszahlen gebe die GMZ «wie bei all unseren Formaten» nicht bekannt. Dasselbe gelte für vertragliche Konditionen. Ob der Mietvertrag gekündigt wurde und falls ja, bis wann er noch läuft, bleibt also offen. Die GMZ dürfte beim Einzug einen lange laufenden Vertrag abgeschlossen haben.

Eher unüblich wäre, dass MGB-Lenker Mario Irminger den Machtkampf mit einer Genossenschaft wegen eines einzelnen Ladens sucht und diesen auch gewinnt, während er bisher stets betonte, bei weitaus gewichtigeren verlustreichen Engagements wie etwa jenem der GMZ bei der deutschen Supermarkt-Kette Tegut nicht reinreden zu können. «So will es unser föderales System», sagte er noch vor wenigen Wochen zu CH Media.

Die Überbauung Europaallee in Zürich gilt als frequenzstarke Meile, die sich zuletzt gut entwickelte. Die Gastronomie-Betriebe dort sind gut besucht. Das dortige Restaurant Miss Miu der Wiesner-Gastronomie ist beispielsweise das umsatzstärkste der Kette. Auch Coop ist über die Tochterfirma Two Spice mit Restaurants der Formate Yalda und Nooba eingemietet. Letzteres ist seit kurzem auch sonntags geöffnet, wenn die Läden geschlossen sind. Auch das Bridge ist oft gut besucht. Ob das reicht, um die Mietkosten hereinzuholen, bleibt allerdings offen. (bzbasel.ch)

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76 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Walfisch
25.06.2024 15:53registriert Februar 2023
Umsatzstark nützt halt nichts, wenn der ganze Gewinn für die Miete drauf geht...
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benn
25.06.2024 16:00registriert September 2019
bei 4% marge und 3mio alleine miete, wie viel umsatz müsste das konzept wohl erwitschaften. jeder bwl student kann das auf einem bierdeckel halbbetrunken ausrechnen, nur die überbezahlten top manager nicht!
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Urs Kipfert
25.06.2024 16:25registriert Februar 2019
Wenn diese 350'000 Franken Monatsmiete stimmen, müsste man alleine dafür pro Tag pi x Handgelenk rund 1'000 Franken Gewinn erwirtschaften. Dann hat man aber noch keinen Franken Lohn an die angeblich 70 Mitarbeiter bezahlt.

Irgendwas stimmt an diesen Zahlen oder am Konzept nicht.

Den verantwortlichen Jürg Blunschi wird das nicht mehr kratzen. Er wird neuer Präsident einer anderen grossen Genossenschaft, der Migros Aare.
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