Schweiz
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Ein Maierislifeld – oder auch: der blanke Horror. bild: shutterstock.

Kommentar

Maierisli sind die grössten Arschgeigen im Garten



«Roti Rösli im Garte, Maierisli im Wald, wenn dä Wind chunt goge blase, denn verwelked sie bald.»

Ein Schweizer Kinderlied lügt.

Schön wär's. Echt. Wenn sie einfach so verwelken würden, dahinsiechen, um nie mehr aufzustehen. Die Maiglöckchen (Convallaria majalis), hierzulande bekannt als Maierisli.

Doch dem ist nicht so.

Die miesen kleinen Dinger sind verdammt zäh – aber beginnen wir von vorn.

Im Wald stören sie nicht. Aber im Garten. Und dort haben wir sie nun, seit wir vor gut einem Jahr umgezogen sind.

Irgendwann im Frühling schiessen sie aus dem Boden und tun so, als ob sie Bärlauch wären. Mmm Bärlauch. Das ist mal eine Pflanze. Die kann was. Aber das Maierisli? Es kann nichts. Es gehört zwar zur Familie der Spargelgewächse, aber nicht einmal essen kann man es. Im Gegenteil. Das Maierisli ist scheissgiftig. Es löst bei Berührung Haut– und Augenreizungen aus. Wer sich davon in den Mund steckt, zum Beispiel ein Kleinkind, kann Übelkeit, Durchfall und sogar Herzrhythmusstörungen erleiden.

Aber sie sind ja so süss. Die putzigen kleinen Maierisli.

Bullshit.

Maierisli sind miese kleine Pissnelken. Aber ich beleidige die Nelken. Die stellen sich wenigstens mit durchgestrecktem Kreuz hin. Auch wenn sie genau wissen, dass sie keine Rosen sind. Trotzdem sieht man ihnen einen gewissen Stolz an.

Nicht so die Maierisli.

Die machen ein Leben lang den Bückling. Sie lassen ihre kleinen Köpfchen hängen, als hätte sie Mama gerade beim Rauchen erwischt.

Ach, red' doch nicht so böse. Schau, wie unschuldig sie sind! Die kleinen Meierisli. Wie weiss sie blühn.

Ja, weiss sind sie. Natürlich weiss: Aber bei weiss ist immer Vorsicht angebracht. Die Farbe wird gerne dafür missbraucht, wenn es darum geht, Reinheit vorzugaukeln. Stichwort Unterwäsche, Stichwort Uriella. Das Maierisli wurde nicht durch Zufall zur Giftpflanze des Jahres 2014 gewählt.

Verblühen die Dinger endlich, verbleibt ein dicker Teppich an wulstigen braunen Blättern. Damit zeigt das Maierisli endlich sein wahres Gesicht und spätestens jetzt sollte die Einsicht spriessen, dass die hinterlistigen Biester ausgemerzt werden müssen.

Damit kommen wir zum nächsten Problem: Maierisli sind nicht einfach loszuwerden. Guckten sie doch gleich noch so unschuldig aus der Wäsche, entpuppen sie sich als Hydra. Pro abgeschlagenem Kopf wachsen zwei neue nach. Und das unterirdisch.

So verlockend es ist, aber einfach einmal mit dem Rasenmäher darüberzugehen – es hilft nicht die Bohne. Und wer die Gartenpest einfach ausreisst, der wird im nächsten Jahr erschrocken feststellen, wie sehr sich das Maiglöckchenfeld in den Garten gefressen hat. Ihn sich geholt hat. Ihn sich einverleibt hat. Dank seinem Wurzelstock kann sich das hinterhältige Gewächs heimlich unterirdisch weiterverbreiten. Das macht seine Ausmerzung so kompliziert.

Nur wer in geduldiger Arbeit jeden Wurzelstock einzeln ausbuddelt – und dabei den Garten ruiniert – wird den Schädling los. Das Gartenjournal schreibt dazu: «Bis wirklich keine Maierisli im Garten mehr wachsen, kann es mehrere Jahre dauern.»

Aber sie sind ja so niedlich.

Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.

«Die Randensprosse ist das Arschloch der Gesellschaft»

Video: watson/Philipp Löpfe, Emily Engkent

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Geköpfte Schlange beisst noch immer zu

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