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Die Furcht der ETH und der Uni vor einem Affentheater vor der Haustüre

Universität und ETH Zürich kritisieren, dass die Behörden Proteste gegen Affenversuche bewilligt hat. Mehr Toleranz für die Aktivisten kommt von unerwarteter Seite.

Andreas Maurer und Pascal Ritter 



Die Universität Zürich und die ETH wollen sich am Wochenende von ihrer besten Seite präsentieren. Die Hochschulen laden die Bevölkerung von Freitag bis Sonntag zu den Wissenschaftstagen Scientifica ein. Einige Höhepunkte aus dem Programm: Globi führt mit Kindern Physik-Experimente durch. Junge Forscher messen sich im Science-Slam. Ein Professor referiert zum Thema «Was mein Handy über meine Gesundheit weiss».

Die Schweizer Liga gegen Tierversuche LSCV steuert einen weiteren Programmpunkt bei, wenn auch unaufgefordert. Am Samstagnachmittag organisiert sie eine Demonstration gegen Laborversuche mit lebenden Affen an der Uni und der ETH. Die Polizei hat die Aktion bewilligt. Nach einem Protestmarsch dürfen sich die Aktivisten vor den Haupteingängen von ETH und Uni je eine Viertelstunde lang versammeln, Reden halten und Parolen rufen.

Der Zürcher Sicherheitsdirektor Richard Wolff (Alternative Liste) hat das Demonstrationsgesuch genehmigt, ohne ETH und Uni um eine Stellungnahme anzufragen. Als die Hochschulen von der Bewilligung erfuhren, intervenierten sie beim Stadtrat. Erfolglos.

Zwei Personen in Affenkostuemen warten vor dem Bundeshaus West bei der Unterschriftenuebergabe fuer die Petition

So könnte der Protest in Zürich aussehen: Tierschützer protestieren in Affenkostümen. Hier bei der Übergabe einer Petition in Bern im Jahr 2008.  Bild: KEYSTONE

Melanie Nyfeler, Sprecherin der Universität Zürich, sagt auf Anfrage, ETH und Uni würden die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit anerkennen. Aber: «Die beiden Hochschulen haben Bedenken, dass die Demonstration und die Scientifica zur gleichen Zeit am gleichen Ort stattfinden, obwohl sie nichts miteinander zu tun haben.» Es würden viele Familien mit Kindern erwartet. Diese sollen sich «unbeschwert» mit Wissenschaft beschäftigen können. Die Veranstalter treffen Vorkehrungen: Private Sicherheitsdienste sollen dafür sorgen, dass die Veranstaltungen der Uni und der ETH nicht gestört werden.

Die Tierschützer wären bereit gewesen, den Protest an einem anderen Datum durchzuführen. Bei der Terminwahl hätten sie nicht einmal gewusst, dass dann die Wissenschaftstage stattfinden, beteuern sie. Am Alternativtermin wäre der Demonstrationszug jedoch einer anderen Veranstaltung in der Stadt in die Quere gekommen. Deshalb wählte die Polizei das Datum von diesem Wochenende und verursachte somit die Kollision der beiden Anlässe. Die Veranstalter hätten schon mehrere Demonstrationen durchgeführt, bei denen es zu keinen Problemen gekommen sei, heisst es beim Sicherheitsdepartement. Die Polizei werde stets präsent sein und falls nötig konsequent einschreiten.

Tierschutzverein pro Demonstranten

Das Affentheater in Zürich zeigt: Die Tierschützer sorgen für Verunsicherung. Dies liegt auch an der Unübersichtlichkeit der Szene. Sie ist zersplittert und reicht vom Tierschutzverein, der eine Schildkrötenauffangstation betreibt, bis zu radikalen Aktivisten. Die Schildkrötenpfleger werden am Samstag nicht zu sehen sein. Der Dachverband der Tierschutzvereine STS stellt sich auf Anfrage allerdings «ganz klar hinter die Forderungen der Demonstranten». Selber gehe man aber eher nicht mit Plakaten auf die Strasse.

Die Tierversuchs-Gegner des LSCV sind radikal. Vizepräsident Benjamin Frei mag nicht zwischen Mensch und Tier unterscheiden: «Menschen sind Säugetiere. Wir fordern für alle Tiere die gleichen Rechte.» Zerstritten hat sich der LSCV mit dem ebenfalls radikalen Verein gegen Tierfabriken (VgT). Die Organisationen bekämpfen sich bis vor Gericht. Kürzlich wurde Frei in erster Instanz verurteilt, weil er auf Facebook einen Beitrag mit einem «Like» unterstützte, der den VgT-Präsidenten Erwin Kessler mit «brauner Scheisse» in Verbindung gebracht hatte. Dabei ist es gar nicht so lange her, da sah man Mitglieder der beiden Organisationen auf den gleichen Demonstrationen. In den letzten Jahren wurde der VgT zunehmend isoliert.

Nächster Protest in Basel geplant

Zum Verhängnis wurde Erwin Kessler seine Kritik am Schächten, die er mit dem Fingerspitzengefühl eines Boxers vorbringt. Dass Kessler früher einmal Mitglied bei der Nationalen Aktion war, dient seinen Kritikern als Beweis für eine rechte Gesinnung. Heute sei er ausserhalb des Tierschutzes nicht mehr politisch aktiv, sagt Kessler auf Anfrage. Er führt die Anfeindungen durch Organisationen wie den LSCV auf den wachsenden Einfluss von linksradikalen Tierschützern zurück.

Tatsächlich sind in den letzten Jahren Gruppierungen entstanden, welche ihre Kritik an Massentierhaltung mit einer Kritik am Kapitalismus verbinden und sich auch antirassistisch betätigen. An Demonstrationen schwenken sie grüne Flaggen mit der Aufschrift «Antispeziesistische Aktion», die sich an den Fahnen der Antifaschistischen Aktion anlehnen. Sie setzen sich dafür ein, dass nicht mehr zwischen den Spezies Mensch und Tier unterschieden und Letztere diskriminiert werde.

Egal wie die Wissenschaftstage am Samstag verlaufen, die Tierrechtler planen bereits den nächsten Protest. Am 18. November wollen sie in Basel gegen die Fachmesse für Fleischwirtschaft und Lebensmittelproduktion demonstrieren. Die Veranstalter erfuhren erst durch die Anfrage dieser Zeitung von den Plänen. Im Unterschied zu ETH und Uni bleiben sie gelassen. «Wir gehen davon aus, dass die Demo friedlich verläuft. Die Meinungsäusserungsfreiheit respektieren wir selbstverständlich», heisst es beim Fleisch-Fachverband.

Die ETH wurde in der Vergangenheit dafür gerügt, Grundrechte auf ihrem Campus einzuschränken. Sie hatte eine Flugblatt-Aktion des VgT nur vor dem Haupteingang bewilligt, nicht aber zusätzlich vor einem weiteren Eingang. Im Oktober 2016 hiess das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde des VgT gut. Die Hochschule habe die Meinungs- und Versammlungsfreiheit verletzt. 

Giraffen-Nachwuchs im Zoo Basel

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    Alle Leser-Kommentare
  • Valon Gut-Behrami 30.08.2017 09:00
    Highlight Highlight Und wie Watson darüber schreibt ("Affentheater"), macht mich auch nachdenklich. Wie ihr von Affen schreibt, zeugt ganz allgemein nicht von viel Respekt gegenüber ihnen. Beispiel Schimpanse:
    98,4 Prozent der menschlichen DNS sind Schimpansen-DNS. Der Unterschied zwischen Gorillas und Schimpansen ist mit über 2 Prozent größer als der Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse. Schimpansen/Bonobos (auch 98,4 % Übereinstimmung) und Menschen stehen molekularbiologisch enger zusammen als Mäuse und Ratten, Kamele und Lamas.
    Wäre euch das bewusst, würdet ihr nicht so über Affen schreiben.
  • efrain 30.08.2017 08:56
    Highlight Highlight Hm. Also für diejenigen, die's (wie ich) verpasst haben:

    Ja, offenbar sollen an der Uni/ETH neuerdings wieder Tierversuche durchgeführt werden.

    https://www.blick.ch/news/schweiz/tierversuche-gericht-bewilligt-versuche-mit-affen-an-uni-und-eth-zuerich-id6556646.html
  • Theor 30.08.2017 08:17
    Highlight Highlight "...ETH und Uni würden die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit anerkennen. Aber..."

    kommt gleich nach

    "Ich bin kein Rassist, aber..."
    • Jein 30.08.2017 08:51
      Highlight Highlight Bedenken darüber zu äussern, dass gleichzeitig mit Scientifica direkt vor den Eingängen eine Demo stattfindet, ist legitim. Die Veranstalter der Demo sagen ja selbst auch dass sie es nicht unbedingt an dem Tag machen wollten, die sind wohl weniger sensibel in Sachen Demonstrationsfreiheit als du.
    • Theor 30.08.2017 10:29
      Highlight Highlight Nein, der Vergleich ist keineswegs nicht absurd. Man will keine Demonstration, damit die Endkunden nicht damit konfrontiert werden, dass für ihre Produkte Tiere leiden. Das ist das genau gleiche, wie Kindern zu erzählen, das Fleisch käme aus der Migros. Es ist scheinheilig und verlogen. Man soll doch bitte dann protestieren, wenn es die normalen Leute nicht mitbekommen.
    • Jein 30.08.2017 12:58
      Highlight Highlight Beim Tierversuch mit Affen an der ETH/Uni ZH handelt es sich um Grundlagenforschung in Neuroinformatik, gibt dementsprechend gar keine "Endkunden" in dem Sinne.

      Und die Recht auf Versammlungsfreiheit beinhaltet nicht auch das Recht, dann zu protestieren wenn es am medienwirksamsten ist. Die Demonstranten wissen das, darum findest du im Artikel ja auch keine Kritik darüber.
  • Valon Gut-Behrami 30.08.2017 07:41
    Highlight Highlight Könnte man seine Arbeit ethisch vertreten, bräuchte man sich nicht um Protest zu sorgen.
    • Valon Gut-Behrami 30.08.2017 09:00
      Highlight Highlight Man kann die Arbeit auch nicht ethisch vertreten!
    • Valon Gut-Behrami 31.08.2017 09:20
      Highlight Highlight Menschen kamen jedenfalls keine zu Schaden, was ich von Tieren bei Tierversuchen nicht behaupten kann.
    • Valon Gut-Behrami 31.08.2017 11:14
      Highlight Highlight Ich lehne Gewalt ab. Daher auch Tierversuche. Und ich esse das von dir Erwähnte nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dreiländereck 30.08.2017 07:35
    Highlight Highlight Zitat: "Mehr Toleranz für die Aktivisten kommt von unerwarteter Seite."
    Meinen die Autoren damit den Tierschutzverein oder die linken Aktivisten?
    Für mich sind beides nicht unerwartete Seiten.
    • Chewbacca 30.08.2017 07:46
      Highlight Highlight Wohl eher den Fleisch-Fachverband. Wobei Watson hier "nichts dagegen" mal eben so mit "Unterstützung" gleichsetzt.
    • olmabrotwurschtmitbürli 30.08.2017 08:12
      Highlight Highlight Das habe ich mich auch gefragt, vermutlich ist aber der Fleisch-Fachverband gemeint (zweitletzter Absatz).

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