Schweiz
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Gefährliche Zeckenbisse nehmen weiter zu – jetzt prüft der Bund neue Massnahmen

Die Empfehlungen für Zecken-Impfungen sollen ausgeweitet werden, möglicherweise sogar auf die ganze Schweiz.

16.09.18, 14:12 16.09.18, 15:24


Die Zahl der von Zecken übertragenen Frühsommer-Menigoenzephalitis (FSME), einer Virus-Hirnentzündung, hat in diesem Jahr mit 323 Fällen einen neuen Höchststand erreicht. In der Vergleichsperiode des letzten Jahres waren es 191 Fälle.

Und angesichts des nach wie vor sehr schönen und warmen Wetters gibt es immer noch neue Fälle.

Fünf Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohner

Die Infektionen haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Zählte das BAG im Jahr 2015 noch 1,42 FMSE-Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner, sind es inzwischen bereits rund fünf Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) prüft deshalb derzeit eine Ausweitung der Impfempfehlungen, wie Daniel Koch, Abteilungsleiter für übertragbare Krankheiten im BAG, auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA sagte.

«Eine Ausweitung der Risikogebiete muss ins Auge gefasst werden.»

Daniel Koch, Bundesamt für Gesundheit

Die genauen Empfehlungen werden voraussichtlich erst im Winter vorliegen. Wegen der starken Zunahme der Fälle und der Schwere der Erkrankungen, die durch Zeckenbisse verursacht werden, dürfte das Impfgebiet auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden. Dies hätte zur Folge, dass schweizweit die Krankenkassen die Kosten für die Impfung übernehmen müssten.

Bisherige Risikogebiete mit FSME-Impfempfehlung. screenshot: bund

Bis anhin wurde eine Impfung nur den Menschen in den sogenannten Risikogebieten empfohlen sowie Menschen, die sich regelmässig in diesen Regionen aufhalten.

Infektion kann tödlich enden

Bei der FSME handelt es sich um eine «sehr gefährliche Krankheit, die das Nervensystem angreift», wie Koch sagt. So stirbt im Durchschnitt jedes Jahr ein Mensch daran und praktisch jeder Fall macht einen Spitalaufenthalt notwendig.

Die Infektion zeigt sich meist mit einer grippeartigen Erkrankung vier bis sechs Wochen nach einem Zeckenstich. Vorübergehend klingen die Symptome wieder ab, um dann umso heftiger aufzutreten.

Hohes Fieber mit über 40 Grad, Nackenstarre oder auch Lähmungserscheinungen sind erste Anzeichen einer FSME-Erkrankung. Im Spital können lediglich die Symptome bekämpft werden, das heisst, das Fieber kann gesenkt und der Patient beobachtet werden.

Lebenslange Komplikationen möglich

Auch wenn das Spital unter Umständen nach einigen Wochen oder auch Monaten verlassen werden kann, sind die «Nachwehen» noch längere Zeit zu spüren, oft sogar lebenslang. Hat sich der Körper einmal erholt und ist wieder bei Kräften, so leidet der Patient beispielsweise plötzlich unter schweren Migräneanfällen, hat Konzentrationsschwächen oder auch motorische Probleme.

«In vielen Fällen haben wir es mit bleibenden Schäden zu tun, glücklicherweise bei Kindern nicht so oft», sagt Koch. Und das einzige Mittel, das gegen eine FSME-Infektion helfen kann, ist die Impfung. Denn im Gegensatz zu der anderen von Zecken übertragenen schweren Krankheit, der bakteriellen Borreliose, kann die virale FSME-Infektion nicht mit Antibiotika bekämpft werden.

(dsc/sda)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thinkdeeper 17.09.2018 10:01
    Highlight Und was ist mit den Fällen die trotz Impfung auftreten? Wird da im Kanton Luzern etwas verschwiegen?
    Gibt es mittlerweile mutierte Erreger?
    6 3 Melden
  • .:|Caballito de Mantequilla|:. 16.09.2018 19:13
    Highlight Entfernt. Bitte formuliere deine Kritik sachlich. Danke, die Redaktion.
  • Stefan König 16.09.2018 17:19
    Highlight Sich zu impfen ist ja besonders in den Hochrisikogebieten empfehlenswert.
    Wenn mann denn auch öfters durchs Dickicht streicht.
    Was ich in dem Artikel vermisse, sind aber Tipps was mann tun könnte um einen Zeckenbiss schon im Voraus zu vermeiden.
    Wie zb Beispiel
    Hohe Schuhe.
    Helle geschlossene Bekleidung.
    Und wenn möglich nicht durch Buschig und
    29 10 Melden
    • tinmar 17.09.2018 09:32
      Highlight Google
      1 3 Melden
  • fabsli 16.09.2018 16:36
    Highlight Ein wirklich unnützes Tier.
    44 17 Melden
    • Caturix 16.09.2018 17:40
      Highlight Ob es schlimmer ist als der Mensch und weniger nützt mag ich zu bezweifeln.
      23 23 Melden
    • Ueli der Knecht 16.09.2018 18:29
      Highlight Zecken haben auch vielfältigen Nutzen. Sie sorgen zB. für eine stärkere Immunabwehr, und sie helfen zB. auch einheimischen Arten, sich gegen invasive Fremdlinge zu behaupten.
      https://www.mdr.de/wissen/zecken-106.html
      10 7 Melden
    • tinmar 17.09.2018 09:33
      Highlight Ich denke es würde auch ohne Zecken ganz gut laufen.
      3 2 Melden
  • Rhabarber 16.09.2018 16:20
    Highlight 1. wie sicher ist die Impfung?
    2. gibt's Nebenwirkungen?
    3. wie lange hält die Impfung?
    4. wie ist die Impfrate in den betroffenen Gebieten?

    Das wären noch Fragen gewesen, zu denen ich sehr gerne Antworten in diesem Artikel gelesen hätte.
    45 29 Melden
    • Alnothur 16.09.2018 17:25
      Highlight Wie lange sie hält, würde mich auch gerade interessieren... Ich hab die vor etwa 15 Jahren gemacht.
      12 4 Melden
    • Goon 16.09.2018 18:08
      Highlight Wenn man die drei Impfungen innert glaubs 9 Monaten macht, hält sie 10 Jahre an.
      16 2 Melden
    • Ueli der Knecht 16.09.2018 18:20
      Highlight Hier gibt's Infos zur Impfung (Nebenwirkungen und Schutzdauer):
      https://www.infovac.ch/de/?option=com_gd&view=listing&fid=375&task=ofile
      16 0 Melden
    • Amboss 17.09.2018 10:13
      Highlight Wären aber auch fragen, die man problemlos selber recherchieren könnte. Es muss doch nicht alles ein Journi vorkauen.

      Noch besser: Diese Fragen mit dem Hausarzt des Vertrauens besprechen. Der kann wirklich kompetent Auskunft geben.
      7 1 Melden
  • Alnothur 16.09.2018 15:56
    Highlight Eine Borreliose bleibt leider oft auch unerkannt, da sie teilweise Symptome zeigt, die man üblicherweise mit anderen Krankheiten assoziiert. So kann eine Borrelioseinfektion z.B. Depressionssymptome auslösen.
    22 1 Melden
  • Jakob4747 16.09.2018 14:49
    Highlight Zecken verbreiten leider immer wieder Krankheiten, jedes Jahr gibt es neue Zeckenwarnungen. Insekten etc. gehören auch dazu, dass unser Planet Erde bestehen kann oder bleibt.
    11 2 Melden
    • spanischi nössli 16.09.2018 17:59
      Highlight Ungefähr gleich nötig wieder Dinosaurier.
      7 14 Melden

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