Schweiz
Zürich

Mutmassliche Pink Panther Bandenmitglieder vor Zürcher Gericht

Mutmassliche Pink Panther Bandenmitglieder vor Zürcher Gericht

22.09.2020, 15:2622.09.2020, 15:26
Mehr als sechs Jahre nach seiner Verhaftung stand ein fr
Prominenter Fall am Bezirksgericht ZürichBild: KEYSTONE

Vor dem Zürcher Bezirksgericht müssen sich am Mittwoch drei mutmassliche Mitglieder der Pink-Panther-Bande verantworten. Diese kriminelle Organisation vom Balkan ist bekannt für ihre akribische Vorbereitung. In diesem Fall ging sie jedoch schief.

Vor Gericht stehen drei Serben im Alter zwischen 39 und 44 Jahren, die im Februar 2018 einen genauen Plan ausgearbeitet haben sollen, um Bijouterien in der Schweiz zu überfallen. Im Visier standen Schmuck- und Uhrengeschäfte in Lugano und Gstaad.

Die Anklageschrift zeigt, wie akribisch die drei Männer vorgingen: Während Tagen spähten sie die Geschäfte aus, organisierten im Internet eine geeignete Wohnung in Grenznähe, um unterzutauchen und besorgten sich in Mailand Waffen und falsche Kontrollschilder.

Ihre drei Motorroller, mit denen sie nach dem geplanten Überfall in Lugano flüchten wollten, organisierten sie an verschiedenen Orten, darunter auch in Zürich. Den Transporter, mit denen sie die Roller ins Tessin transportierten, mieteten sie im Kanton Schaffhausen.

Es folgten mehrere Testfahrten mit den Motorrollern, das Auskundschaften der Innenstadt von Lugano zu Fuss, das Abfahren des Fluchtweges und mehrere «Besichtigungen» von Schmuckläden. Dabei merkten sie sich genau, wo wie viele Personen arbeiteten und wie die Sicherheitsvorkehrungen aussahen.

15 Jahre Landesverweis

Noch bevor sie in Lugano zuschlagen wollten, fuhren zwei von ihnen sogar schon nach Gstaad und inspizierten den nächsten Juwelier auf ihrer Liste. Am Tag, an dem sie das Geschäft in Lugano ausrauben wollten, schlug jedoch die Polizei zu: Die drei Männer sassen gerade startbereit auf ihren Motorrollern, als die Handschellen klickten.

Der Staatsanwalt verlangt für die drei wegen versuchten Raubes und weiterer Delikte Freiheitsstrafen zwischen fünfeinhalb und sieben Jahren, dazu Landesverweise von 10, respektive 15 Jahren.

Die Landesverweise sollen im Schengener Informationssystem ausgeschrieben werden. Das bedeutet, dass sie während des Landesverweises auch kein anderes Schengen-Land mehr betreten dürften. Die drei Serben sitzen derzeit in Winterthur respektive in Zürich im Gefängnis.

Jeder hat seine festgelegte Rolle

Seit vielen Jahren verüben jeweils unterschiedlich zusammengesetzte Gruppen von Pink Panthern Raubüberfälle auf Juweliergeschäfte. Die international tätige Organisation vom Balkan soll Verbindungen in höchste Ebenen von Polizei und Politik haben.

Charakteristisch für diese Bande ist die akribische Planung und Organisation der Raubüberfälle, das präzise Ausspähen der anvisierten Bijouterien und das blitzschnelle Zuschlagen einer kleinen Gruppe, in der jeder eine genau festgelegte Rolle hat. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Interview mit neuem Uni Zürich-Rektor
«Ja, die Uni hat Fehler gemacht und der nächste Patzer wird folgen»
Mit zwei Problemen haderte die Universität Zürich in den vergangenen Monaten: Dem Fall Mörgeli und dem umstrittenen UBS-Sponsoring. Der neue Rektor Michael Hengartner nimmt Stellung.
Der neue Rektor der Universität Zürich, Michael Hengartner, räumt in den Fällen Mörgeli und UBS-Sponsoring Fehler ein. Einen Vertrag wie jenen mit der UBS werde die Uni künftig sofort veröffentlichen, sagte Hengartner in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Und die Entlassung der Titularprofessorin Iris Ritzmann «sei nicht gut gelaufen». Bei einer Universität dieser Grösse werde es aber immer Fehler geben, sagte er. «Ich garantiere Ihnen: Der nächste Patzer wird kommen.» Wichtig sei aber, dass Politik und Öffentlichkeit wüssten, dass die Uni Fehler aufgreife und alles tue, damit sie kein zweites Mal passierten. Die Uni wolle sich verbessern. Die Politik werde nicht mehr lange Geduld haben. Durch die Geheimhaltung des Sponsoring-Vertrages mit der UBS habe sich die Uni einen Bärendienst erwiesen, sagte der 47-Jährige weiter. Es sei klar, dass man solche Verträge künftig sofort veröffentlichen werde. «Sollte ein Geldgeber von uns verlangen, dass der Vertrag nicht öffentlich gemacht wird, werden wir das Geld nicht annehmen.»
Zur Story