Schon seit einiger Zeit gilt Zürich als eine der Kokain-Hochburgen Europas. Wie eine neue Studie zeigt, ist der Konsum der Droge bei jungen Erwachsenen aber nochmals deutlich weiter verbreitet als zuvor angenommen: Von den 760 Teilnehmenden im Alter von 24 Jahren hat mehr als jede fünfte Person (22,8 Prozent) in den letzten drei Monaten mindestens einmal Kokain konsumiert.
Die Zahlen der Studie stammen aus einer Haaranalyse. Erstaunlich ist dabei, dass viele der Studien-Teilnehmenden bei einer Befragung den Konsum nicht zugaben. Von den 173 durch Haaranalysen bestätigten Kokainkonsumierenden gaben mehr als 100 Personen (also rund 60 Prozent) an, die Substanz im untersuchten Zeitraum der Studie nicht konsumiert zu haben.
«Viele der Betroffenen konsumieren offenbar nur sporadisch und haben den letzten Konsum schon wieder vergessen oder wähnen ihn länger als drei Monate zurück», so Pharmakopsychologe Boris Quednow, der die Studie mitleitete, gegenüber dem SRF. Weiter sei Kokainkonsum stigmatisiert und illegal, sodass bei der Nichtangabe des Konsums im Selbstbericht sicher unter anderem auch Scham eine Rolle spielen würde.
Die tatsächliche Häufigkeit bezeichnete Quednow als «schockierend». Bemerkenswert ist, dass der Konsum zuletzt deutlich anstieg. Bei der letzten Messung vor vier Jahren war es bei derselben und sogar noch etwas grösseren Gruppe mit 1001 Teilnehmenden im Alter von 20 Jahren weniger als halb so viel (9,4 Prozent) gewesen, die in den letzten drei Monaten Kokain konsumiert hatten.
«Früher mussten die Leute zu zwielichtigen Dealern gehen, heute lässt es sich kontaktfrei über Social Media oder Messenger-Dienste bestellen und man bekommt es in kürzester Zeit geliefert», so Quednow über die möglichen Gründe des Anstiegs. Ein weiterer wichtiger Faktor sei der Preis. Mittlerweile koste ein Gramm Kokain nur noch zwischen 70 bis 120 Franken.
Kokain ist eine extrem stimulierende Substanz, welche beim Konsum einen starken Kick auslöst und so etwa negative Emotionen überdecken kann. Der Effekt ist allerdings nur von kurzer Dauer – es folgt ein emotionaler Crash, geprägt von grossen Selbstzweifeln bis hin zu Suizidgedanken. Weiter macht Kokain häufiger abhängig als andere Drogen wie Alkohol und Cannabis: Gemäss Angaben von Quednow entwickelt jede fünfte bis achte Person durch den Konsum eine Kokainabhängigkeit. (dab)