Stadtratswahlen in Winterthur: Das Rennen könnte spannend werden
Die Winterthurer Stadtratswahlen vom 8. März versprechen Spannung: Der langjährige Stadtpräsident Michael Künzle (Mitte) tritt ab, ebenso GLP-Stadträtin Katrin Cometta. Fünf Bisherige treten erneut an, eine ganze Reihe neue Kandidierende wollen ebenfalls mitregieren. Nachfolgend eine Übersicht. Wer hat Chancen, wer nicht?
Die SP könnte das Stadtpräsidium holen
Die SP will das Stadtpräsidium der zweitgrössten Zürcher Stadt zurückerobern. Bevor der nun abtretende Michael Künzle (Mitte) vor 17 Jahren zum Präsidenten gewählt wurde, war lange Jahre Ernst Wohlwend (SP) an der Spitze der traditionell eher links wählenden Stadt.
Nun wollen die Sozialdemokraten mit Kaspar Bopp das Präsidium zurück. Bopp ist seit 2019 für die Finanzen verantwortlich und hat intakte Chancen, das Amt zu holen. Allerdings tritt er meist nur dann in Erscheinung, wenn er nüchterne Zahlen präsentiert – oder gar ein Defizit. Ebenfalls ins Rennen gehen der langjährige Sozialvorsteher Nicolas Galladé und Bauvorsteherin Christa Meier. Sie wollen als Stadtrat respektive Stadträtin wiedergewählt werden.
Die FDP hat aber den volksnaheren Kandidaten
Einziger Konkurrent von Präsidiumskandidat Kaspar Bopp ist der langjährige FDP-Stadtrat Stefan Fritschi. Er ist seit 2010 in der Stadtregierung, zuerst als Vorsteher des Departements Schule und Sport, seit 2017 ist er für die technischen Betriebe verantwortlich, also unter anderem für Stadtbus, Kehrichtverwertung und Begrünung.
Seine Chancen aufs Präsidentenamt sind ebenfalls intakt. Er gilt als volksnaher als Finanzvorsteher Bopp, nur schon, weil er themenbedingt häufiger an Einweihungen teilnimmt. Profitieren könnte Fritschi zudem davon, dass die GLP nicht mehr in der links-grünen Allianz mitmacht. Möglich, dass die GLP-Wählenden nun für ihn stimmen. Ebenfalls für die FDP tritt Gemeinderätin Romana Heuberger an. Sie soll einen zweiten Sitz für die Partei holen. Allerdings ist es bereits ihr dritter Anlauf. Chancen: eher klein.
Die Mitte steht vor einer Zitterpartie
Die Mitte wird versuchen, ihren bisher einzigen Sitz zu verteidigen, jenen des abtretenden Stadtpräsidenten Künzle. Dafür steigt sie mit dem langjährigen Stadtparlamentarier Andreas Geering in den Ring. Geering versucht jedoch «nur» den Sprung in den Stadtrat, nicht ins Präsidium. Dies wäre aussichtslos. Und auch den bisherigen Sitz zu halten, dürfte für die Mitte zur Zitterpartie werden. Die Partei hat im traditionell reformierten Winterthur nur eine kleine Wählerbasis.
Grüne Krisen-Managerin mit unklaren Wahlchancen
Die Grünen wollen ihren bisherigen Sitz in der Stadtregierung mit Schulvorsteherin Martina Blum verteidigen. Blum hatte nach ihrer Wahl vor vier Jahren keinen einfachen Start, weil sie von ihrem Amtsvorgänger ein Departement übernahm, in dem es drunter und drüber ging. Zahlreiche Führungspersonen hatten gekündigt. Sie führte zuerst eine Reorganisation der Reorganisation durch. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, die Schule bleibt aber ein Problemherd. Ob sich dies auf Blums Wahlchancen auswirkt, ist offen.
Die SVP will wieder mitreden
Die SVP versucht erneut den Sprung zurück in die Regierung. Seit der schmerzlichen Abwahl von Bauvorsteher Josef Lisibach im Jahr 2018 – er wurde von der heutigen SP-Stadträtin Christa Meier überholt – ist die Partei nicht mehr im Stadtrat vertreten.
Nun versucht sie es mit Fraktionspräsident Christian Hartmann. In seinem Wahlkampf setzt Hartmann hauptsächlich aufs Thema Finanzen, respektive auf die hohen Ausgaben der Stadt, etwa im Schulhausbau. Hartmann fordert «mehr Mut zur Imperfektion». Die SVP hat mit ihm bessere Chancen als bei früheren Wahlen.
Die GLP kämpft neu alleine
Bei den letzten Wahlen schaffte es die GLP mit Katrin Cometta erstmals in die Winterthurer Stadtregierung. Nun hat die Sicherheitsvorsteherin nach nur einer Amtszeit bereits genug. Ihren Sitz verteidigen will der ehemalige Gemeinderat und heutige Kantonsrat Urs Glättli. Der gebürtige Walliseller arbeitet derzeit als Rechtskonsulent bei der Stadtregierung von Wallisellen. Er wüsste also bereits, wie eine Stadt geführt und verwaltet wird.
Allerdings ist die GLP im Wahlkampf alleine unterwegs. Nur noch SP und Grüne schlossen sich zu einem «Päckli» zusammen, GLP und EVP verzichteten. Die Stimmen der SP- und Grünen-Wähler könnten Glättli nun fehlen. Zudem muss die GLP den Wahlkampf alleine stemmen.
EVP will nach langer Zeit wieder mitregieren
Die EVP war vor 15 Jahren letztmals im Winterthurer Stadtrat vertreten. Damals führte Maja Ingold das Departement Soziales. Der heutige Nationalrat Nik Gugger versuchte sein Glück zwei Mal, allerdings erfolglos. Nun soll es Gemeinderätin und Fraktionspräsidentin Franziska Kramer-Schwob richten. Ihre Chancen auf einen Sitz im Stadtrat sind jedoch klein. (sda)
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