Schweiz
Zürich

Pfuusbus verzeichnet so viele Übernachtungen wie noch nie

ARCHIVE --- PFARRER ERNST SIEBER HAT SCHON IMMER DAS HIER UND JETZT INS ZENTRUM SEINER TAETIGKEIT GESTELLT. SO KUEMMERT ER SICH BIS HEUTE EBENSO ENGAGIERT WIE EINZIGARTIG UM MENSCHEN IN NOT, SUCHTKRAN ...
Pfarrer Sieber vor dem Pfuusbus. Aufnahme aus dem Jahr 2010.Bild: KEYSTONE

Pfuusbus verzeichnet so viele Übernachtungen wie noch nie

16.04.2024, 13:0416.04.2024, 13:04
Mehr «Schweiz»

Der Pfuusbus ist im vergangenen Winter so stark ausgelastet gewesen wie noch nie. Dies dürfte auf einen veränderten Drogenkonsum, eine überlastete Psychiatrie und die Wohnungsnot zurückzuführen sein, vermuten die Verantwortlichen.

Das Sozialwerk Pfarrer Sieber registrierte in seinem Pfuusbus, der Notschlafstelle für einheimische Obdachlose, von Mitte November 2023 bis Mitte April 2024 total 6495 Übernachtungen von 277 verschiedenen Personen. Im Vorwinter waren es 4965 Übernachtungen von 251 Menschen.

Im Iglu, der Notschlafstelle für obdachlose Wanderarbeiter, habe sich die Nachfrage mit 3919 Übernachtungen im Bereich des Vorwinters (3902) bewegt, teilte das Sozialwerk am Dienstag mit.

Als mögliche Gründe für die trotz eines milden Winters deutliche Zunahme der Übernachtungen im Pfuusbus weist das Sozialwerk auf einen veränderten Drogenkonsum hin.

Denn in dessen Fachspital Sune-Egge hätten Ärzte festgestellt, dass Patienten, die früher Kokain gespritzt hätten, die Substanz vermehrt als Crack rauchten, heisst es in der Mitteilung. Dies führe zu einer stärkeren Abhängigkeit und beschleunige die soziale Desintegration.

Im Pfuusbus hätten im Winter 2023/24 auch vermehrt psychisch Erkrankte Schutz gesucht, hält das Sozialwerk Pfarrer Sieber fest. Dies hänge womöglich mit der Überlastung der Psychiatrie nach dem Ende der Coronapandemie zusammen. Gerade Patienten ohne tragfähiges soziales Netz, die sich mit Terminen schwer tun und Medikamente nicht regelmässig einnehmen, könnten aus dem System fallen.

Die erhöhte Nachfrage nach Notschlafplätzen könnte auch mit der angespannten Lagen auf dem Wohnungsmarkt zu tun haben: «Wir stellen jedenfalls fest, dass einige Gäste tagsüber einer bezahlten Arbeit nachgingen», heisst es in der Mitteilung. «Sie hatten ihre prekäre Wohnsituation verloren und wurden von teils überforderten Wohngemeinden an den Pfuusbus verwiesen.» (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Kämpft weiter, ich hab‘s heiter»
1 / 20
«Kämpft weiter, ich hab‘s heiter»
Pfarrer Ernst Sieber hat sich ein Leben lang um Menschen in Not gekümmert.
quelle: keystone / str
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
Wie eine Rekord­pe­ti­ti­on für das Frauenstimmrecht in der Schublade verschwand
Die Geschichte einer Petition für das Frauenstimmrecht, die mit 250'000 Unterschriften eingereicht wurde und danach für Jahrzehnte in einer Schublade verschwand.
Im Jahr 1928 erschien ein Buch über die Schweizer Frauenbewegung mit dem Untertitel «Ihr Werden, ihr Wirken, ihr Wollen». Die Autorin Annie Leuch-Reineck, promovierte Mathematikerin und seit Kurzem Präsidentin des Schweizerischen Verbands für Frauenstimmrecht, ehrte darin die Schweizer Pionierinnen, die zeitgleich mit Frauen in anderen Industrienationen das Frauenwahlrecht aufs politische Tapet gebracht hatten. In den vergangenen Jahren war ihr Anliegen vielerorts zum Durchbruch gelangt, in Deutschland und Österreich 1918, in den USA 1920, in Grossbritannien 1928.
Zur Story