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Miriam Cahn zieht ihre Bilder aus dem Zürcher Kunsthaus ab

22.12.2021, 10:07
Bild: KEYSTONE

Die international bekannte Schweizer Künstlerin Miriam Cahn will ihre Werke nicht länger im Kunsthaus Zürich ausstellen und kauft sie deshalb zurück. Auslöser dafür ist die Diskussion um die Sammlung E.G. Bührle.

Endgültig genug hatte Cahn vergangene Woche, nach der Medienkonferenz von Kunsthaus und Stiftung E. G. Bührle. Dabei beharrten Kunsthaus und Stiftung auf ihren Positionen und wiesen Kritik am Dokumentationsraum und an der Provenienzforschung zurück.

Sie als Jüdin wolle nicht mehr in diesem Zürcher Kunsthaus vertreten sein und ziehe sämtliche Arbeiten ab, kündigte sie daraufhin in einem Schreiben an das jüdische Wochenmagazin «Tachles» an, das am Mittwoch auch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorlag. Sie werde die Bilder zum Originalpreis des Ankaufs zurückkaufen.

In ihrem Schreiben wirft die 72-Jährige den Akteuren Geschichtsblindheit und mangelnde Sensibilität vor. Kunst kaufen wasche nicht weiss. Kunst sammeln mache nicht zu einem besseren Menschen. Dazu komme die «undurchsichtige Gemengelage» zwischen Kunsthaus, Stadt, Bührle, Wissenschaftlern und anderen, die zum Leihvertrag geführt hätten.

«Sehr verzerrte Darstellung» historischer Tatsachen

Auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) reagierte vergangene Woche empört. An der Medienkonferenz sei «eine teilweise sehr verzerrte Darstellung der historischen Tatsachen präsentiert» worden, schrieb der SIG. Dies sei eine «wenig konstruktive und unnachgiebige Haltung» und für den SIG «erschreckend».

Das Kunsthaus Zürich will nun ein unabhängiges Expertengremium einsetzen, das klären soll, ob die Stiftung E. G. Bührle ihre Provenienzforschung richtig betrieben und die Ergebnisse korrekt präsentiert hat. Das Kunsthaus reagiert damit auf eine Forderung von Kanton und Stadt Zürich.

Mit der Integration der privaten Sammlung E. G. Bührle als Dauerleihgabe ans Kunsthaus wurde die Debatte um Raub- oder Fluchtkunst in diesem Herbst neu lanciert. In der Folge wurden die ausgestellten Bührle-Bilder mit QR-Codes ergänzt, die zur Herkunftsforschung führen, welche die Sammlung selber betrieb.

Es besteht der Verdacht, dass die Sammlung auch Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus enthält. Emil Georg Bührle war durch Waffengeschäfte während und nach dem Zweiten Weltkrieg zum damals reichsten Mann der Schweiz geworden. Bührle lieferte Waffen auf beide Seiten, sowohl an Nazideutschland als auch an die Alliierten. (aeg/sda)

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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mikel
22.12.2021 11:15registriert Februar 2014
Da hat das Kunsthaus aber "s'Gschänk". Ihre elitäre Haltung wird ihnen noch lange Schwierigkeiten einbringen. Ich für meinen Teil werde das Kunsthaus im Moment auch nicht mehr besuchen. Aber natürlich ist zu sagen, dass hier alle, inkl. Stadt und Kanton, offenbar versagt haben.
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mrmikech
22.12.2021 12:56registriert Juni 2016
Waffenhändler beliefern immer beide seiten. So kann man auch schön aus "nur" ein konflikt, einen krieg wachsen lassen. Ist ein offenes geheimnis. Politiker reden darüber nicht gern, weil die meiste waffenproduzenten zumindestens zum teil staatlich sind.

Reiche "investieren" in kunst, weil es eine ziemlich sichere anlage ist, und super um schwarzes geld weiss zu waschen.

Alles sehr schmutzig. Aber eben, mit arbeiten wird man nicht reich...
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